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Von Sebastian Raabe, dpa
Hamburg (dpa) - Eigentlich ist
Patricia selbst noch ein Kind. Mädchen in ihrem Alter schwärmen für Popstars
oder Schauspieler, ans Kinderkriegen denken sie noch nicht. Doch für die
Zwölfjährige ist diese unbeschwerte Zeit nun vorbei: Patricia ist eine der
jüngsten Mütter Deutschlands. Vor Kurzem brachte sie in Hamburg einen
gesunden Jungen zur Welt - und machte bundesweit Schlagzeilen. Wie konnte
das passieren? Ist das normal? Werden Mütter in Deutschland immer jünger?
Der Fall wirft viele Fragen auf, doch Experten warnen eindringlich vor
falschen Schlüssen.
Das ist ein seltener Extremfall", sagt der Hamburger Sexualwissenschaftler
Gunter Schmidt. Das Kinder Nachwuchs bekommen sei in Deutschland eine
Ausnahme. Die meisten Teenager gingen sehr verantwortungsvoll mit ihrer
Sexualität um. Es kann keine Rede davon sein, dass die Jugendlichen in
Deutschland unaufgeklärt oder unvorsichtig sind", sagt Schmidt. Das eine
Zwölfjährige ein Kind bekommt, ist tragisch, aber es gibt immer Ausnahmen."
Das sieht auch Annette Rethemeier von der Familienberatung Pro Familia so:
Jugendliche verhüten nicht schlechter als Erwachsene." Doch natürlich
kämpfen die jungen Mädchen und Jungen mit ganz anderen Schwierigkeiten. Es
ist oft eine Premierensituation, beide sind aufgeregt und unsicher." Fehler
sind schnell gemacht. Dennoch findet es auch die Expertin bemerkenswert, wie
reif und erwachsen gerade Teenager mit der eigenen Sexualität umgehen.
Romantik und Treue haben bei vielen jungen Menschen einen hohen Stellwert",
ergänzt Schmidt.
Beim Diakonischen Werk ist man wesentlich skeptischer, hält das Problem für
unterschätzt: Die Zahl der Schwangerschaften bei Mädchen unter 15 Jahren hat
sich in den letzten zehn Jahren drastisch erhöht", sagt
Diakonie-Jugendreferent Roland Lehmann. Ein Grund sei die früher einsetzende
Geschlechtsreife und die mangelnde Aufklärung in der Schule. Das kommt in
der siebten, achten Klasse schon zu spät", meint Lehmann. Eltern und Schule
seien viel stärker gefordert.
In
den letzten zehn Jahren hat sich am Alter und dem Einsetzen der
Geschlechtsreife nichts geändert", widerspricht Inka Baus, Kinder- und
Jugendärztin an der Kieler Uni. Die Mädchen bekommen ihre erste Regel im
Schnitt mit zwölfeinhalb Jahren. Das schwankt natürlich, die Bandbreite
reicht von 9 bis 16 Jahren", erklärt die Expertin. Das die Zahlen der
Geburten drastisch gestiegen seien, kann sie nicht sagen: Das bleibt seit
Jahren ungefähr stabil."
Schmidt sieht das ähnlich: Es sind etwa 10 von 1000 Mädchen zwischen 15 und
17 Jahren, die pro Jahr schwanger werden. Es gibt nur ganz, ganz wenige, die
jünger als 14 sind", berichtet der Professor vom Institut für
Sexualforschung der Universität Hamburg. Nach Zahlen des Statistischen
Bundesamtes in Wiesbaden ist die Zahl der Geburten bei Mädchen die 15 Jahre
und jünger sind, relativ stabil: 496 dieser Fälle zählten die Statistiker im
Jahr 2004, 1994 waren es 435. Auch das Alter, in dem Teenager das erste Mal
miteinander schlafen, sei seit den 70er Jahren recht konstant geblieben,
meint Wissenschaftler Schmidt. In den 70er Jahren gab es einen tiefen
Einschnitt. Seither herrscht eine viel liberalere Haltung in Deutschland."
Das habe sehr viel dazu beigetragen, dass Teenager oft sehr
verantwortungsvoll mit dem Thema Sex umgehen.
Im
internationalen Vergleich werden in Deutschland sehr wenige Mädchen unter 18
schwanger. In den USA liegt die Zahl etwa fünf Mal so hoch", sagt Schmidt.
Doch viele Mädchen wollen ihre Kinder nicht behalten - aus den
unterschiedlichsten Gründen. Bei unter 18-Jährigen liegt die Abbruchquote
bei etwa 60 Prozent", erläutert er. Etwa jede zehnte bemerkt die
Schwangerschaft aber erst spät, manche erst kurz vor der Geburt. Dann
beginnt für die jungen Mütter die schwierigste Zeit, weiß auch Beraterin
Rethemeier. Die Mädchen fühlen sich plötzlich erwachsener, viele sind
glücklich, aber auch voller Angst." Viele Probleme müssen gelöst werden.
Wichtig ist, die Mütter nicht alleine zu lassen, dann können sie diese
Herausforderung meistern." |