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Lübeck/Berlin (dpa) - Sie war die
Frau mit Pfiff", ein Ufa-Star und Publikumsliebling: Die Schauspielerin und
Sängerin Ilse Werner ist tot.
Die Künstlerin starb im Alter von 84 Jahren in einer Seniorenresidenz in
Lübeck. Nach Angaben ihrer langjährigen Freundin Edeltraut Langhals-Declair
war Werner zuletzt verarmt und wegen andauernder Schmerzen vielfach kraftlos.
Als möglicher Bestattungstermin wurde der 24. August genannt.
Sie ist nach einem kurzen Kampf
ruhig eingeschlafen", sagte Langhals-Declair der dpa und bestätigte damit
einen Bericht des NDR 90,3. Ilse Werner soll in Potsdam bestattet werden,
dort, wo sie in den Babelsberger Studios die schönste Zeit ihres Lebens
verbracht hat."
Ilse Werner war durch zahlreiche
Film- und Fernsehrollen, vor allem aber durch ihre virtuosen Pfeifkünste
bekannt geworden. Über Jahrzehnte stand die Künstlerin für heitere,
niveauvolle Unterhaltung. Berühmt wurde die Absolventin des namhaften Wiener
Max-Reinhardt-Seminars 1942 mit dem Ufa-Film Wir machen Musik" als Partnerin
von Victor de Kowa.
In
einer Reaktion auf die Todesnachricht erinnerte der Schauspieler und Sänger
Johannes Heesters (101) an die schöne gemeinsame Zeit bei der Ufa. Sie war
ja auch eine sehr hübsche Kollegin. Und sie hat wunderbar gepfiffen", sagte
Heesters der dpa in Berlin. Außerdem seien sie sozusagen Landsleute gewesen,
er als Holländer und sie sei in Batavia, im damals holländischen Indonesien,
geboren.
Ilse Still, wie die Tochter
eines reichen niederländischen Kaufmannes und einer Deutschen ursprünglich
hieß, wurde am 11. Juli 1921 im heutigen Jakarta geboren. 1931 kehrte sie
mit ihren Eltern nach Deutschland zurück, mit 15 wurde sie Studentin am Max-
Reinhardt-Seminar und nahm den Mädchennamen ihrer Mutter an. Auf der Bühne
des Theaters in der Josefstadt in Wien wurde sie für den Film entdeckt; in
der Folge spielte sie in rund 30 Streifen mit.
Darunter waren so bekannte Filme
wie Wir machen Musik", Die schwedische Nachtigall", Große Freiheit Nr. 7"
und Wunschkonzert", aber auch ein Film, der zu ihrem großen Bedauern nie in
die Kinos kam: 1990 habe ich mit Gisela May und Harald Juhnke den Film Die
Hallo-Sisters" gedreht, die Geschichte zweier ehemals bekannter Sängerinnen,
die mit ihrem Comeback-Versuch scheitern", erzählte sie einst. Weil sich
kein Filmverleih fand, wurde ein Fernsehfilm daraus. Für diesen Streifen
bekam Ilse Werner den Deutschen Filmpreis in Gold.
Schon als Kind verblüffte sie
durch ihre Pfeifkünste und wollte bereits in jungen Jahren Schauspielerin
werden. Daneben machte Ilse Werner auch als Sängerin Karriere. Nach einem
zeitweiligen Berufsverbot nach 1945 wegen ihrer Rolle für die NS-Propaganda
kehrte sie 1950 mit dem Streifen Die gestörte Hochzeitsnacht" auf die
Leinwand zurück.
In
den siebziger Jahren gelang ihr mit dem Stück Wir sind noch einmal davon
gekommen" von Thornton Wilder der Wechsel ins Charakterfach. Daneben
engagierte sich Ilse Werner auch als Show- und Talk-Masterin sowie in
verschiedenen Fernsehrollen.
Ihre letzten Jahre verbrachte
sie zurückgezogen in einem Lübecker Seniorenheim. Seit mehreren Monaten lag
sie dort auf der Pflegestation, nachdem sie zwei Mal an der Hüfte operiert
worden und Anfang April erneut gestürzt war.
Wegen eines langen Komas, in das
sie zeitweise gefallen sei und anhaltender Schmerzen habe die Kraft sie
verlassen, sagte ihre Freundin Langhals-Declair. Sie habe ein wundervoll
erfülltes Leben gehabt", sei aber zuletzt sehr verarmt gewesen. Freunde und
Kollegen hätten vor mehr als zwei Jahren einen Fonds für Ilse Werner
aufgelegt, um ihr ein würdiges Leben zu ermöglichen. |