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Pau - Alles versucht, nichts
gewonnen - auch im fünften und letzten Duell von Jan Ullrich mit Lance
Armstrong blieb der Machtwechsel aus.
Einmal mehr fehlten der deutschen Tour-Hoffnung die Mittel, um den
übermächtigen Tour-Monarchen vom Thron zu stoßen.
Nach den vorentscheidenden Etappen der 92. Rundfahrt in den Alpen und
Pyrenäen ist selbst ein Platz auf dem Podium in Gefahr. Ullrich musste
erkennen, dass er auf einem anderen Planeten als Armstrong lebt",
kommentierte die L'Équipe".
Wie schon in den Jahren zuvor verlor Ullrich in den Bergen die meiste Zeit
auf seinen Widersacher. Schon beim ersten alpinen Schlagabtausch hinauf nach
Courchevel kam er 2:14 Minuten nach Armstrong ins Ziel. Nicht besser erging
es ihm in den Pyrenäen: In Ax-3-Domaines (20 Sekunden) und zuletzt in Saint-Lary
Soulan (1:24 Min.) gab es weitere Rückschläge. Noch verweigert Ullrich die
Kapitulationserklärung, macht sich aber schon Gedanken über die Zeit nach
Armstrong: Ein Tour-Sieg hat immer einen Wert - auch ohne Lance. Ich werde
im nächsten Jahr erneut versuchen, nach 1997 zum zweiten Mal die Tour zu
gewinnen."
Einfach wird das nicht. Schließlich ist der Kreis der vermeintlichen
Armstrong-Nachfolger größer geworden. Mit dem Italiener Ivan Basso (3:12
Min.) und dem Dänen Michael Rasmussen (2:49) liegen schon in diesem Jahr
zwei Kontrahenten in der Gesamtwertung deutlich vor dem Gesamt-Vierten
Ullrich.
Nur ein starker Auftritt beim Einzelzeitfahren oder eine erfolgreiche
Attacke seiner Mitstreiter vom Team T-Mobile im Zentralmassiv kann noch zu
einem Platz auf dem Podium verhelfen. An der Mithilfe seiner
Mannschaftkollegen wird es laut Andreas Klöden in den letzten sechs Tour-Tagen
nicht fehlen. Ansprüche Einzelner gibt es nicht mehr. Wir werden alles geben,
um Jan weiter nach vorne zu bringen", sagte der Vorjahreszweite.
Von den großen Hoffnungen vor dem Tour-Start ist nicht viel geblieben. Dabei
verlief die Vorbereitung anders als in den Vorjahren ohne größere
Komplikationen. Diesmal können wir uns nichts vorwerfen", sagte
Ullrich-Betreuer Rudy Pevenage. Doch auch das intensive Training in
Südafrika, Mallorca und der Toscana verhalf nicht zum erträumten Triumph
über Armstrong. Für Kritik an dem abermals gescheiterten Wunderkind" (L'Équipe")
hat Mario Kummer, Sportlicher Leiter des Bonner Rennstalls, jedoch wenig
Verständnis: Jan hat gekämpft bis zum letzten Blutstropfen, das konnte jeder
sehen."
Fehlenden Durchhaltewillen kann man Ullrich nicht vorwerfen. Dem bösen
Trainings-Sturz in die Heckscheibe des Begleitfahrzeuges folgte 24 Stunden
später die Demütigung beim Einzelzeitfahren, als ihn der eine Minute später
gestartete Armstrong kurz vor dem Ziel überholte. Auch die durch einen
weiteren Sturz in den Vogesen verursachte schmerzhafte Rippenprellung wollte
Ullrich nicht als Entschuldigung gelten lassen.
Zumindest bleibt wie im Vorjahr ein Trostpreis: T-Mobile führt in der
Mannschaftswertung mit über 19 Minuten vor Discovery Channel. Ich bin stolz
auf dieses Team", sagte Ullrich. Vor allem bei den beiden sehenswerten
Attacken in den Vogesen und in den Pyrenäen bewiesen die Magenta-Fahrer
Moral. Die Strategie, ganz auf das Gelbe Trikot zu setzen und auf
Sprint-Star Erik Zabel zu verzichten, hält Kummer nach wie vor für
vertretbar: Wir haben einen Etappensieg, einen zweiten Platz und zwei Dritte.
Zudem sind wir mit drei Fahrern in den Top Ten vertreten. Mit dieser Bilanz
können wir gut leben." |