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Singapur
(dpa) - Der alarmierende Artenschwund in Tier- und Pflanzenwelt raubt der
Menschheit die Schlüssel zur Entwicklung lebensrettender Medikamente. Davor
warnt das UN-Umweltprogramm (UNEP) in einer Studie zur Artenvielfalt, die
kürzlich in Singapur veröffentlicht wurde.
Der Verlust der
Lebensräume, die Zerstörung und Schwächung der Ökosysteme,
Umweltverschmutzung, Ausbeutung und Klimawandel zehren am Naturkapital des
Planeten, einschließlich der medizinischen Schatzkiste, die in der
Artenvielfalt verborgen ist", sagte UNEP-Direktor AchimSteiner.
Das Geheimnis für
neue Antibiotika, Krebsmedikamente oder Schmerzmittel könne in der Tierwelt
zu finden sein, heißt es in der Studie Sustaining Life" (Leben erhalten;
Oxford University Press) von mehr als 100 Autoren. Sie führen als Beispiel
die Magenbrüterfrösche (Gattung Rheobatrachus) an, die in den 80er Jahren in
Australien entdeckt worden waren. Sie brüteten ihren Nachwuchs im Magen aus.
Der Nachwuchs sondere im Magen der Mutter ein Sekret ab, das die Zersetzung
durch Magensäuren und Enzyme verhindere.
Erste
Untersuchungen nährten die Hoffnung auf ein neues Medikament gegen
Magengeschwüre. Die Studien konnten nicht fortgesetzt werden, weil die
beiden Magen-brüterarten ausstarben und die medizinischenGeheimnisse damit
für immer verloren gingen", betonen die Herausgeber des UNEP-Berichts, Eric
Chivian und Aaron Bernstein von der Harvard Medical School. Weitere
Beispiele für die medizinische Schatzkiste der Natur: Ein Giftfrosch
produziert eine Substanz, die die Kontraktion des Herzmuskels stärkt. Eine
Kröte sondert ein Gewebehormon ab, das Bluthochdruck lindern könnte. Eine
Substanz aus Bärengallenblasen kann Gallensteine auflösen. Ein Saft des
Ginkgobaums kann im Nervensystem Gedächtnisverlust reduzieren. Bestimmte
Schnecken sondern Substanzen ab, die das Absterben von Gehirnzellen bei
mangelndem Blutzufluss verhindern können. Aus einemSaft der Haileber können
vielleicht neue Antibiotika gewonnen werden. Pfeilschwanzkrebse produzieren
kleine Eiweiße (Peptide), die die Verbreitung von Leukämie-, Brust- und
Prostata-Krebszellen stoppen können. Viele der Tiere sind aber vom
Aussterben bedroht.
In Bonn treffen
sich im Mai Vertreter von 190 Ländern zur UN- Naturschutzkonferenz, um den
rasanten Artenschwund zu stoppen. |