06 October, 2008

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Deutsche Oper Berlin: "Umstrittene Idomeneo"-Aufführung kommt wieder auf die Bühne

Berlin (dpa) - Die Deutsche Oper Berlin will die aus Furcht vor islamistischen Terroranschlägen abgesetzte Mozart-Oper Idomeneo" noch vor Jahresende zwei Mal aufführen.

Darauf hat sich die Intendantin Kirsten Harms mit der Senatsverwaltung und der Stiftung Oper geeinigt. Termine wurden zunächst nicht mitgeteilt.

Harms hatte die Wiederaufnahme von Idomeneo" in der Inszenierung von Hans Neuenfels Ende September vom November-Spielplan gestrichen, weil die Berliner Sicherheitsbehörden intern vor möglichen Anschlägen gewarnt hatten. In der letzten Szene sind die abgeschlagenen Häupter von Jesus, Buddha, Mohammed und Poseidon zu sehen.

Der Staatsminister für Kultur und Medien im Kanzleramt, Bernd Neumann, begrüßte die geplante Wiederaufnahme ausdrücklich. Der CDU-Bundestagsabgeordnete sagte: Bei mehr Fingerspitzengefühl hätte man den durch die Absetzung verursachten Ansehensverlust für die Deutsche Oper vermeiden können."

Nach internationalen Protesten und empörten Warnungen vor einer unnötigen Beschneidung der Kunstfreiheit legte das Landeskriminalamt jetzt eine neue Gefahrenanalyse vor. Darin heißt es: Eine konkrete Gefährdung der Deutschen Oper oder der Mitwirkenden wird zurzeit nicht gesehen."

Gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass gefährdende Ereignisse rund um die Aufführung eher unwahrscheinlich" seien. Die Entwicklung der Gefährdungslage werde aber weiter analysiert.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die Absetzung als unnötige Schere im Kopf" kritisiert. Harms hatte zur Erklärung berichtet, Innensenator Ehrhart Körting habe sie im Vorfeld persönlich angerufen und mitgeteilt, dass seine Behörde keinerlei Sicherheit" garantieren könne. Anschließend musste Körting einräumen, es habe Versäumnisse" bei der Kommunikation gegeben.

Berlins Kultursenator Thomas Flierl begrüßte ebenfalls die beabsichtige Wiederaufnahme. In der Diskussion habe er stets betont, dass die notwendige Selbstverständigung der Berliner Stadtgesellschaft über das hohe Gut der Kunstfreiheit in Zeiten möglicher wie realer terroristischer Bedrohung nur dann glaubhaft, überzeugend und nachhaltig sein wird, wenn sie im Angesicht der Neuenfels-Inszenierung stattfindet".

Ende September hatte Innenminister Wolfgang Schäuble nach Abschluss der ersten Islam-Konferenz erklärt, alle Konferenzteilnehmer wollten sich die Inszenierung im Fall einer Wiederaufnahme gemeinsam anschauen. Der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kizilkaya, widersprach jedoch umgehend. Für mich ist es nicht zumutbar, eine Szene anzusehen, in der dem Propheten der Kopf abgeschlagen wird", sagte er in einem Interview mit der dpa.

 

 

Last modified on:01/14/2008

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