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Köln (dpa) - Psychiatrische
Zwangsstörungen wie Wasch- oder Kontrollzwang sind bei Kindern und
Jugendlichen nach Einschätzung eines Kölner Experten häufiger als angenommen.
Wir haben es mit einem umfassenden Störungsbild zu tun, von dem rund ein
Prozent aller Kinder und Jugendlichen betroffen sind - eine sehr hohe Zahl."
Das sagte der Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Kliniken der
Stadt Köln, Prof. Christoph Wewetzer, in einem dpa-Gespräch. Die
Zwangserkrankungen werden häufig nicht richtig erkannt - und ein Kind mit
Waschzwang und offenen Händen landet dann zur Ekzem-Behandlung beim Hautarzt."
Wer als Kind oder Jugendlicher an Zwangsstörungen erkrankt sei, werde mit
hoher Wahrscheinlichkeit auch als Erwachsener weiter darunter leiden, sagte
Wewetzer. 35 Prozent der Patienten, die als Kinder oder Jugendliche
behandelt worden sind, litten auch bei Nachuntersuchungen nach zwölf Jahren
noch unter den Störungen. Nur 30 Prozent waren psychiatrisch völlig gesund."
Zwar seien in seine Langzeitstudie, die jüngst mit einem Forschungspreis
ausgezeichnet worden war, nur die Daten von rund 60 Patienten eingegangen.
Es gibt aber weltweit viele Nachuntersuchungen mit fast deckungsgleichen
Ergebnissen."
Rund 60 Prozent aller Patienten mit einer Zwangsstörung erkranken nach
Wewetzers Angaben vor dem 25. Lebensjahr, oft beginne das Leiden bereits im
Alter von 12 bis 14 Jahren. Es gebe Hinweise auf eine Vererbbarkeit.
Häufigster Zwang bei Kindern und Jugendlichen ist der Waschzwang, bei dem
sie sich gegen ihren Willen die Haut von den Händen schrubben", erklärte der
Experte. Aber auch ein krankhafter Druck zu ständigen Kontrollen und ein
Ordnungszwang seien verbreitet. Diese Kinder dominieren oft ihre ihre
Familie und belasten ihr ganzes Umfeld. Manche drehen durch und schlagen auf
ihre Eltern ein."
Zwar gebe es inzwischen gute Therapiemöglichkeiten, sie würden aber zu
selten angewandt. Mit Verhaltenstherapie - bei schweren Fällen in
Kombination mit medikamentöser Behandlung - hat man gute Heilungschancen, es
gibt aber im niedergelassenen Bereich viel zu wenig Therapeuten." |