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Würzburg
(dpa) - Spaziergänger in den Würzburger Weinbergen
machen in diesem Sommer zuweilen eine Begegnung der ungewöhnlichen Art. Auf
dem renommierten Weingut am Stein des Staatlichen Hofkellers sehen sie dann
einen glatzköpfigen Musiker, der mit seiner Geige die steilen Hänge hinauf-
und hinunterläuft und dabei hingebungsvoll Mozart, Elgar und Beethoven
spielt.
Der Musiker ist
der international beachtete Violinist Florian Meierott, und seine Auftritte
zwischen den Trauben und Reben haben angeblich nur ein Ziel: Einen ganz
besonderen Weißwein reifen zu lassen, einen Silvaner mit musikalischer
Note".
Viele Leute reden
mit ihren Pflanzen, damit sie besser wachsen. Ich spiele ihnen etwas vor",
sagt Meierott. Er sei sich ziemlich sicher, dass vor allem liebevolle Stücke"
eine positive Wirkung auf den Wein haben können. Ein langsames
Violinenkonzert in A-Dur von Mozart oder etwas von Bach, aber bloß keine
aggressive Musik.
Mehr als 100
Stunden hat er in den vergangenen Monaten fiedelnd zwischen Weinstöcken
verbracht und bei seinen zweistündigen Konzerten viele Kilometer
zurückgelegt. Im regnerischen Frühling, als noch alles um ihn herum karg
war, im heißen Juli, als die Sonne den Lack seiner Geige schmelzen ließ, und
jetzt im August, da schon dicke Trauben an den Pflanzen hängen wie
Viertelnoten auf dem Papier.
Bessere Trauben
als üblich? Das kann eigentlich gar nicht sein", kommentiert der
Mikrobiologe und Weinforscher Jürgen Fröhlich von der Universität Mainz. Die
Idee sei ganz schön esoterisch und wissenschaftlich nicht nachvollziehbar,
sagt er, gesteht aber ein, dass ja auch nicht alles schon erforscht sei. Den
Elektrosmog von Handys hat man ja auch irgendwann nachgewiesen."
Dem Staatlichen
Hofkeller, ältestes Weingut Deutschlands, geht es sowieso weniger um die
beweisbaren Veränderungen des Weins, sondern mehr um die spirituellen: Das
Ganze ist eher eine mystische Angelegenheit. Wenn die klassische Musik
Menschen gut tut, dann bestimmt auch den Pflanzen", sagt Direktor Michael
Jansen.
Im kommenden
Frühjahr, nach der Reifephase, sollen rund 10000 Flaschen der Sonderedition
mit Meierotts Konterfei als besonders guter Tropfen" auf den Markt kommen.
Natürlich begleitet von einem Konzert im historischen Weinkeller unterhalb
der Würzburger Residenz. Ob sich Beethoven und Mozart dann tatsächlich auf
der Zunge schmecken lassen, solle eine Weinprobe zeigen, sagt Jansen.
Als bierernste
Aktion will im fränkischen Weinland natürlich niemand Meierotts Einsatz
verstanden wissen. Das Ganze soll natürlich eine gewisse Werbewirksamkeit
haben. Es ist mehr der Gag, der dahinter steht", sagt der
Veranstaltungsleiter des Hofkellers, Bernd vanElten. Auch im fränkischen
Weinbauverband betrachtet man die Idee mit einem Augenzwinkern: Der Herr
Meierott ist charmant und nett, das fühlen die Pflanzen bestimmt auch", sagt
eine Sprecherin.
Auch der Künstler
selbst stellt vor allem den Spaß an der Sache in den Vordergrund: Wenn ich
durch die Weinreben laufe, dann entspanne ich mich sehr, auch wenn es ganz
schön in die Beine geht", sagt Meierott, der sogar auf seiner Konzertreise
durch Japan vor wenigen Wochen schon Bestellungen seines" Weins
entgegennehmen konnte. Nur eines empfindet der fränkische Musiker bei den
Konzerten auf dem Weingut als schade. Das ist doch ein ganz schön einsamer
Job." |