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Düsseldorf/Leipzig (dpa) - Die
einen schwören auf das Heilfasten mit seiner reinigenden Wirkung für Körper
und Seele", für die anderen ist es mittelalterlicher Humbug".
Während der Fastenzeit ist feste Nahrung tabu, lediglich Flüssigkeiten wie
Säfte, Gemüsebrühe, Kräutertee oder Buttermilch sind erlaubt. Der Verzicht
auf feste Nahrung und Genussmittel soll den Körper von Schadstoffen
entgiften. Wie gesund Fasten tatsächlich ist, bleibt aber umstritten.
Während der Fastenzeit baut der Körper Fettdepots und Muskeleiweiß ab,
stellt sich der Stoffwechsel um und verändert sich der Hormonspiegel.
Heilfasten ist keine Diät und darf nicht als Methode zum schnellen Abnehmen
missverstanden werden", sagt Jessica Männel, Fachärztin für Allgemeinmedizin
und Naturheilverfahren aus Düsseldorf. Das Abnehmen ist dabei nur ein netter
Nebeneffekt."
Vielmehr stehe beim Fasten die natürliche Entgiftung des Stoffwechsels über
die Reinigung des Magen-Darm-Traktes im Vordergrund. Rheumatische
Gelenkerkran-kungen können nach Ansicht der Ernährungsmedi-zinerin durch das
Fasten ebenso positiv beeinflusst werden wie Migräne, Neurodermitis oder
andere Hauterkrankun-gen.
Richtiges Fasten über zwei bis drei Wochen integriere die medizinische,
geistige und soziale Dimension, meint Francoise Wilhel-mi de Toledo,
medizinische Leiterin der Buchinger-Klinik in Überlingen. Dort wird das nach
dem Arzt Otto Buchinger 1935 entwickelte Fasten angeboten.
Für Wilhelmi de Toledo ist der ganzheitliche, spirituelle Aspekt des Fastens
wichtig. So könnten auch gestresste Menschen mit Burn-Out-Syndrom oder
Depressionen vom Fasten profitieren. Man findet eine ganz tiefe Ruhe, nimmt
sich Zeit, sein Leben zu betrachten und kommt so im idealen Falle zu einer
Kurskorrektur seines bisherigen Lebens- und Er-nährungsstils."
Den spirituellen Aspekt des Fastens vermag ich nicht zu beurteilen", sagt
Prof. Joachim Mössner, Direktor der medizinischen Klinik am Uniklinikum
Leipzig. Doch er kritisiert das Fasten als medizinisch nicht haltbar und
wissenschaftlich nicht begründbar". So warnt der Facharzt für Innere Medizin
vor dem mit dem Fasten einhergehenden Mangel an Vitaminen und Nährstoffen.
Die Umstellung des Stoffwechsels kann Nieren und Herz schädigen, zu
Gichtanfällen oder Gallensteinen führen."
Es
gibt im Körper keine Schlacken, die ausgeschwemmt werden können, und solche
Hau-Ruck-Methoden wie das Fasten sind ernährungsphy-siologisch nicht gut",
sagt Mössner. Leber, Darm und Niere seien die wichtigsten Stoffwechselorgane,
und die gelte es ein Leben lang gesund zu halten. Wir müssen eine ausgewo-gene
Ernährung finden, die - kombiniert mit Bewegung - den Körper täglich
kontinuierlich satt macht und unseren Belastungen entspricht."
In
einem Punkt sind sich Ernährungsexperten allerdings einig: Fasten sollte am
besten unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
Informationen: Deutsche Gesellschaft für Ernährung in Bonn;
Internet: www.dge.de
Ärzte-Gesellschaft Heilfasten
und
Ernährung in
Überlingen;
Internet: www.aerztegesellschaft-heilfasten.de |