|
Neuenburg
(dpa) - An der Nibelungensage ist doch etwas dran: Im Rhein gibt es wirklich
Gold. Zwar entdecken Schatzsucher keine geschichtsträchtigen Münzen oder
Pokale. Aber kleine Flitter aus Gold findet man bei uns im Rhein garantiert",
sagt Hobby-Goldwäscher Franz-Josef Andorf. Im badische Neuenburg
(Baden-Württemberg) bringt er Einheimischen und Touristen das Goldwaschen
bei.
"Das ist ein total
aufregendes Gefühl", sagt Helga Maier-Garlipp. Die Neuenburger Gemeinderätin
zählte am Mittwoch zu den ersten Kursteilnehmern. Sie hatte Glück: Mit
hauchdünnen Goldplättchen in der Hand stand sie zum Ende der Aktion am
Rheinufer.
In Neuenburg
verfüge der Rhein bundesweit über das höchste Goldaufkommen, sagte
Bürgermeister Joachim Schuster stolz. Das Edelmetall stamme aus einer
geologischen Formation in der Schweiz und werde über mehrere Flüsse in den
Rhein transportiert. Für einen Goldrausch wie in Kalifornien oder Australien,
reiche die Menge jedoch nicht aus.
"Im Rhein haben
schon die Kelten Gold gewaschen", sagt Andorf. Bis vor 200 Jahren sei das
Gewerbe noch in Allen Orten zwischen Waldshut und Mainz ausgeübt worden. Als
der Rhein jedoch für die Schifffahrt ausgebaggert wurde, seien die Funde
stark zurück gegangen.
"Die Goldplättchen
findet man im Geröll, das durch Hochwasser aufgewühlt und angeschwemmt wird",
sagt Andorf. Für die Suche wird das betonharte Flussbett zunächst mit Hacke
und Schaufel einen halben Meter tief aufgegraben. Gesiebten Sand schwenken
Andorfs Kursteilnehmer dann mit Wasser in der Waschpfanne. Die schweren
Bestandteile wie Schwermineralien und Gold sammeln sich dabei auf dem Boden
des Gefäßes.
Die Bewegung ist
nicht ganz leicht, man muss sie einüben", sagt der 51 Jahre alte Andorf.
Doch auch Pyrit, das so genannte Katzengold, glitzert auf dem Pfannenboden
und sorgt gelegentlich für verfrühten Jubel. Wenn man den Glanzpartikel mit
dem Daumennagel nicht zerspringen lassen kann, ist es Gold", erklärt Andorf
seinen Kursteilnehmern. Die Goldplättchen seien meist kleiner als einen
Millimeter.
Hobby-Wäscher
Andorf begann die Suche nach dem Rheingold mit 13 Jahren. Ich hatte das mit
einer Bratpfanne probiert und gleich viel Glück gehabt", erinnert er sich.
Seitdem übt er den richtigen Schwung mit der Pfanne auch in Österreich oder
in der Schweiz.
Die Kurse zum
Goldwaschen werden von der örtlichen Volkshochschule organisiert. Das
Angebot richtet sich nach Angaben der Beteiligten an Privatleute, die
Goldschürfen als Freizeitbeschäftigung betreiben wollen. Gewerbliches
Goldschürfen solle mit den Kursen nicht gefördert werden, sagt Andorf.
"An guten Tagen
kann man schon einmal Gold im Wert von bis zu 20 Euro finden", sagt
Schuster. Dies entspreche der Kursgebühr. Nach Gold gesucht wird in dem von
der Schifffahrt unberührten Altrhein. Dieser ist seit der Rheinbegradigung
im 19. Jahrhundert durch Johann Gottfried Tulla ein Seitenarm des Flusses. |