30 June, 2008

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G.T.E.V. Edelweiss und Verein der Österreicher feierten eine Gedächtnismesse zusammen

Heurige Gedächtnismesse

Romeo ­ An dem 13. November, einem sonnigen Nachmittag versammelten sich die Mitgliedschaft des G.T.E.V. Edelweiss, Detroit und mehrere Mitglieder des Vereins der Österreicher in der St. Clement Katholischen Kirche in Romeo, Michigan, um die im vorigen Jahre verstorbenen Vereinsmitglieder ein ehrendes Gedenken zu bewahren.

Unter der vorbildlichen Leitung unseres Musikwartes Richard Michels wurde der ganze musikalische Teil des Gottesdienstes nach der Bauernmesse" (Annette Thoma) von unserem Edelweiss Dreigesang", Linda und Lauren Lachat und Christine Michels und von unserem Klarinettenmusi" grossartig zu Darstellung gebracht.

Zum Eingang von der Bauernmesse" führten die Fahnenträgern beider Vereine den Einzug von Edelweiss Trachtlern und Trachtlerinnen und von Mitgliedern vom Verein der Österreicher feierlich in die Kirche.

Die Edelweiss Totenbretter und Gedenkstafeln vom Verein der Österreicher wurden zum Altar getragen und auf einen Tisch gelegt. Pastor John Ortmann begrüsste alle Mitglieder und weihte die Gedenksartikeln.

Schon seit 3 Jahren hat der Edelweiss Verein seine gestorbenen Mitglieder bei der Gedächtnismesse mit einem Totenbrett nach altem niederbayerischen Brauch geehrt. In diesem Jahre wurden die folgenden Verstorbenen damit erinnert:

Katharina Conrow, Elizabeth Dubay, Lillian Graf-Kron, Irma Kandler und Jean Szachta. Der Verein der Österreicher hat vier schöne, hölzernen Gedenkstafeln für seine Verstorbenen: John Geier, Halina Izydorek, Franci Locher und Margaretha Schickersinsky schneiden lassen.

Unser Michael Lachat, der nicht nur als Fahnenträger, sondern auch als Zweiter Kassierer fungiert, hat den Auftrag unternommen, indem er selbst jeden Totenbrett ganz sorgfältig ausschneidet und ein Kreuz, den Namen jedes verstorbenen Mitgliedes, Geburts und Todesjahr in den Brett mit Frakturstilschreiben einbrennt. Wir sind ihm dankbar für seine grosse Mühe und Begabung.

Mitglieder aus beiden Vereinen hatten an dem deutschen Wortgottesdienst teilgenommen. Frau Rita Dziersk und Herr Franz Sinz hatten die zwei Lesungen vorgetragen. Marianne Billo hatte das Allgemeine Gebet gelesen. Die Winquist Mädeln hatten als Akolythe-rinnen gedient. Da war kein trocknendes Auge, als das Lied Ich hatt' einen Kamerad". Während des Gabenopfers gespielt und gesungen wurde.

Michael Campbell hatte den Fichtenkranz mit einer schwarzen Schleife zum Altar getragen und hatte ihn vor den Gedenkstisch gestellt.

 

Bayerische Brotzeit

Gerade nach der Messe wurde eine gemütliche Brotzeit in der Nebenhalle der Kirche serviert. Einige Mitglieder brachten eine Beilage für das traditionelle Wurstessen mit, welches Frau Marianne Billo und Frau Käthe Fina vorbereitet hatten. Pastor John Ortmann hatte das Tischgebet gesprochen.

Herr Horst Griesser und Herr Michael Lachat hatten noch einmal die Namen unserer heurigen geehrten Verstorbenen vorgelesen und hatten alle Anwesende um Aufstehen geboten, um einen Trinkspruch (mit einem guten Obstler") auf die Verstorbenen auszubringen.

 

Der Brauchtum des Totenbrettes

In den früheren Zeiten, als noch Keine Leichenhäuser gaben, machte man mit den Toten wenig Umstände. Man wickelte ihn nach alter Sitte in ein Leichtuch, nähte es zusammen und legte die Leiche auf ein Brett. Die Leiche wurde dann auf dieser Unterlage festgebunden und zum Grab gefahren oder getragen. Dort liess man den Leichnam entweder mitsamt dem Brett ins Grab hinunter, oder shob ihn mit den Füssen voran auf dem Brett schräg in die Grube, löste die Fesseln und zog es wieder hoch, so dass der Leichnam langsam von seiner Unterlage auf den Grabboden rutschte. Daher kommt der alte Ausdruck -"da ist wieder einer vom Brettl grutscht".

Wenn das Brett nicht mit ins Grab ging, wurde damit in in verschiedener Weise verfahren. Entweder wurde es verbrannt, für weitere Todesfälle aufbewahrt, oder man gestaltete das Brett um, zum Erinnerungszeichen an den Verstorbenen- zum eigentlichen -Totenbrett.

Zunächst wurden in diese Bretter drei Kreuze geschnitten, gebrannt, oder gezeichnet. Diese Totenbretter stellte man an bestimmten Orten, z.B..- Kapellen, Wegkreuzungen, Kirchwegen oder Wohnhäuser der Verstorbenen. In späteren Zeiten hatte man die Totenbretter auch mit dem Namen und dem Todesjahr des Verstorbenen versehen. Gelegentlich wurden die Bretter einem Schreiner übergeben, der sie mit verschiedenen Verzierungen versah. Zur Zeit des 18. Jahrhunderts wurde das Aufstellen von Totenbretter untersagt, die bestehenden sollten beseitigt werden. Die Toten sollten in einem Sarg in einem Leichenhaus aufbewahrt werden. Jedoch hielte sich mancherorts der Verwendung des Totenbrettes als Bahrbrett ungefähr bis zum Anfang des ersten Weltkrieges. Die Bretter, die heutzutage zum Andenken an die Verstorbenen errichtet werden, sind keine Totenbretter im ursprünglichen Sinne mehr, da kein Toter auf ihnen gelegen hatte, sondern Gedenkbretter in Gestalt der früheren Totenbretter.

Obwohl Totenbretter noch heute auch in zahlreichen Orten in der Schweiz und im Österreich anzutreffend sind, dieser Brauchtum ist besonders für die Landschaft des Bayerischen Waldes ein Kennzeichen geblieben.

Rolf K. Fruehauf

 

 

Last modified on:01/14/2008

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