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Eschborn
(dpa) - Toiletten sind Jack Sims Leidenschaft. Die Toilette ist ein Stück
Kultur", sagt der 49-Jährige. Die Verbesserung der globalen Klo-Kultur hat
sich der quirlige Mann aus Singapur zur Lebensaufgabe gemacht. Während viele
Menschen lieber gar nicht über das stille Örtchen" sprechen oder peinlich
berührt um Worte ringen, reist er um die Welt und debattiert lächelnd und
wortgewandt über den Lokus. Bei der Deutschen Gesellschaft für Technische
Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn bei Frankfurt informierte sich der Herr der
Toiletten" am Montag über neue Öko-Klos, die bei hohem Hygiene- Standard
Wasser sparen sollen. Toiletten sind kein sexy Thema, aber wir können es zu
einem machen, indem wir darüber sprechen", sagt Sim.
Dies ist dem
Begründer der World Toilet Organisation ein dringendes Bedürfnis. Wenn man
nicht darüber spricht, kann man auch nichts verbessern", sagt Sim. Es gebe
viel zu wenig sanitäre Anlagen für zu viele Menschen, viele Klos seien
schmutzig und für den Benutzer eine Zumutung. Nach Angaben der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) lebten 2,6 Milliarden Menschen auf der
Welt ohne angemessene sanitäre Anlagen. Diese Zahl wollen wir bis 2015
halbieren", sagt Sim.
Mit 40 Jahren
hatte Sim nach einem neuen Lebensinhalt gesucht - er hatte alles erreicht,
was er sich bis dahin gewünscht hatte. Er war erfolgreicher Unternehmer,
hatte eine Ehefrau und vier Kinder. Aber er fühlte sich alt und ausgebrannt.
Ich hatte genug Geld, ich hätte mich einfach zur Ruhe setzen können", sagt
Sim. Doch das war ihm nicht genug. Ich wollte etwas Sinnvolles für die
Gesellschaft tun."
Ein
Zeitungsartikel über unzureichende Hygiene auf öffentlichen Toiletten zeigte
ihm ein neues Ziel: 1998 begann der frühere Geschäftsmann, sich für saubere
Toiletten in seiner Heimat Singapur stark zu machen, drei Jahre später stieg
er zum Global Player in Sachen Toilette auf. Er gründete die World Toilet
Organisation, deren Vorsitzender er bis heute ist. Seinen Job als
Unternehmer hat er mittlerweile ganz aufgegeben. Jetzt bin ich wieder jung
und glücklich."
In den vergangenen
Jahren habe ich mir unzählige Toiletten in mehr als 20 Ländern der Welt
angesehen", erzählt Sim, und seine Augen leuchten, wenn er über sein neues
Geschäft spricht. Die WTO, nicht zu verwechseln mit der
Welthandelsorganisation, hat mittlerweile 50 Mitglieder aus 39 Ländern. Sie
sieht sich als Netzwerk für internationale Experten und nationale
Institutionen, die sich mit Toiletten- und Abwassersystemen beschäftigen.
Wir packen die Probleme gemeinsam an und tauschen Ideen aus", sagt Sim. Vor
Kurzem sei in Singapur ein College eröffnet worden, in der Experten für
sanitäre Anlagen ausgebildet werden.
In den
Entwicklungsländern fehlen Toiletten für Milliarden von Menschen", sagt Sim.
Viele Toiletten seien zudem ein Umweltproblem. Flüsse, das Grundwasser und
der Boden würden häufig durch Fäkalien verunreinigt. Zahlreiche Menschen
steckten sich wegen mangelnder Hygiene mit Krankheiten an.
Auch in den
Industrienationen sieht Jack Sim ein Problem: Es wird zu viel Wasser durch
Toilettenspülungen verschwendet", sagt Sim. Die Menschen müssten umdenken.
Nicht nur die Entwicklungsländer müssen sich ändern, sondern auch wir." Der
Toilettengang dürfe nicht länger ein Tabu-Thema bleiben. Wir gehen etwa
sechs Mal am Tag auf die Toilette, wir müssen auch lernen, darüber zu
sprechen", sagt Sim. Das werde aber schon den Kindern ausgetrieben: Unsere
Mütter sagen uns, wir sollen nicht über Toiletten reden. Es gibt nicht
einmal genug Vokabeln, um ausreichend darüber zu sprechen." |