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Von Michaela Soyer, dpa
Jardenit (dpa) - Jesus würde sich
wohl nicht mehr im Jordan taufen lassen. Das Wasser des Flusses ist an den
meisten Stellen zu stark verschmutzt, um darin zu baden.
Eine traurige Vorstellung: In ein paar Jahren könnte der Fluss, der sich auf
einer Strecke von etwa 170 Kilometern durch die Landschaft windet, fast ganz
verschwunden sein. Pilger, die noch an die wenigen sauberen Stellen reisen,
um sich wie Jesus im heiligen Wasser taufen zu lassen, könnten dann
höchstens noch das Flussbett abwandern.
Die Anrainerstaaten Syrien, Israel und Jordanien drehen dem im
syrisch-libanesischen Hermon-Gebirge entspringenden Jordan das Wasser ab.
Roberto Epple vom Europäischen Flussnetzwerk flog kürzlich extra aus der
Schweiz nach Israel, um mit einem Sprung in den Jordan auf dessen schlechten
Zustand aufmerksam zu machen. Er ist der Initiator der Big Jump"-Kampagne,
die vor zehn Jahren in Europa gestartet wurde. Ins Wasser springen, um das
Sterben der Flüsse zu stoppen, ist das Motto.
Nach europäischem Vorbild soll nun auch der Jordan gerettet werden. Epple
beschreibt den Teufelskreis, der dazu führt, dass der Fluss immer weiter
austrocknet: Die Wasserentnahme führt dazu, dass die Ufer nicht feucht genug
sind. Ländereien trocknen aus. Um das zu verhindern, muss noch mehr Wasser
abgepumpt werden."
Etwa 95 Prozent des Wassers, das zwischen dem See Genezareth und dem Toten
Meer fließen könnte, werde für die Landwirtschaft abgeschöpft. Hinzu kommt
das syrisch-jordanische Staudammprojekt am Fluss Jarmuk, der in den Jordan
fließt. Ende des Jahres soll der Staudamm fertig werden, dann wird dem
Jordan auch noch die Schmelzwasserzufuhr abgedreht.
Um
die Zerstörung des Jordans aufzuhalten, hat die Umweltschutzorganisation
Friends of the Earth das europäische Leitmotiv übernommen. An der
Kampagne beteiligt sich auch Jossi Vardi, Bürgermeister der Region Jordantal.
Wir fordern unsere Regierung auf, den Jordan zu retten. Der Fluss hat für
unsere Region eine enorme Bedeutung", betont er.
Der Big Jump" in den Jordan fand in Jardenit statt, einem Ort in der Nähe
des See Genezareth. Hier scheint der Fluss auf den ersten Blick in guter
Verfassung. Das Wasser ist grün-blau, Palmen säumen das Ufer und zahlreiche
Fische schwimmen im Wasser. Der See hat eine reinigende Wirkung", sagt Gidon
Bromberg, Nahost-Vorsitzender von Friends of the Earth. Doch bereits
drei Kilometer weiter lädt der Jordan kaum zum schwimmen ein. Fischfarmen
und die umliegenden Dörfer pumpen ihr Abwasser ungefiltert in den Fluss.
In
brütender Hitze stiegen die Flussschützer am Aktionstag ins heilige Gewässer.
Abgekühlt wirkte jedoch niemand. Es ist überhaupt nicht erfrischend. Die
Wassertemperatur ist übernatürlich hoch, denn der Fluss steht, anstatt zu
fließen", sagte der tropfnasse Bromberg nach dem Bad.
Vor 70 Jahren sei der Jordan noch ein Fluss gewesen, der diesen Namen
verdient, sagt Hillel Glasmann von der israelischen Naturpark-Verwaltung.
Seit das Wasser für die Landwirtschaft gestaut und abgeleitet wird, hat sich
das Ökosystem dramatisch verändert." Das Süßwasser sei mit Chemikalien
vergiftet, die das natürliche Biotop zerstörten. Versiegt der Jordan,
trocknet auch das vom ihm gespeiste Tote Meer aus. |