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Von Christiane Oelrich
Honolulu (dpa) - Wer Hawaii sagt,
denkt Paradies, Strand, Meer - und Hemd. Das farbenfrohe Bekleidungsstück
vermittelt nicht durch Zufall den legeren Flair der Pazifik-Inseln. Das
Hawaii-Hemd wurde tatsächlich dort erfunden und wird bis heute kultiviert.
Es
gibt Freizeit- und Business-Varianten, wild-bunte und dezent-gediegene
Stoffdesigns. Das bunte Hemd ist auf Hawaii selbst in ganz formellen
Geschäftsrahmen ein völlig akzeptiertes Bekleidungsstück.
George Curtis, Physikprofessor an der Universität von Hawaii, trägt bei
einem Vortrag in der Stadt Hilo eine weiß-blaue Kreation mit großflächigem
Blumenmotiv, General a.D. Ed Smith, der in Honolulu im Asia Pacific-Institut
Führungskräfte aus aller Welt in Konfliktlösungen schult, hält Vorlesungen
in grün-braunem Design mit Baummotiven.
Im
Strandrestaurant des exklusiven Outrigger-Kanuclubs von Waikiki wimmelt es
abends von Hawaiihemden. Und hier geht nur ein und aus, wer in der
hawaiischen Gesellschaft Rang und Namen hat: Members Only - nur für
Mitglieder, steht am Eingang.
Zur feinen Gesellschaft gehört auch Arnold Lum, Rechtsanwalt, Dozent an der
juristischen Fakultät der Universität von Hawaii und Neffe von Ellery Chun,
dem Erfinder" des Hawaiihemdes. Die Leute erzählen gern, dass ein armer
Fischersohn auf die Idee kam, aus bunten Stoffen hier Hemden zu nähen - das
ist Quatsch", sagt er. Chun, Sohn chinesischer Einwanderer, hatte einen
Abschluss der renommierten Yale Business School im US-Staat Connecticut.
Hemden aus bunten Stoffen gab es schon vor Chun, wie der hawaiische
Textilunternehmer und Autor Dale Hope in seiner umfangreichen
Kulturgeschichte des Hawaiihemdes dokumentiert hat. Chun sah aber in den
30er Jahren als erster das Marketing-Potenzial. Er bat seiner Schwester
Ethel Chun Lum - Arnold Lums Mutter - um ein paar Muster-Ideen, ließ Fuji-Seidenstoffe
in Japan drucken und auf Hawaii nähen. Fertig war sein Aloha-Shirt, das er
für 1,99 Dollar verkaufen ließ. Aloha ist der hawaiische Willkommensgruß,
und der Name scheint seitdem einen Hauch der hawaiischen Lebenslust durch
die luftigen Oberkörperhüllen wehen zu lassen.
Jeder verbindet damit ein Gefühl von Ausgelassenheit, das Hemd versetzt den
Träger einfach in gute Laune", sagt Hope. Zum Wochenende seien die bunten
Stoffe auf der Haut wie eine Lizenz zum Feiern. Wenn die ganze Welt
Aloha-Shirts trüge, gäbe es keine Kriege mehr", sagt er und lacht. Hope
hatte nach eigenen Angaben schon als Schuljunge eine Schwäche für
Hawaiihemden. Er übernahm den Textilbetrieb seines Vaters nur unter der
Bedingung, dass er Motive für Hawaiihemden entwerfen und die Shirts nähen
lassen durfte.
Auf Hawaii steht das Hemd bei den Einwohnern hoch im Kurs. Surf- Motive,
Blumen, Fische, Giraffen, Boote, Strände, Wellen - alles, was gute Laune
schreit, wird auf den Stoffen verewigt. Für manche hat das Bekleidungsstück
schon Kultstatus. Dale Hope fand Sammler in Kalifornien, die hunderte Hemden
gehortet hatten.
Das Aloha-Shirt spiegelt einen Lebensstil wider", sagt der elegante Lum, der
seine Designerhose natürlich auch mit einem bunten Edel-Hemd kombiniert.
Dabei lässt er sich eigentlich nur widerwillig mit der Erfindung des Hawaii-Hemdes
in Verbindung bringen. Ich beschäftige mich in Gedanken nun wirklich nicht
täglich mit den Hemden", sagt er.
So
ging es auch seinem Onkel. Nachdem das Geschäft einmal lief, konzentrierte
er sich auf seine Bankerkarriere", sagt Lum.
Mein Onkel würde viel lieber als Investment- und Regionalbank-Pionier in die
Geschichte eingehen als als Erfinder des Hawaii-hemdes. |