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Heurige Gedächtnismesse
Romeo An dem 13. November, einem
sonnigen Nachmittag versammelten sich die Mitgliedschaft des G.T.E.V.
Edelweiss, Detroit und mehrere Mitglieder des Vereins der Österreicher in
der St. Clement Katholischen Kirche in Romeo, Michigan, um die im vorigen
Jahre verstorbenen Vereinsmitglieder ein ehrendes Gedenken zu bewahren.
Unter der vorbildlichen Leitung unseres Musikwartes Richard Michels wurde
der ganze musikalische Teil des Gottesdienstes nach der Bauernmesse"
(Annette Thoma) von unserem Edelweiss Dreigesang", Linda und Lauren Lachat
und Christine Michels und von unserem Klarinettenmusi" grossartig zu
Darstellung gebracht.
Zum Eingang von der Bauernmesse" führten die Fahnenträgern beider Vereine
den Einzug von Edelweiss Trachtlern und Trachtlerinnen und von Mitgliedern
vom Verein der Österreicher feierlich in die Kirche.
Die Edelweiss Totenbretter und Gedenkstafeln vom Verein der Österreicher
wurden zum Altar getragen und auf einen Tisch gelegt. Pastor John Ortmann
begrüsste alle Mitglieder und weihte die Gedenksartikeln.
Schon seit 3 Jahren hat der Edelweiss Verein seine gestorbenen Mitglieder
bei der Gedächtnismesse mit einem Totenbrett nach altem niederbayerischen
Brauch geehrt. In diesem Jahre wurden die folgenden Verstorbenen damit
erinnert:
Katharina Conrow, Elizabeth Dubay, Lillian Graf-Kron, Irma Kandler und Jean
Szachta. Der Verein der Österreicher hat vier schöne, hölzernen
Gedenkstafeln für seine Verstorbenen: John Geier, Halina Izydorek, Franci
Locher und Margaretha Schickersinsky schneiden lassen.
Unser Michael Lachat, der nicht nur als Fahnenträger, sondern auch als
Zweiter Kassierer fungiert, hat den Auftrag unternommen, indem er selbst
jeden Totenbrett ganz sorgfältig ausschneidet und ein Kreuz, den Namen jedes
verstorbenen Mitgliedes, Geburts und Todesjahr in den Brett mit
Frakturstilschreiben einbrennt. Wir sind ihm dankbar für seine grosse Mühe
und Begabung.
Mitglieder aus beiden Vereinen hatten an dem deutschen Wortgottesdienst
teilgenommen. Frau Rita Dziersk und Herr Franz Sinz hatten die zwei Lesungen
vorgetragen. Marianne Billo hatte das Allgemeine Gebet gelesen. Die Winquist
Mädeln hatten als Akolythe-rinnen gedient. Da war kein trocknendes Auge, als
das Lied Ich hatt' einen Kamerad". Während des Gabenopfers gespielt und
gesungen wurde.
Michael Campbell hatte den Fichtenkranz mit einer schwarzen Schleife zum
Altar getragen und hatte ihn vor den Gedenkstisch gestellt.
Bayerische Brotzeit
Gerade nach der Messe wurde eine gemütliche Brotzeit in der Nebenhalle der
Kirche serviert. Einige Mitglieder brachten eine Beilage für das
traditionelle Wurstessen mit, welches Frau Marianne Billo und Frau Käthe
Fina vorbereitet hatten. Pastor John Ortmann hatte das Tischgebet gesprochen.
Herr Horst Griesser und Herr Michael Lachat hatten noch einmal die Namen
unserer heurigen geehrten Verstorbenen vorgelesen und hatten alle Anwesende
um Aufstehen geboten, um einen Trinkspruch (mit einem guten Obstler") auf
die Verstorbenen auszubringen.
Der Brauchtum des Totenbrettes
In
den früheren Zeiten, als noch Keine Leichenhäuser gaben, machte man mit den
Toten wenig Umstände. Man wickelte ihn nach alter Sitte in ein Leichtuch,
nähte es zusammen und legte die Leiche auf ein Brett. Die Leiche wurde dann
auf dieser Unterlage festgebunden und zum Grab gefahren oder getragen. Dort
liess man den Leichnam entweder mitsamt dem Brett ins Grab hinunter, oder
shob ihn mit den Füssen voran auf dem Brett schräg in die Grube, löste die
Fesseln und zog es wieder hoch, so dass der Leichnam langsam von seiner
Unterlage auf den Grabboden rutschte. Daher kommt der alte Ausdruck -"da ist
wieder einer vom Brettl grutscht".
Wenn das Brett nicht mit ins Grab ging, wurde damit in in verschiedener
Weise verfahren. Entweder wurde es verbrannt, für weitere Todesfälle
aufbewahrt, oder man gestaltete das Brett um, zum Erinnerungszeichen an den
Verstorbenen- zum eigentlichen -Totenbrett.
Zunächst wurden in diese Bretter drei Kreuze geschnitten, gebrannt, oder
gezeichnet. Diese Totenbretter stellte man an bestimmten Orten, z.B..-
Kapellen, Wegkreuzungen, Kirchwegen oder Wohnhäuser der Verstorbenen. In
späteren Zeiten hatte man die Totenbretter auch mit dem Namen und dem
Todesjahr des Verstorbenen versehen. Gelegentlich wurden die Bretter einem
Schreiner übergeben, der sie mit verschiedenen Verzierungen versah. Zur Zeit
des 18. Jahrhunderts wurde das Aufstellen von Totenbretter untersagt, die
bestehenden sollten beseitigt werden. Die Toten sollten in einem Sarg in
einem Leichenhaus aufbewahrt werden. Jedoch hielte sich mancherorts der
Verwendung des Totenbrettes als Bahrbrett ungefähr bis zum Anfang des ersten
Weltkrieges. Die Bretter, die heutzutage zum Andenken an die Verstorbenen
errichtet werden, sind keine Totenbretter im ursprünglichen Sinne mehr, da
kein Toter auf ihnen gelegen hatte, sondern Gedenkbretter in Gestalt der
früheren Totenbretter.
Obwohl Totenbretter noch heute auch in zahlreichen Orten in der Schweiz und
im Österreich anzutreffend sind, dieser Brauchtum ist besonders für die
Landschaft des Bayerischen Waldes ein Kennzeichen geblieben.
Rolf K. Fruehauf |