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Von Sabine Glaubitz, dpa
Paris (dpa) Das Grand Palais in
Paris widmet der österreichischen Kunst um 1900 eine bislang einzigartige
Ausstellung mit 91 Gemälden und 55 Zeichnungen von Gustav Klimt, Egon
Schiele, Oskar Kokoschka und Koloman Moser. Die Werke dieser Künstler wurden
bisher noch nie gemeinsam gezeigt", erklärt die Museumsleitung. Unter dem
Titel Klimt, Schiele, Moser, Kokoschka. Wien 1900" zeigt die Ausstellung,
die vor Kurzem eröffnet wurde und bis zum 23. Januar zu sehen ist,
zahlreiche Meisterwerke. Sie stammen aus den Jahren 1890 und 1918, darunter
Danae" und Drei Lebensalter" von Klimt (1862-1918), Selbstbildnisse Schieles
(1890-1918), Liebespaar" von Kokoschka (1886-1980) oder Der Wanderer" von
Moser (1868-1918).
Gleich im ersten Saal der Ausstellung stößt der Besucher auf die vier
herrlichen Werke Musik I", Liebe", Nuda Veritas" und Pallas Athene" von
Klimt, die symbolhaft für die Künstlervereinigung der Wiener Secession
stehen, dessen Hauptvertreter Klimt war. Die 1897 gegründete Vereinigung
lehnte den vorherrschenden Konservatismus und den am Historismus
orientierten Kunstbegriff ab und wandte sich dem ornamentalen, dekorativen
Jugendstil zu.
Diese zwischen 1895 und 1899 entstandenen Werke, die von der Mythologie
beeinflusst sind, charakterisieren sich durch organische Linien und Konturen.
Die Verwendung der Farben Gold und Silber geht wahrscheinlich auf den Beruf
von Klimts Vater zurückgeht, der Gold- und Silbergraveur war.
Auch wenn alle vier Maler zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Wiener
Künstlerszene stark beeinflusst hatten, zeichnet dennoch jeden sein ganz
eigener Stil aus. Schiele, der anfänglich impressionistisch malte, fand
seinen Stil in der Darstellung morbider, hässlicher, knochiger Akte, meist
in erotischen Stellungen und einem fast schon aggressiven und hektischen
Pinselstrich. Agonie" und Sitzender Männerakt" sind bekannte Werke Schieles,
die in der Ausstellung zu bewundern sind, ebenso wie einige sehr schöne
Selbstporträts des Künstlers, der wegen seinen unmoralischen Zeichnungen"
1911 sogar fast einen Monat in Haft saß. Kokoschka beschäftigte sich mit den
Nöten der menschlichen Seele. Die ausgestellten Werke Die Verkündigung" und
Die Heimsuchung" sind von großer expressionistischer Kraft und Pinselführung.
Nach seiner schweren Verwundung während des Ersten Weltkriegs wurde seine
Farbpalette dunkler. Vor allem sein 1918 entworfenes Selbstporträt, bei dem
er eine Hand ans Gesicht legt, zeigt einen völlig vereinsamten und innerlich
zerrissenen Künstler. In jedem Bild suche ich jetzt den dramatischen Sinn",
schrieb Kokoschka einst, der 1934 zunächst nach Prag emigrierte und von dort
1938 nach London.
Die Anordnung der Ausstellung folgt den Themen Geschichten", Landschaften"
und Figuren" und wirkt auf den ersten Blick etwas verwirrend. Wir wollten
weder jeden einzelnen Künstler getrennt zeigen, noch eine chronologische
Aufhängung. Diese thematische Anordnung erlaubt uns, alle vier Künstler
miteinander zu konfrontieren", erklärt die Kuratorin Marie-Amélie zu
Salm-Salm. Und so tauchen neben der Liegenden Frau" von Schiele, der Judith
II." von Klimt die Werke Venus in der Grotte" und Der Wanderer" von Moser
auf, der in Frankreich bisher wenig bekannt ist. (Bis 23. Januar 2006) |