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München
(dpa) Früher hätte Hilde Gerg um diese Jahreszeit
schon 30 Trainingstage auf dem Gletscher verbracht. Doch die Routine, die
das Leben der Ski-Olympiasiegerin zwölf Jahre lang geprägt hat, existiert
seit dem vergangenen November nicht mehr. Nach dem schweren Trainingsunfall
im amerikanischen Copper Mountain, der den großen Traum von Olympia-Gold in
Turin platzen ließ, und ihrem Rücktritt vom alpinen Ski-Sport hat sich ihr
Leben komplett geändert. Jetzt habe ich null Saisontage, aber mir geht auch
nichts ab", sagt die 30- jährige Lenggrieserin.
Nach dem abrupten Abschied vom Profileben hat sich die temperamentvolle und
zugleich bodenständige Spitzensportlerin ein Jahr viel Zeit für sich selbst
und ihre berufliche Neuorientierung genommen. Ich habe es diesen Sommer
ehrlich gesagt genossen, ein bisschen in den Tag hineinzuleben", sagt die
20-malige Weltcup- Siegerin. Für die Zukunftsplanung habe sie während ihrer
Profikarriere kaum Zeit gehabt. Ich habe immer gesagt, Leistungssport macht
man zu 120 Prozent oder gar nicht."
Einen Alltag in ihrem gelernten Ausbildungsberuf als Bürokauffrau kann sich
die in ihrer Jugend wilde Hilde" nicht mehr vorstellen. Sportjournalismus
kommt der Blondine schon mehr entgegen. Ein echter Traum war, als das ZDF
auf mich zukam und fragte, ob ich als Kommentatorin mitarbeiten möchte",
sagt sie und zahlte das in sie gesetzte Vertrauen mit fachkundigen Analysen
für die Fernseh- Zuschauer zurück. Der Vertrag für die Ende Oktober im
österreichischen Sölden beginnende Saison wurde kürzlich verlängert. An 15
Sendetagen wird die Frau mit dem frechen Haarschnitt dem Fernsehpublikum
erläutern, welcher Läufer die engere Linie fährt oder besser auf der Kante
steht.
Auch der alpine Nachwuchs liegt Hilde Gerg am Herzen. Im Auftrag eines
Rennsportausrüsters (Marker Völkl) wird sie schon bald neue Talente auf der
Piste sichten und Nachwuchsfahrer beraten. Eine Trainerkarriere beim
Deutschen Skiverband (DSV) kann sich die Slalom-Olympiasiegerin von 1998
derzeit nicht vorstellen. Das sollen lieber mal die Männer machen", meint
die Team-Weltmeisterin von 2005, die an einem weiteren beruflichen Standbein
arbeitet. Mit ihrem Mann Wolfgang Grassl will Gerg einen Bauernhof mit Blick
auf den Watzmann zu Ferienwohnungen umbauen. Ab Herbst 2007 werden die
ersten Gäste erwartet. Das sehe ich auch als neues Standbein", sagt die
Bauherrin. Und dann sei da noch die Babyplanung. Kinder sind schon ein Thema,
aber da sind wir erst in der Übungsphase |