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Von Christian
Rupp, dpa
Frankfurt/Main (dpa) Vergoldete Zwiebeltürme,
geschwungene Linien und bunt lackierte Kacheln prägen die Bauten von
Friedensreich Hundertwasser. Häuserfassaden mit Pflanzen und märchenhafte
Formen haben ihm das Image eines Fantasten eingebracht. Welche Rolle der vor
fünf Jahren gestorbene Künstler als Architekt gespielt hat, will eine
kürzlich eröffnete Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum (DAM)
Frankfurt untersuchen. Ein Sonntagsarchitekt. Gebaute Träume und Sehnsüchte"
heißt die Schau, die bis zum 5. Februar zu sehen ist.
Kaum ein anderer
Künstler war zu Lebzeiten so beliebt wie Hundertwasser - und wurde von
Fachleuten zugleich so harsch kritisiert. Die Bilder, Teppiche, Gebäude und
Landschaften des 1928 in Wien geborenen Künstlers sind nett anzusehen. Sie
leben von ihrer Buntheit und Unmittelbarkeit, wirken einfach und niedlich
zugleich. Die Kunst- und Architektenszene hält dies oft für Kitsch.
Gezeigt werden im
DAM vor allem Modelle von Umbauten wie dem Fernwärmewerk Spittelau in Wien,
der Autobahnraststätte Fischau oder des Bahnhofs Uelzen. Hier hatte
Hundertwasser nicht in die Bausubstanz eingegriffen, sondern lediglich die
Fassaden verändert. Solche Arbeiten haben ihm den Beinamen des Behübschers"
eingebracht.
Ergänzt wird die
Ausstellung durch Zitatwände und Videoprojektionen. Stellung bezieht die
Ausstellung damit jedoch nicht. Sie stellt gegenüber und überlässt dem
Besucher das Urteil, ob Hundertwasser nun das fantastische Genie oder der
komplett unbegabte Architekt gewesen ist.
Hier ist ein
Mensch, der sich seine kindliche Naivität bewahrt hat und dem es gelungen
ist, sie für seine Aufgaben fruchtbar zu machen", urteilt Wieland Schmied.
Von dem ehemaligen Direktor der Kestner Gesellschaft Hannover, der zu den
profundesten Hundertwasser- Kennern zählt, stammt der Titel zur Ausstellung.
Der Frankfurter
Galerist und Wegbegleiter Hundertwassers, Peter Femfert, sagte bei der
Eröffnung der Schau, dass eine solche Ausstellung längst überfällig" sei. Er
würdigte den Künstler, der den rechten Winkel stets ablehnte, als einen
Menschen, der seine Fantasien tatsächlich gelebt" habe. Und der Direktor der
Deichtorhallen in Hamburg, Robert Fleck, sagte, Hundertwassers Bauten
beeindruckten wegen des naiven Zugangs".
Dagegen hat der
namhafte Architekt Rob Krier einmal den Wiener als Dilettanten bezeichnet,
der so nett und so heimelig" gestalte. Es ist Wald- und Wiesenqualität", was
Hundertwasser präsentiere, tobte Krier einst. Und damit lehnte er sich im
Vergleich zu vielen seiner Kollegen noch nicht einmal weit aus dem Fenster.
Genau diese
Gegensätzlichkeit in der Bewertung von Hundertwasser wolle man darstellen,
sagte eine Sprecherin des Museums.
Zur Ausstellung
ist ein Katalog zum Preis von 23 Euro erschienen. |