06 October, 2008

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Heilfasten: Innere Reinigung oder Hokuspokus?

Berlin - Nur noch Wasser und Kräutertee ­ wer heilfastet will eher entschlacken und gesund bleiben als abnehmen.

Was ist dran? Hungern als innere Reinigung? An der Idee könnte etwas dran sein, berichteten Wissenschaftler kürzlich im Fachmagazin Nature". Aus ursprünglich religiösen Wurzeln entstanden wird das Fasten heute in der Naturheilkunde und ganzheitlichen Medizin zur Vorbeugung und Behandlung von chronischen Infektionen, bei Allergien und Autoimmunerkrankungen eingesetzt.

GesundheitPro fragte Dr. Britta Siegmund vom Universitätsklinikum Benjamin Franklin in Berlin, was sie davon hält. Die Arbeit der Medizinerin wird im Emmy-Noether-Programm für Nachwuchswissenschaftler der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert-Was hat die Nahrungsaufnahme mit dem Immunsystem zu tun? Die Meldung über das Fasten stammt aus einem neuen Forschungsgebiet. Seit kurzem konzentrieren sich einige Arbeitsgruppen darauf herauszufinden, ob und wie die Regulation der Nahrungsaufnahme mit der Immunabwehr zusammenhängt. In den vergangenen zwei Jahren haben sich zwischen diesen Bereichen starke Verbindungen offenbart, die lange unterschätzt worden waren. Vielleicht lässt sich daraus einmal eine wissenschaftliche Basis ableiten, die einige Phänomene beim Heilfasten erklärt. Zunächst müssen aber noch viele grundlegende Details untersucht werden. Der Bericht in Nature" bezieht sich auf die jüngste Arbeit der Wissenschaftler um Giuseppe Matarese von der Universität Neapel in Italien. Matarese beschreibt darin Erkenntnisse aus einem Tiermodell zur Multiplen Sklerose (MS). MS gilt als Autoimmunerkrankung. Das Abwehrsystem des Körpers greift dabei die eigenen Nerven an und löst eine Entzündung aus.

Im Tierversuch wirkte Fasten nicht über Entschlackung: Matarese setzte Mäuse, die an einer MS-ähnlichen Krankheit leiden, auf eine Hungerkur. Die Entzündung verlief bei den fastenden Nagern wesentlich weniger heftig als bei Tieren, die normal fraßen. Fasten scheint demnach positiv auf die Autoimmunkrankheit zu wirken. Dahinter steckt jedoch keineswegs eine Entschlackung", die zur Erklärung des Fastens oft bemüht wird, sondern die Eiweißsubstanz Leptin. Leptin erlangte nach seiner Entdeckung Mitte der neunziger Jahre schnell Bekanntheit als Appetit-Hormon". Von Fettzellen produziert, reguliert es langfristig den Hunger und damit das Körpergewicht. Versuche scheiterten jedoch, aus dem Hormon eine Abnehmpille" zu konstruieren. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass Leptin im Körper mehr beeinflusst als die Lust aufs Essen. Viel deutet darauf hin, dass es sich auch um einen Signalstoff handelt, der an Entzündungsprozessen beteiligt ist.

Die italienische Studie stützt diese Theorie. Denn die Mäuse, die fasteten und denen es besser ging, hatten auch weniger Leptin im Blut. Das passt zu den Erfahrungen vieler autoimmunkranker Patienten, wie zum Beispiel Rheumatiker, die berichten, dass ihnen Fasten gut tue. Schließlich wissen wir, dass auch beim Menschen der Leptin-Spiegel vorübergehend sinkt, solange er fastet. Fazit: der Nutzen bleibt ungewiss Das alles beweist freilich nicht, dass Fasten in jedem Fall nutzt. Womöglich spielt Leptin nur in bestimmten Krankheitsphasen eine Rolle.

Wir wissen noch zu wenig, welche Funktionen der Stoff im Körper hat. Chronisch Kranke sollten auf jeden Fall ihren Arzt fragen, ehe sie eine Fastenkur beginnen."

GesundheitPro

Heilfasten: nur noch Wasser, Kräu-tertee und Säfte stehen auf dem Speiseplan. Foto:PhotoDisc

 

 

Last modified on:01/14/2008

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