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Berlin
(dpa) - Ob Mojitos, Havanna-Zigarren oder Buena Vista Social Club - Kuba ist
für viele Deutsche seit den 1990er Jahren zu einem Kultland geworden. Der
einzige kommunistische Staat der westlichen Welthälfte begeistert nicht nur
die Revolutionsromantiker. Tausende Deutsche machen jedes Jahr an Kubas
Tropenstränden Urlaub. Doch auch in München, Hamburg oder Berlin genießt man
kubanische Drinks, lauscht kubanischer Musik oder trägt T-Shirts mit dem
Konterfei des Revolutionshelden Ernesto Che" Guevara.
Compay Segundo, Ibrahim Ferrer und Rubén González - die Buena- Vista-Stars,
die erst im hohen Alter berühmt wurden - sind tot. Ob sich der greise
Revolutionsführer Fidel Castro (79) von seiner schweren Krankheit wieder
erholt oder seine Ära jetzt zu Ende geht, ist ungewiss. Sicher ist aber,
dass der Karibikinsel ohne seine Revolution manches von ihrem heutigen
Lokalkolorit fehlen würde.
Da
sind zum Beispiel die amerikanischen Straßenkreuzer aus den 50er Jahren, die
noch heute durch Havannas Straßen kurven. Weil wegen Devisenmangels und US-Boykotts
nach 1959 keine Autos mehr eingeführt werden konnten, machten die Kubaner
aus der Not eine Tugend und hielten als findige Bastler ihre Vehikel
irgendwie am Leben. Ohne Castro würde es vielleicht in Havanna auch keine
Altstadt mehr geben. Denn vor der Revolution gab es Pläne, sie abzureißen.
Bis zum Zusammenbruch des Ostblocks stand Kuba als Reiseziel meist nur
ausgewählten Gästen aus den sozialistischen Bruderländern offen. Erst die
wirtschaftliche Not nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion bewog Castro,
sein Land für den Massentourismus zu öffnen. Und so wird jetzt mit
Touristendollars die Altstadt nach Jahrzehnten des Verfalls endlich
restauriert. Vor den alten spanischen Festungen warten unter Palmen
Pferdekutschen auf Fahrgäste.
Zum besonderen Flair Kubas gehört auch die Hemingway-Romantik. Wahre
Menschenmassen sind es, die auf den Spuren des Literaten durch die Gassen
der Altstadt pilgern, um in dessen Stammkneipen La Bodeguita del Medio" und
El Floridita" zu überhöhten Preisen einen Mojito oder Daiquirí zu schlürfen.
Und wer mit dem Wim-Wenders-Film auf den Geschmack gekommen ist, findet in
Havanna nicht nur die Schauplätze von Buena Vista Social Club" wieder. Er
trifft auch allerorts auf gut ausgebildete Musiker, die für ihn Chan Chan"
oder Dos Gardenias" spielen.
Kubabesucher sind meist begeistert von der Lebensfreude und der
Freundlichkeit der Kubaner. Die wenigen deutschen Firmen, die auf der Insel
tätig sind, loben den guten Ausbildungsstand der Menschen dort. Dass es im
kommunistischen Kuba mehrere hundert politische Gefangene gibt, deren
einziges Delikt es war, Castro oder sein System zu kritisieren, nehmen viele
Sonnen- und Sextouristen nicht zur Kenntnis. Die kubanische Propaganda
beschimpft die Dissidenten als Agenten der feindlichen USA.
Verurteilt mich, die Geschichte wird mich freisprechen", sagte Castro schon
1953. Bis heute gehen die Meinungen über sein Lebenswerk auseinander.
Einerseits wurden in Kuba alte soziale Gegensätze beseitigt, andererseits
entstanden neue: So kann ein Kofferträger oder Kellner mit
Dollartrinkgeldern mehr verdienen als ein Arzt oder Ingenieur mit seinem
Peso-Gehalt. Doch diejenigen in Europa, die sich sagen, man müsse noch hin,
solange Castro lebt, haben nach der Erkrankung des Máximo Líder" einen Grund
mehr, die Koffer zu packen. |