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Berlin/Heppenheim
(dpa) Niesen, Husten und Heiserkeit - nach einem sonnigen Herbst hat jetzt
die Erkältungszeit begonnen.
Angesichts von
Praxisgebühr und Zuzahlungen bei Medikamenten spüren die Patienten die
Erkältung nicht nur am eigenen Leibe, sondern auch im Geldbeutel. Viele
versuchen zu sparen und greifen dabei auf altbewährte Tricks aus
Urgroßmutters Zeiten zurück.
Da
Erkältungsmittel in Deutschland meist rezeptfrei sind, müssen sie vom
Patienten selbst gezahlt werden. Nur verschreibungspflichtige Medikamente
übernehme die Krankenversicherung, obwohl der Versicherte auch hier zuzahlen
muss, erklärt Joachim Trauboth von der Deutschen Gesellschaft für
Versicherte und Patienten (DGVP) in Heppenheim (Hessen). Das Gute an
Hausmitteln ist, dass sie preiswert sind und nicht schaden", erläutert
Sellerberg. Denn sogar rezeptpflichtige Erkältungsmittel müssten
mittlerweile selbst gezahlt werden.
Bei einer normalen
Erkältung braucht der Körper eine Woche, bis er Antikörper gegen den Infekt
gebildet hat. Der Erkrankte sollte sich das stärkste Symptom der Erkältung
heraussuchen und gezielt dagegen vorgehen", rät Sellerberg. Ist eine
Erkältung erst im Anflug, könne ein Erkältungsbad helfen. Geht der
Betroffene anschließend früh ins Bett, sei die Erkältung möglicherweise am
folgenden Morgen überstanden. Bei Fieber sei das Erkältungsbad jedoch nicht
geeignet, da der Kreislauf zu sehr belastet wird.
Auch mit
verschiedenen Wickeln kann einer Erkältung zu Leibe gerückt werden: Mit den
Wickeln lassen sich zum Beispiel sehr gut Halsschmerzen lindern", empfiehlt
die Expertin. Besonders geeignet seien zudem Wickel mit gekochten
Pellkartoffeln. Diese könnten Wärme viel länger speichern als eine
Wärmflasche.
Wadenwickel werden
außerdem eingesetzt, um bei Fieber die Temperatur ein wenig zu senken", sagt
Ingolf Dürr vom Deutschen Grünen Kreuz in Marburg. Bei Schnupfen oder einer
Nasennebenhöhlenentzündung können wiederum tägliche Kamillendampfbäder etwas
Linderung verschaffen, empfiehlt Hans Jürgen Thomas, Vorsitzender der
Ärztevereinigung Hartmannbund in Berlin. Bei Kindern mit Halsbeschwerden
könne die allseits bekannte Milch mit Honig den ersten Schmerz etwas
wegnehmen.
Ursula Sellerberg
rät wiederum zu Kräutertees: Die Wirkung wird über die ätherischen Öle im
Tee vermittelt". Einige der Tees seien schweißtreibend, so dass das Fieber
gesenkt werde. Die fiebersenkende Wirkung wird durch die Aufnahme von
Flüssigkeit noch zusätzlich unterstützt.
Neben Holunder-,
Lindenblüte- und Kamillen- seien auch Kräutertees mit Efeu und Primel sehr
zu empfehlen, wobei Efeutee jedoch einen etwas gewöhnungsbedürftigen
Geschmack habe, sagt Sellerberg. In der Apotheke kann man sich außerdem
einen individuellen Kräutertee mischen lassen", rät die Pharmazeutin.
Im Gegensatz zu
Hausmitteln seien pflanzliche Mittel eher wissenschaftlich getestet und
geprüft, sagt Dürr. Empfehlenswert sei hier zum Beispiel der indianische
Wasserdost, der das Immunsystem stärke und somit einer Erkältungskrankheit
vorbeuge. Bei Husten und Heiserkeit würden wiederum Efeu- oder
Thymianpräparate helfen. Der Wirkstoff Cineol aus Eukalyptusblättern wirke
hingegen schleimlösend und unterstütze ein schnelleres Abhusten.
Unter dem Motto Wo
Naturmedizin hilft" veranstaltete das Deutsche Grüne Kreuz gemeinsam mit den
Apothekern kürzlich Beratungswochen für Naturmedizin. Interessierte Bürger
konnten sich in teilnehmenden Apotheken, die durch spezielle Plakate
gekennzeichnetwaren, über Nutzen oder Chancen der Naturmedizin aufklären
lassen.
Handelt es sich um
eine hartnäckige Bronchitis oder eine echte Grippe, sind alternative
Hausmittel jedoch keine Lösung. Bleibt eine Erkrankung über zwei bis drei
Tage konstant, führt kein Weg am Hausarzt vorbei", sagt Hans-Jürgen Thomas,
der gleichzeitig niedergelassener Arzt in Erwitte (Nordrhein-Westfalen) ist.
Außerdem sei eine Grippe durchaus eine lebensbedrohliche Krankheit, an der
im vergangenen Jahr rund 12 000 Menschen in Deutschland verstorben seien. |