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Von Tim Braune
Karlsruhe (dpa) - Der Hauptdarsteller saß äußerlich gelassen in einer
der vorderen Sitzreihen der Karlsruher Stadthalle und zuckte mit keiner
Wimper: Guy Wyser-Pratte, Vietnamveteran, Milliardär und als knallharter
Finanzinvestor bekannt, löste am Freitag einen Paukenschlag aus, noch bevor
die turbulente Hauptversammlung beim Maschinen- und Anlagenbauer IWKA
überhaupt begonnen hatte.
Die Kleinaktionäre gaben gerade ihre Mäntel ab, als die Nachricht vom
Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Hans Fahr die Runde machte. Entnervt von
der monatelangen Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Großaktionär
Wyser-Pratte warf der Unternehmenschef nach neun Jahren überraschend das
Handtuch. Aufsichtsratschef Reinhard Engel und sein Gremiumsmitglied,
Ex-Mercedes-Chef Jürgen Hubbert, wollten ebenfalls zurücktreten - doch die
Aufsichtsratskollegen lehnten ab, um nicht vollständig vor Wyser- Pratte in
die Knie zu gehen. Der Angreifer selbst lobte Fahr, der zur Hauptversammlung
nicht mehr erschien, mit einer Portion Zynismus: Ich wünsche Ihnen für ihre
berufliche Zukunft alles Gute."
Damit ist es ausländischen Finanzinvestoren innerhalb weniger Wochen zum
zweiten Mal gelungen, den Vorstandschef eines namhaften deutschen
Unternehmens zu stürzen. Im Zusammenhang mit der von SPD- Chef Franz
Müntefering vor mehreren Wochen angestoßenen Kapitalismus- Debatte hatte
dieser einige Hedge-Fonds aus den USA und Großbritannien als Heuschrecken"
bezeichnet, die Anfang Mai den Rücktritt von Deutsche Börse-Chef Werner
Seifert erzwungen hatten.
Bei IWKA lagen der Vorstand und der streitbare Wyser-Pratte seit langem im
Clinch. Der Amerikaner fordert eine stärkere Konzentration des Konzerns, der
2,35 Milliarden Euro Umsatz erzielt, auf die mit 400 Millionen Euro
vergleichsweise kleine Robotertechnik. Das Management sei unfähig und habe
die versprochenen Gewinnziele verfehlt. Eine komplette Zerschlagung oder
Übernahme der IWKA strebe er aber nicht an, sagte Wyser-Pratte: Wir sind
keine Raider (Firmenjäger)." Er gilt in Nordamerika und Europa als äußerst
cleverer Finanzjong-leur: In Deutschland investierte er in Mannesmann,
Rheinmetall, Babcock Borsig oder mobilcom - und stieg später meist mit
Gewinn wieder aus.
Vorstand und Aufsichtsrat der IWKA reagierten auf die in Interviews
gestreuten Vorwürfe gereizt: Die Strategie mit drei Geschäftsbereichen (Roboter,
Auto- und Verpackungstechnik) sei richtig, die Vorwürfe von Wyser-Pratte an
den Haaren herbeigezogen und unredlich. Eine Klage gegen den eigenen
Großaktionär sei nicht ausgeschlossen, sagte Engel. Der Amerikaner konterte
amüsiert am Rednerpult: Sie wissen, so leicht fürchte ich mich nicht."
Auch Aktionärsschützer griffen Wyser-Pratte scharf an: Ich habe den Eindruck,
sie wollen nur die schnelle Mark machen", sagte ein Sprecher der Deutschen
Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). IWKA sei ein solider Konzern
mit 13 200 Beschäftigten und einer stattlichen Kapitalrendite von 15 Prozent.
Wir spielen hier nicht Monopoly. Es geht nicht um die Schlossallee, sondern
um das Unternehmen, die Aktionäre und die Mitarbeiter." Wyser-Pratte at-tackiere
ständig das Management, schade dem IWKA-Ruf und habe selbst nur nebulöse"
Strategien im Angebot. Ein erboster Kleinaktionär gab dem mächtigen
Strippenzieher" aus New York noch den Anlagetipp: Wenn sie Zocken wollen,
gehen sie ins Kasino nach Baden-Baden." |