19 August, 2008

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Wir spielen hier kein Monopoly

Von Tim Braune

Karlsruhe (dpa) - Der Hauptdarsteller saß äußerlich gelassen in einer der vorderen Sitzreihen der Karlsruher Stadthalle und zuckte mit keiner Wimper: Guy Wyser-Pratte, Vietnamveteran, Milliardär und als knallharter Finanzinvestor bekannt, löste am Freitag einen Paukenschlag aus, noch bevor die turbulente Hauptversammlung beim Maschinen- und Anlagenbauer IWKA überhaupt begonnen hatte.

Die Kleinaktionäre gaben gerade ihre Mäntel ab, als die Nachricht vom Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Hans Fahr die Runde machte. Entnervt von der monatelangen Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Großaktionär Wyser-Pratte warf der Unternehmenschef nach neun Jahren überraschend das Handtuch. Aufsichtsratschef Reinhard Engel und sein Gremiumsmitglied, Ex-Mercedes-Chef Jürgen Hubbert, wollten ebenfalls zurücktreten - doch die Aufsichtsratskollegen lehnten ab, um nicht vollständig vor Wyser- Pratte in die Knie zu gehen. Der Angreifer selbst lobte Fahr, der zur Hauptversammlung nicht mehr erschien, mit einer Portion Zynismus: Ich wünsche Ihnen für ihre berufliche Zukunft alles Gute."

Damit ist es ausländischen Finanzinvestoren innerhalb weniger Wochen zum zweiten Mal gelungen, den Vorstandschef eines namhaften deutschen Unternehmens zu stürzen. Im Zusammenhang mit der von SPD- Chef Franz Müntefering vor mehreren Wochen angestoßenen Kapitalismus- Debatte hatte dieser einige Hedge-Fonds aus den USA und Großbritannien als Heuschrecken" bezeichnet, die Anfang Mai den Rücktritt von Deutsche Börse-Chef Werner Seifert erzwungen hatten.

Bei IWKA lagen der Vorstand und der streitbare Wyser-Pratte seit langem im Clinch. Der Amerikaner fordert eine stärkere Konzentration des Konzerns, der 2,35 Milliarden Euro Umsatz erzielt, auf die mit 400 Millionen Euro vergleichsweise kleine Robotertechnik. Das Management sei unfähig und habe die versprochenen Gewinnziele verfehlt. Eine komplette Zerschlagung oder Übernahme der IWKA strebe er aber nicht an, sagte Wyser-Pratte: Wir sind keine Raider (Firmenjäger)." Er gilt in Nordamerika und Europa als äußerst cleverer Finanzjong-leur: In Deutschland investierte er in Mannesmann, Rheinmetall, Babcock Borsig oder mobilcom - und stieg später meist mit Gewinn wieder aus.

Vorstand und Aufsichtsrat der IWKA reagierten auf die in Interviews gestreuten Vorwürfe gereizt: Die Strategie mit drei Geschäftsbereichen (Roboter, Auto- und Verpackungstechnik) sei richtig, die Vorwürfe von Wyser-Pratte an den Haaren herbeigezogen und unredlich. Eine Klage gegen den eigenen Großaktionär sei nicht ausgeschlossen, sagte Engel. Der Amerikaner konterte amüsiert am Rednerpult: Sie wissen, so leicht fürchte ich mich nicht."

Auch Aktionärsschützer griffen Wyser-Pratte scharf an: Ich habe den Eindruck, sie wollen nur die schnelle Mark machen", sagte ein Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). IWKA sei ein solider Konzern mit 13 200 Beschäftigten und einer stattlichen Kapitalrendite von 15 Prozent. Wir spielen hier nicht Monopoly. Es geht nicht um die Schlossallee, sondern um das Unternehmen, die Aktionäre und die Mitarbeiter." Wyser-Pratte at-tackiere ständig das Management, schade dem IWKA-Ruf und habe selbst nur nebulöse" Strategien im Angebot. Ein erboster Kleinaktionär gab dem mächtigen Strippenzieher" aus New York noch den Anlagetipp: Wenn sie Zocken wollen, gehen sie ins Kasino nach Baden-Baden."

Mitarbeiter des Maschinenbaukonzerns IWKA protestieren vor der Karlsruher Stadthalle vor Beginn der IWKA Hauptversammlung. Die Mitarbeiter befürchten eine Zerschlagung des Konzerns. Foto: Uli Deck dpa

Guy Wyser-Pratte, amerikanischer Großaktionär des Maschi-nenbaukonzerns IWKA, verfolgt die IWKA Hauptversammlung in der Karlsruher Stadthalle. Foto: Uli Deck dpa

 

 

Last modified on:01/14/2008

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