30 June, 2008

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Umstrittenes Heilfasten - Anhänger schwören auf reinigende Wirkung

Netter Nebeneffekt: Beim Fasten purzeln die Pfunde. (Bild: DAK Wigger/dpa/gms)

Düsseldorf/Leipzig (dpa) - Die einen schwören auf das Heilfasten mit seiner reinigenden Wirkung für Körper und Seele", für die anderen ist es mittelalterlicher Humbug".

Während der Fastenzeit ist feste Nahrung tabu, lediglich Flüssigkeiten wie Säfte, Gemüsebrühe, Kräutertee oder Buttermilch sind erlaubt. Der Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel soll den Körper von Schadstoffen entgiften. Wie gesund Fasten tatsächlich ist, bleibt aber umstritten. Während der Fastenzeit baut der Körper Fettdepots und Muskeleiweiß ab, stellt sich der Stoffwechsel um und verändert sich der Hormonspiegel. Heilfasten ist keine Diät und darf nicht als Methode zum schnellen Abnehmen missverstanden werden", sagt Jessica Männel, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren aus Düsseldorf. Das Abnehmen ist dabei nur ein netter Nebeneffekt."

Vielmehr stehe beim Fasten die natürliche Entgiftung des Stoffwechsels über die Reinigung des Magen-Darm-Traktes im Vordergrund. Rheumatische Gelenkerkran-kungen können nach Ansicht der Ernährungsmedi-zinerin durch das Fasten ebenso positiv beeinflusst werden wie Migräne, Neurodermitis oder andere Hauterkrankun-gen.

Richtiges Fasten über zwei bis drei Wochen integriere die medizinische, geistige und soziale Dimension, meint Francoise Wilhel-mi de Toledo, medizinische Leiterin der Buchinger-Klinik in Überlingen. Dort wird das nach dem Arzt Otto Buchinger 1935 entwickelte Fasten angeboten.

Für Wilhelmi de Toledo ist der ganzheitliche, spirituelle Aspekt des Fastens wichtig. So könnten auch gestresste Menschen mit Burn-Out-Syndrom oder Depressionen vom Fasten profitieren. Man findet eine ganz tiefe Ruhe, nimmt sich Zeit, sein Leben zu betrachten und kommt so im idealen Falle zu einer Kurskorrektur seines bisherigen Lebens- und Er-nährungsstils."

Den spirituellen Aspekt des Fastens vermag ich nicht zu beurteilen", sagt Prof. Joachim Mössner, Direktor der medizinischen Klinik am Uniklinikum Leipzig. Doch er kritisiert das Fasten als medizinisch nicht haltbar und wissenschaftlich nicht begründbar". So warnt der Facharzt für Innere Medizin vor dem mit dem Fasten einhergehenden Mangel an Vitaminen und Nährstoffen. Die Umstellung des Stoffwechsels kann Nieren und Herz schädigen, zu Gichtanfällen oder Gallensteinen führen."

Es gibt im Körper keine Schlacken, die ausgeschwemmt werden können, und solche Hau-Ruck-Methoden wie das Fasten sind ernährungsphy-siologisch nicht gut", sagt Mössner. Leber, Darm und Niere seien die wichtigsten Stoffwechselorgane, und die gelte es ein Leben lang gesund zu halten. Wir müssen eine ausgewo-gene Ernährung finden, die - kombiniert mit Bewegung - den Körper täglich kontinuierlich satt macht und unseren Belastungen entspricht."

In einem Punkt sind sich Ernährungsexperten allerdings einig: Fasten sollte am besten unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Informationen: Deutsche Gesellschaft für Ernährung in Bonn;

Internet: www.dge.de

Ärzte-Gesellschaft Heilfasten

und Ernährung in

Überlingen;

Internet: www.aerztegesellschaft-heilfasten.de

 

 

Last modified on:01/14/2008

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