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Berlin - Nur noch Wasser und Kräutertee wer heilfastet will eher
entschlacken und gesund bleiben als abnehmen.
Was ist dran? Hungern als innere Reinigung? An der Idee könnte etwas dran
sein, berichteten Wissenschaftler kürzlich im Fachmagazin Nature". Aus
ursprünglich religiösen Wurzeln entstanden wird das Fasten heute in der
Naturheilkunde und ganzheitlichen Medizin zur Vorbeugung und Behandlung von
chronischen Infektionen, bei Allergien und Autoimmunerkrankungen eingesetzt.
GesundheitPro fragte Dr. Britta Siegmund vom Universitätsklinikum Benjamin
Franklin in Berlin, was sie davon hält. Die Arbeit der Medizinerin wird im
Emmy-Noether-Programm für Nachwuchswissenschaftler der Deutschen
Forschungsgemeinschaft gefördert-Was hat die Nahrungsaufnahme mit dem
Immunsystem zu tun? Die Meldung über das Fasten stammt aus einem neuen
Forschungsgebiet. Seit kurzem konzentrieren sich einige Arbeitsgruppen
darauf herauszufinden, ob und wie die Regulation der Nahrungsaufnahme mit
der Immunabwehr zusammenhängt. In den vergangenen zwei Jahren haben sich
zwischen diesen Bereichen starke Verbindungen offenbart, die lange
unterschätzt worden waren. Vielleicht lässt sich daraus einmal eine
wissenschaftliche Basis ableiten, die einige Phänomene beim Heilfasten
erklärt. Zunächst müssen aber noch viele grundlegende Details untersucht
werden. Der Bericht in Nature" bezieht sich auf die jüngste Arbeit der
Wissenschaftler um Giuseppe Matarese von der Universität Neapel in Italien.
Matarese beschreibt darin Erkenntnisse aus einem Tiermodell zur Multiplen
Sklerose (MS). MS gilt als Autoimmunerkrankung. Das Abwehrsystem des Körpers
greift dabei die eigenen Nerven an und löst eine Entzündung aus.
Im
Tierversuch wirkte Fasten nicht über Entschlackung: Matarese setzte Mäuse,
die an einer MS-ähnlichen Krankheit leiden, auf eine Hungerkur. Die
Entzündung verlief bei den fastenden Nagern wesentlich weniger heftig als
bei Tieren, die normal fraßen. Fasten scheint demnach positiv auf die
Autoimmunkrankheit zu wirken. Dahinter steckt jedoch keineswegs eine
Entschlackung", die zur Erklärung des Fastens oft bemüht wird, sondern die
Eiweißsubstanz Leptin. Leptin erlangte nach seiner Entdeckung Mitte der
neunziger Jahre schnell Bekanntheit als Appetit-Hormon". Von Fettzellen
produziert, reguliert es langfristig den Hunger und damit das Körpergewicht.
Versuche scheiterten jedoch, aus dem Hormon eine Abnehmpille" zu
konstruieren. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass Leptin im Körper mehr
beeinflusst als die Lust aufs Essen. Viel deutet darauf hin, dass es sich
auch um einen Signalstoff handelt, der an Entzündungsprozessen beteiligt ist.
Die italienische Studie stützt diese Theorie. Denn die Mäuse, die fasteten
und denen es besser ging, hatten auch weniger Leptin im Blut. Das passt zu
den Erfahrungen vieler autoimmunkranker Patienten, wie zum Beispiel
Rheumatiker, die berichten, dass ihnen Fasten gut tue. Schließlich wissen
wir, dass auch beim Menschen der Leptin-Spiegel vorübergehend sinkt, solange
er fastet. Fazit: der Nutzen bleibt ungewiss Das alles beweist freilich
nicht, dass Fasten in jedem Fall nutzt. Womöglich spielt Leptin nur in
bestimmten Krankheitsphasen eine Rolle.
Wir wissen noch zu wenig, welche Funktionen der Stoff im Körper hat.
Chronisch Kranke sollten auf jeden Fall ihren Arzt fragen, ehe sie eine
Fastenkur beginnen."
GesundheitPro |