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Hamburg (dpa)
- Verheerende Naturkatastrophen haben im zu Ende gehenden Jahr weltweit
Zehntausende das Leben gekostet. Bei Flugzeugabstürzen starben fast doppelt
so viele Menschen wie im Jahr 2004. Doch es sind nicht nur die Zahlen, die
das Katastrophenjahr 2005 prägen.
In Erinnerung
bleibt Millionen der Untergang von New Orleans, nachdem der Hurrikan
Katrina" Ende August mit zerstörerischer Wucht über die Küste der US-Staaten
Louisiana, Mississippi und Alabama hereingebrochen war. Im Gedächtnis bleibt
die Ohnmacht der Menschen selbst in hoch industrialisierten Staaten
gegenüber den entfesselten Naturgewalten. Mehr als 1300 Menschen sterben.
Die Auswirkungen Katrinas" und der folgenden Hurrikans sind weltweit zu
spüren, denn wegen des Ausfalls der US-Ölförderung im Golf von Mexiko
schnellt der Ölpreis auf Rekordhöhe.
Sechs Wochen nach
Katrina" entwickelt sich Wilma" zum stärksten je gemessenen Wirbelsturm und
richtet schwere Schäden in Mexiko sowie auf Kuba und in Florida an.
Insgesamt zählen die Forscher in der Saison 26 tropische Wirbelstürme, von
denen 14 Hurrikanstärke erreichten - so viele, wie noch nie zuvor. Ende
November beobachten Klimaforscher ein neues Phänomen: Ein tropischer
Wirbelsturm zieht nicht in Richtung Karibik, sondern wandert über den
Atlantik und wütet auf den kanarischen Inseln.
In den letzten 30
Jahren hat sich die Zahl der extremen Naturereignisse verdreifacht. Der
entstandene Schaden hat sich versechsfacht", sagt der Katastrophenforscher
Janos Bogardi. Das Risiko für die Menschen steige durch die Auswirkungen des
Klimawandels und wegen nicht mehr ausreichender Sicherheitsmaßnahmen. Es
gibt keine Naturkatastrophen, sondern nur unnatürliche Katastrophen, die
entstehen durch das Missvermögen des Menschen, wie er mit extremen
Naturereignissen umgeht."
Am 8. Oktober,
während Wilma" auf die Küsten Mexikos zurast, bebt im Nordwesten Pakistans
sowie im benachbarten Indien die Erde. Häuser stürzen ein und begraben
Tausende unter sich. Das war in der Region die stärkste Erschütterung seit
einhundert Jahren", sagte die Seismologin Monika Sobiesiak vom
Geoforschungszentrum Potsdam. Erst nach Tagen gewinnen die Behörden einen
Überblick über das Ausmaß der Katastrophe: Mindestens 87000 Menschen sterben
in den Trümmern der Städte oder in den nur schwer zugänglichen Bergdörfern
am Rande des Himalaja. Hunderttausende werden obdachlos und müssen in Zelten
oder Wohncontainern untergebracht werden.
Internationale
Hilfsorgani-sationen und die Vereinten Nationen (UN) appellieren an die
Weltöffentlichkeit, die Opfer des Bebens zu unterstützen und Geld- sowie
Sachspenden zur Verfügung zu stellen. Auf den Konten der Hilfsorganisationen
gehen jedoch deutlich weniger Spenden ein als beim Tsunami Ende vorigen
Jahres, bei dem fast 300000 Menschen in den Urlaubsparadiesen Südasien
getötet wurden.
Mehr als zwei
Monate nach dem Beben sind erst 200 Millionen Euro auf das UN-Konto
überwiesen worden, 42 Prozent der Summe, die für die ersten sechs Monate
erbeten worden war. Jeden Monat seien etwa 75 Millionen Euro zusätzlich
nötig, stellt der UN-Nothilfekoordinator Jan Vandermoortele fest. 400000
Menschen in den Bergen seien nur mit Hubschraubern zu erreichen. Deshalb
brauchen wir Geld, wir brauchen die Infrastruktur auf dem Boden, um die
Menschen mit Nahrung zu versorgen. Wenn wir sie nicht mit Hubschraubern
erreichen, werden sie verhungern."
2005 wird zum
schwarzen Jahr für die Zivilluftfahrt. Mehr als 1000 Menschen sterben bei
Flugzeugunglücken, doppelt so viele wie 2004. Rätselhaft bleibt lange Zeit
die Ursache des Absturzes einer Boeing 737-300 am 14. August über Athen, bei
dem 121 Menschen ihr Leben verlieren. Vier Monate später stellen Experten
fest, dass Techniker bei einer Überprüfung den Hebel für die
Luftdruckkontrolle von automatisch auf manuell gestellt hatten. Die Piloten
hatten dies vor dem Abflug nicht korrigiert. Kurz nach dem Start seien alle
an Bord wegen Sauerstoffmangels ohnmächtig geworden. Die Maschine sei per
Auto-Pilot bis Athen geflogen und wegen Treibstoffmangels abgestürzt.
Auch ein
hochzivilisiertes Land wie Deutschland blieb nicht von Naturkatastrophen
verschont. Ende November müssen im Münsterland in Nordrhein-Westfalen
plötzlich 250000 Menschen tagelang ohne Strom auskommen. Heftige
Schneestürme hatten Hochspannungsmasten zusammenbrechen lassen. Der
Vorstandsvorsitzende des Stromkonzerns RWE, Harry Roels, räumt ein, dass
2900 der 28000 Strommasten aus spröde gewordenem Stahl bestehen. Allerdings
sei das nicht die alleinige Ursache. Das Phänomen sei auf ein Naturereignis
zurückzuführen, das nur alle hundert Jahre vorkomme.
Das Jahr 2005 wird
nach Einschätzung des Rückversicherers Swiss Re in Zürich das teuerste in
der Versicherungsgeschichte. Bei Erdbeben und Wirbelstürmen seien 112000
Menschen ums Leben gekommen. Der finanzielle Schaden betrage umgerechnet
knapp 188 Milliarden Euro, mehr als doppelt so viel wie im Rekordjahr 2004.
Allein die Zerstörungen würden die Versicherer rund 38 Milliarden Euro
kosten. Der Gesamtschaden wird auf 114 Milliarden Euro geschätzt. |