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Von Günter Bitala, dpa
Bad Tölz (dpa) - Eine besondere
Boygroup" wird dieser Tage 50 Jahre alt: der weltbekannte Tölzer Knabenchor".
Pro Jahr sind die Tölzer Knaben bei rund 250 Konzerten und Opernaufführungen
zu hören, als Solisten, als Gesamtchor oder als einzelne Ensembles. Der Chor
gastierte in China, Japan, Israel und den USA, außerdem in vielen Ländern
Europas. Ausgezeichnet ist er mit dem Grammy Award" und dem Echo Klassik",
den er 2003 für die CD-Aufnahme der Bußpsalmen von Orlando di Lasso
einheimste. Der Musikpädagoge Gerhard Schmidt-Gaden gründete den Chor im
Frühjahr 1956.
Seit Jahrzehnten stehen die kleinen Sänger aus dem Isarwinkel auf den Bühnen
des Münchner Nationaltheaters, der Wiener Staatsoper, der Mailänder Scala
oder der Opéra National de Paris. Auch als Hirten" in Richard Wagners
Tannhäuser" und als Waldvogel" in seinem Siegfried" sind sie zu hören.
Beliebt beim gesamten Chor ist Engelbert Humperdincks Märchenoper Hänsel und
Gretel" und höchst anspruchsvoll Modest Mussorgskis Boris Godunow".
Dass die musikalische Erziehung von 170 Heranwachsenden nicht ohne Disziplin
auskommt, ist Schmidt-Gaden bewusst. Allerdings fühlt sich der international
geachtete Spezialist für die Stimmbildung von Kindern mittlerweile ein
bis-serl altersmilde". Er fordert nach wie vor Höchstleitungen von seinen
Schützlingen, stellt aber dennoch den Spaß am Singen in den Vordergrund der
Ausbildung. Die Kinder müssen mit Freude dabei sein, sie müssen selber immer
besser werden wollen", ist seine Grundüberzeugung. Mit Zwang von außen
stellt sich kein Erfolg ein."
Wichtiger als der Drill ist für den Chorleiter eine gesunde Rivalität der
Jungen untereinander. Dies gilt umso mehr bei der Verteilung der begehrten
Solopartien. Denn eng verbunden mit den Tölzer Sängern sind die Rollen der
Drei Knaben" in Wolfgang Amadeus Mozarts Oper Die Zauberflöte". Der
langjährige Münchner Staatsopern- Chef Wolfgang Sawallisch schwärmte einmal:
Wo immer Die Zauberflöte", dieses Geniewerk Mozarts, gespielt wird - ohne
eine Mitwirkung des Tölzer Knabenchores" ist eine Aufführung nicht mehr
denkbar."
Von den Chormitgliedern wird viel Selbstdisziplin verlangt. Anders als die
Regensburger Domspatzen oder der Windsbacher Knabenchor leben die Tölzer
nicht im Internat. Sie wohnen bei ihren Familien und besuchen Schulen der
Umgebung. Schon zu Hause müssen sie die Partituren studieren, die bei den
gemeinsamen Proben am Nachmittag zu sitzen haben. Zusätzlich zum Chorsingen
gibt es Ensemble- und Einzelunterricht. Dazu stehen Schmidt-Gaden sechs
weitere Chorleiter und Stimmbild-ner zur Seite.
Hauptstandort des Chores ist indes schon lange nicht mehr Bad Tölz, sondern
ein Studio in München. Das macht sich auch bei der Zusammensetzung des
Chores bemerkbar. Schmidt-Gaden findet es allerdings schade, dass nur noch
wenige der jungen Sänger aus dem bayerischen Oberland stammen. Die meisten
wohnen in München.
Die Antwort auf die Frage nach dem weltbesten Knabenchor überlässt Schmidt-Gaden
getrost großen Kapellmeistern vergangener Jahrzehnte: Claudio Abbado, Daniel
Barenboim, Leonard Bernstein oder Sergiu Celibidache würden wohl unisono den
Tölzer Knabenchor" nennen, gibt er sich überzeugt. Schließlich haben seine"
Jungs bereits mit diesen Meisterdirigenten erfolgreich zusammengearbeitet.
Die Regel, wonach nur Jungen mitsingen dürfen, wurde in den fünf Jahrzehnten
übrigens nur einmal unterbrochen: Mitte der 80er Jahre war Schmidt-Gadens
Tochter Barbara für einige Zeit dabei - heimlich, wie der Vater sagt, mit
ganz kurz geschnittenen Haaren. Das hat kein Außenstehender gemerkt." |