19 August, 2008

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Deutsche Justiz erleichtert Wortspiele mit Nazi-Jargon

Von Wolfgang Janisch

Karlsruhe (dpa) - Im März stufte der deutsche Bundesgerichtshof die rechtsextremistische Band Landser" als kriminelle Vereinigung ein. Jetzt verliehen die obersten Strafrichter des Landes der rechten Parole Ruhm und Ehre der Waffen-SS" das Siegel der Legalität.

Die Kritik kam prompt: Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, nannte dies am Donnerstag unglaublich". Die Regierungskoalition äußerte sich zurückhaltend. Das Justiz- und das Innenministerium wollten das Urteil gar nicht kommentieren.

Doch Rechtsextremisten werden es künftig leichter haben, mit Versatzstücken des NS-Jargons am Rande der Strafbarkeit zu lavieren. Neonazis haben längst begriffen, dass sie sich Strafprozesse einhandeln, wenn sie auf Original-Parolen der NS-Zeit zurückgreifen.

Und das Risiko ist unnötig, wenn ein authentisch klingender Nazi- Spruch denselben Zweck erfüllt: Provokation nach außen und Identitätsstiftung nach innen. Parolen, Symbole und Zeichen nach NS- Vorbild sind wichtig für den Zusammenhalt der rechten Szene.

Sie sind vielleicht sogar wichtiger als das Skinhead-Outfit aus Springerstiefeln und Bomberjacke. Keltenkreuz, Odal-Rune, Totenkopf-Symbol oder Reichskriegsflagge: Das Arsenal der corporate identity" von Neonazis ist groß und per Strafgesetzbuch schwer zu fassen.

Der Bundestag hatte schon 1994 versucht, diesem Trend Einhalt zu gebieten. Der neue Strafgesetz-Paragraf 86a sollte die Verwendung von Parolen und Abzeichen unter Strafe stellen, die den Nazi-Originalen zum Verwechseln ähnlich" sind.

2002 entschied der Bundesgerichtshof in einem Fall, dass das Tragen eines schwarzen Stoff-Aufnähers gegen Paragraf 86a verstoße: Das Dreieck mit den goldenen Streifen sei dem Obergau-Armdreieck" des NS-"Bundes Deutscher Mädel" zum Verwechseln ähnlich.

Doch nach dem Urteil vom Donnerstag fragen sich Beobachter: Warum spricht das Gericht drei Rechtsradikale frei, die mit ihrem Spruch auf einem Nationalen Info-Telefon" der Waffen-SS Ruhm und Ehre" zuerkennen wollten - wie der Vorsitzende Richter selbst einräumte?

Der Ankläger sah wenig Sinn darin, die Parole Ruhm und Ehre der Waffen-SS" wörtlich abzugleichen mit dem Hitlerjugend-Motto Blut und Ehre" oder der Waffen-SS-Losung Unsere Ehre ist die Treue". Sein Hauptargument im Plädoyer: Entscheidend sei doch, dass hier nach Form und Inhalt authentisches NS-Gedankengut transportiert werde.

Die Antwort des Gerichtshofs: Strafvorschriften müssen sehr viel präziser als andere Normen formuliert sein. Der Paragrafen-Wortlaut zum Verwechseln ähnlich" setze ein Original voraus, mit dem die Nachahmer-Parole verwechselt werden kann. Aus Paragraf 86a lasse sich nicht herauslesen, dass alles strafbar sei, was nach Nazis klinge.

 

 

Last modified on:01/14/2008

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