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Von Ulf Vogler
Dingolfing (dpa) - Der kleine Niederbayer hat sogar in Europas
Hochadel Karriere gemacht: Das Goggomobil wurde vor einem halben Jahrhundert
nicht nur zu einem der beliebtesten Autos Deutschlands, sogar die englische
Prinzessin Margaret, die Schwester der Queen, ließ sich in dem Gefährt
chauffieren. An Pfingsten feierten Oldtimer-Fans aus aller Welt in
Dingolfing, dem Geburtsort" des Goggos, den 50. Geburtstag des legendären
Automobils. Ein 34 Kilometer langer Korso mit rund 400 historischen
Fahrzeugen war der Höhepunkt des Goggo-Spektakels.
Mit dem Kleinwagen wollten die Dingolfinger Glas-Werke angesichts des
Wirtschaftsbooms in der jungen Bundesrepublik insbesondere Motorradfahrer
zum Umsteigen auf vier Räder motivieren. Dies machten auch die
Reklamebotschaften klar: Freiluftfahren ist schon alt: Sommer Regen, Winter
kalt - Familie das nun nicht mehr will! Lösung klar: Goggomobil", reimten
die Werbestrategen auf ihren Plakaten. Im Angebot waren eine Limousine, ein
Coupé, ein Pick-up und sogar ein Mini-Transporter.
Offenbar traf dieses Konzept voll ins Schwarze. Von 1955 bis 1969 rollten
rund 280 000 Exemplare der Zweitakter aus der niederbayerischen Fabrik. Das
war zeitweise das weltweit meistverkaufte Auto in dieser Klasse", erklärt
Jürgen Kraxenberger von der Goggo- und Glasfahrer Gemeinschaft Dingolfing.
Das Goggomobil war einfach das richtige Auto zur richtigen Zeit."
Der Erfolg des Goggos ist nach Ansicht von Kraxenberger auch auf die relativ
einfache Technik zurückzuführen. Selbst nicht ganz so versierte Bastler
könnten sich bei einem Defekt leicht behelfen, erklärt er. Aber es ist auch
ein tolles Fahrgefühl", schwärmt der Vorsitzende des 1984 gegründeten
Goggo-Klubs, der das Pfingsttreffen organisiert.
Die technischen Daten des 2,9 Meter kurzen und nur 1,26 Meter breiten
Viersitzers sind aus heutiger Sicht eher bescheiden. Die Basisversion hatte
250 Kubikzentimeter Hubraum und kam mit 13,6 PS in der sportlichen
Coupé-Variante auf eine Spitzengeschwindigkeit von 84 Stundenkilometern.
Mindestens 3327 Mark mussten die Käufer für ihren Goggo hinblättern, gegen
Aufpreise von 30 bis 100 Mark waren Motoren mit 300 und 400 Kubik erhältlich.
Der Erfolg des Goggos war für die Hans Glas GmbH alles andere als
vorhersehbar. Vielmehr war das Fahrzeugkonzept bei dem Familienunternehmen
eher eine Notlösung. Eigentlich bauten die Glas-Werke Landmaschinen, fanden
dafür aber nach dem Kriegsende immer weniger Abnehmer. Inspiriert vom
Siegeszug der Vespa in Italien brachte das Unternehmen einen Roller auf den
Markt, das Goggomobil wurde dann zunächst als eine Art vollverkleideter
Roller mit vier Rädern entwickelt.
Später konzipierten die Glas-Ingenieure, durch die Goggo- Verkaufszahlen
beflügelt, auch das größere Modell Isar und den Luxuswagen V8. Doch schon
Ende der 60er Jahre ging die kurze Geschichte der Glas-Automobile zu Ende.
BMW übernahm die Dingolfinger Fabrik und baute sie zum zweiten Standort des
Münchner Unternehmens aus. Inzwischen haben die Niederbayern den BMW-Stammsitz
sogar überholt: Dingolfing ist heute das weltweit größte Werk des
weiß-blauen Autokonzerns. Die rund 22 000 Mitarbeiter fertigen täglich bis
zu 1300 Wagen der Baureihen 5er, 6er und 7er sowie Karosserien der
britischen Nobelmarke Rolls-Royce.
(Dingolfings
Goggo-Klub im Internet: www.goggo-glasfahrer-dgf.de) |