19 August, 2008

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Waschzwang und Kontrolldruck - Störungen schon bei Kindern

Köln (dpa) - Psychiatrische Zwangsstörungen wie Wasch- oder Kontrollzwang sind bei Kindern und Jugendlichen nach Einschätzung eines Kölner Experten häufiger als angenommen. Wir haben es mit einem umfassenden Störungsbild zu tun, von dem rund ein Prozent aller Kinder und Jugendlichen betroffen sind - eine sehr hohe Zahl." Das sagte der Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Kliniken der Stadt Köln, Prof. Christoph Wewetzer, in einem dpa-Gespräch. Die Zwangserkrankungen werden häufig nicht richtig erkannt - und ein Kind mit Waschzwang und offenen Händen landet dann zur Ekzem-Behandlung beim Hautarzt."

Wer als Kind oder Jugendlicher an Zwangsstörungen erkrankt sei, werde mit hoher Wahrscheinlichkeit auch als Erwachsener weiter darunter leiden, sagte Wewetzer. 35 Prozent der Patienten, die als Kinder oder Jugendliche behandelt worden sind, litten auch bei Nachuntersuchungen nach zwölf Jahren noch unter den Störungen. Nur 30 Prozent waren psychiatrisch völlig gesund." Zwar seien in seine Langzeitstudie, die jüngst mit einem Forschungspreis ausgezeichnet worden war, nur die Daten von rund 60 Patienten eingegangen. Es gibt aber weltweit viele Nachuntersuchungen mit fast deckungsgleichen Ergebnissen."

Rund 60 Prozent aller Patienten mit einer Zwangsstörung erkranken nach Wewetzers Angaben vor dem 25. Lebensjahr, oft beginne das Leiden bereits im Alter von 12 bis 14 Jahren. Es gebe Hinweise auf eine Vererbbarkeit. Häufigster Zwang bei Kindern und Jugendlichen ist der Waschzwang, bei dem sie sich gegen ihren Willen die Haut von den Händen schrubben", erklärte der Experte. Aber auch ein krankhafter Druck zu ständigen Kontrollen und ein Ordnungszwang seien verbreitet. Diese Kinder dominieren oft ihre ihre Familie und belasten ihr ganzes Umfeld. Manche drehen durch und schlagen auf ihre Eltern ein."

Zwar gebe es inzwischen gute Therapiemöglichkeiten, sie würden aber zu selten angewandt. Mit Verhaltenstherapie - bei schweren Fällen in Kombination mit medikamentöser Behandlung - hat man gute Heilungschancen, es gibt aber im niedergelassenen Bereich viel zu wenig Therapeuten."

 

 

Last modified on:01/14/2008

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