03 December, 2008

153rd YEAR - THE AMERICAN NEWSPAPER WRITTEN IN THE GERMAN LANGUAGE

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GBU Saxonia Rheingold Chor:  Auf grosser Fahrt im September...

Im Weinkeller bei einer Schnapsprobe in Kaltern am See.

Sterling Heights ­ Die Vorfreude war gross und am 8. September war es soweit: 26 aktive und 4 unterstützende Mitglieder (Resi und Rudi Walter, Gerlinde und Rupert Reisenberger) unseres Chores trafen in Frankfurt/Main ein und auf ging's zu einer 10-tägigen Rundreise, die zu einem wunderschönen Erlebnis wurde. Unser Reiseleiter, Willi Volz, hatte gut geplant und ein ganz besonderes Dankeschön geht an unseren Fahrer, Friedhelm Apel, der uns absolut sicher und zuverlässig fuhr. Wir fühlten uns wie in Abrahams Schoss.

Wir fingen in Franken an, fuhren dann nach Süd-Tirol und es folgte das Salzkammergut. Die ersten und letzten Tage unserer Tour verbrachten wir mit befreundeten Chören, in friedlichem Sängerwettstreit und bei Weinproben in uralten Winzerkellern. Die seit Jahren bestehenden Verbindungen und Freundschaften wurden vertieft und neue Kontakte geknüpft.

Unsere erste Station war Hammelburg in Franken, also in Bayern. Und die Bayern sagen: man soll Gott für alles danken, selbst für Unter-, Mittel- und auch Oberfranken. Es liegt an der fränkischen Saale, zwischen Fulda und Würzburg. Ein reizendes Städtchen, umgeben von Weinbergen, schönen Mischwäldern und Wiesen, und es kann sich stolz älteste Weinstadt Frankens" nennen. 716 wird es als hamulo castellum" erstmalig erwähnt. 777 ist die Schenkung durch Karl den Grossen an das Kloster Fulda urkundlich belegt; um 1240 erlangt es Mauer-, Münz- und Marktrecht und von der mittelalterlichen Stadtbefestigung sind immer noch 3 Türme erhalten. Die heutige Wirtschaft hat 3 Schwerpunkte: Wein, Musik, Bundeswehr.

Zum Wein: es werden weisse und rote Rebsorten angebaut und der Wein dann traditionell in Bocksbeutelflaschen abgefüllt. Es gibt eine städtische Weinkellerei, eine Winzergenossenschaft und auch private Weingüter.

Zur Musik: die Stadt ist stolz auf die Bayerische Musikakademie". Dort werden Kurse in den verschiedensten Sparten angeboten und bei den Hammelburgern besonders beliebt sind die kostenlosen Abschlusskonzerte der Kursteilnehmer und Studenten. Die Musikakademie hat für Impulse gesorgt, die im Ort zur Bildung von Chören und Blaskapellen angeregt hat.

Zur Bundeswehr: Die Garnison ist alt. Seit 1994 ist die Infantrieschule darauf spezialisiert Truppen auszubilden und zu trainieren die im Rahmen der UN international eingesetzt werden.

Sehr stimmungsvoll wurde der Abend mit den Hammelburger Sängern. Sie hatten den Rathauskeller fürs gemeinsame Singen und die Weinprobe (mit Brotzeit) reserviert. Der Keller ist ein uraltes Gewölbe. Die Temperatur konstant um ca. 14 Grad C, mit relativ hoher Luftfeuchtigkeit. Entsprechend dunkel sind inzwischen die Wände. Riesige Weinfässer lagern dort. Bei Kerzenlicht wurde abwechselnd gesungen und Wein probiert - und die Stimmung hätte nicht besser sein können. Bei unserer ,unterstützenden' Resi Walter möchten wir uns ganz herzlich bedanken, denn durch sie ist die Verbindung nach Hammelburg zustande gekommen. Resi ist dort aufgewachsen, hat noch ganz enge Verbindungen zu ihrem Heimatort und konnte an diesem Wochenende ein einem Treffen ihrer ehemaligen Klassenkameraden teilnehmen. Wie nennen wir das hier? A win-win situation.

Von Hammelburg aus war auch noch ein Ausflug nach Würzburg arrangiert worden. Wir hatten eine ausgezeichnete, humorvolle Stadtführerin, die uns durch die Residenz und Innenstadt führte. Anschliessend war noch Zeit für eine Dampferfahrt auf dem Main, nach Veitshöchheim. Auch da wieder Weinberge wohin man blickte.

Dann kam der Sprung über die Alpen nach Südtirol. Über München, Innsbruck, Brenner Autobahn ging es zu unserem 2. Standort Lana, bei Meran. Es ist nicht übertrieben, wenn die Süd-Tiroler von einem Wein-, Obst- und Urlauberparadies sprechen.

Von Lana aus hat man unzählige Möglichkeiten zu Ausflügen. An einem Tag mit knallblauem Himmel fing es mit einer Dolomiten-Rundfahrt an. Da tauchte die Frage auf: warum heissen die Dolomiten Dolomiten?? Nach dem französischen Geologen Dolomieu, der in den Alpen forschte und die Zusammensetzung der Gesteine untersuchte. Nach ihm wurde der vorherrschende Kalkstein Dolomit genannt und dann auch das gesamte Gebirgsmassiv. Typisch für die Dolomiten sind die schroff aufragenden, durch breite Täler getrennten Gebirgsstöcke, wie z.B. die Sella-Gruppe. Die Kalkwände erscheinen, je nach Tageszeit und Beleuchtung, gelblich, weisslich oder rosig. Besonders im Abendlicht wirkt die Gebirgskette dann wie ein Rosengarten". Die Passstraßen sind ein ganz besonderes Erlebnis, speziell wenn man im Bus ganz vorne sitzt. Als Beispiel: der Pordoi Pass ist 2239 m hoch und man muss 28 Haarnadelkurven überstehen. Stellen Sie sich vor, Sie sässen in der ersten

Reihe und bei jeder Kurve sehen Sie sich überm Abgrund. Da hilft nur Augen zu" und hinterher ein belebender Obstler! Im Hinblick auf die Schönheit der Dolomiten hatte unser Reiseleiter morgens nur zu sagen brauchen: die Landschaft spricht für sich.

Das trifft auch auf die Süd-Tiroler Weinstrasse zu. Es ist eine Strecke von ca. 30 km, mit ganz bekannten Orten wie Eppan, Tramin und Kaltern. In Kaltern wurde vor ein paar Jahren ein sehr interessantes Weinmuseum eröffnet und wir konnten die Geschichte des Weinanbaus verfolgen. Schon mit den Römern kam der Wein in die Gegend. Heute werden rund 75% Rotwein und 25% Weisswein gekeltert. Bei der Weinprobe nach der Führung wurden 3 Weine ,verkostet'. Gleich gegenüber vom Museum ist ein Restaurant, wo folgender Vers in Schnörkelschrift die Aussenmauern verziert:

Das Wasser gibt dem Ochsen Kraft,

Beim Mensch ist es der Wein;

Drum danke Gott als guter Christ,

Dass Du kein Ochs geworden bist.

Wie sagen wir hier? I drink to that.

Der Obstanbau hat seit etwa 1950 einen enormen Auftrieb erlebt. Allerdings würden Sie kaum noch traditionelle" Obstbäume sehen. Äpfel, Birnen und Pflaumen werden heute fast ausschliesslich als Spalierobst angebaut. Wein und Obst gedeihen prächtig in dem mediterranen Klima. Zusätzlich sorgen Feigen-, Maulbeer-, Mandel- und Olivenbäume, Palmen, Zypressen und Zedern für südliches Flair.

Von Lana nach Meran sind es nur 5 km. Diesen bekannten Kurort mit Thermen und Bädern - und vielen verlockenden Geschäften - schätzte vor mehr als 100 Jahren schon die Kaiserin Elisabeth (Sissi). Sie verbrachte dort gern die Wintermonate. Die Altstadt, mit der schönen Laubengasse - oder Via dei Portici - zieht die Touristen auch heute noch an und besonders freitags, dem Markttag, ist der Trubel unbeschreiblich. Allerdings ist in der Altstadt der Autoverkehr stark eingeschränkt und der Fussgänger ist König.

Meran ist Ausgangspunkt ins Passeier Tal, mit Dorf Tirol und seiner uralten Burg, dann Schenna, mit einem gut erhaltenen Schloss, wo Graf Spiegelberg selbst die Führung macht. In Saltaus startet die Hirzer Schwebebahn zu einer Höhe von 1980 m. In weniger als 5 Minuten gleiten Sie in der Gondel nach oben, dann sind Sie bei rund 2000 m angekommen und Bergwanderer finden ein Wanderparadies auf ,höherer Ebene'. Wenn aber Wetter und Aussicht nicht grossartig sind, kann man sich da oben zu einem zünftigen Kaiserschmarrn und anderen Süd-Tiroler Spezialitäten in einer der netten Gastwirtschaften niederlassen.

Am Ende vom Tal liegt St. Leonard. Ganz in der Nähe steht das Geburtshaus von Andreas Hofer, der in Süd-Tirol immer noch als Freiheitskämpfer geachtet und verehrt wird. 1809 führte er den Tiroler Volksaufstand gegen die Franzosen und konnte sie dreimal zurückdrängen. Erst als die französischen Truppen am Berg Isel nochmals angriffen, unterlag Hofer mit seinen Leuten. Er konnte fliehen, aber sein Versteck wurde von einem Freund" verraten und 1810 wurde er in Mantua hingerichtet.

Wir nahmen Abschied von Süd-Tirol und fuhren durchs Pustertal, über Zell am See, zu unserem nächsten Ziel: Adnet, bei Salzburg. Kaum waren wir aus dem Bus gestiegen, wurde allen klar, dass wir nicht mehr in Weinbergen, sondern mitten in der Landwirtschaft waren. Der Geruch war unverkennbar. Am ersten Abend kamen wir mit unseren Gastgebern beim Priesterwirt" zu einem zünftigen Sängertreffen zusammen. Adnet präsentierte sich mit 3 Gruppen: dem Singkreis, dem Männerchor und dem Friendship Chor. In dieser Gruppe sind jüngere Leute, die seltener traditionelle Volkslieder singen, sondern mehr Spass an netten amerikanischen Schlagern haben. Als Überraschung tanzte dann noch eine Schuhplattlergruppe, die ganz grossen Applaus bekam.

Roland Müller und seine Frau Susie, die rund 40 Jahre hier in Michigan lebten, sind nun wieder in ihre Heimat, nach Adnet, gezogen. Sie hatten den Vorschlag gemacht, dass unser Chor zu Besuch kommen sollte und es wurde dann Kontakt mit Helga Auer aufgenommen. Sie ist die 1. Vorsitzende vom Singkreis und hatte sich sofort in die Planung gestürzt. Wir feierten dieses Wiedersehen auch am 2. Abend in Adnet musikalisch, bloss mit dem Unterschied, dass unserem Chor eine Art Ständchen gebracht wurde und wir uns ganz aufs Zuhören konzentrieren konnten. Ein Quartett, was sich aus Mitgliedern der verschiedenen Adneter Chöre zusammensetzte, trug Lieder vor, die einen in eine andere Welt versetzten. Wir hätten die ganze Nacht zuhören mögen. Wenn das Quartett mal pausierte, sprang Herbert Langegger (vom Österreicher Verein) mit seiner Ziehharmonika ein. Herbert stammt aus Hallein und fährt jedes Jahr in seine alte Heimat, um mit seinem Freund, Lehrer und Mentor Joe" zu üben und neue Techniken zu lernen. Auch das war hinreissend und wir werden diesen schönen Abend

nicht vergessen.

Von Adnet nach Salzburg ist es ein Katzensprung. Es war Sonntagvormittag und relativ ruhig in der Stadt, da die Festspiele vorbei waren. Doch die Mozart-Stadt zieht ja das ganze Jahr über Besucher an und in der Getreidegasse, wo Mozarts Geburtshaus steht, auf dem Residenz- und Domplatz und in den schönen Arkadenhöfen ging es lebhaft zu. Die meisten Geschäfte sind sonntags geschlossen. Aber findige Sänger und Sängerinnen entdeckten, wer geöffnet hatte und nahmen die Gelegenheit wahr, noch ganz schnell Souvenirs in der Mozart-Stadt zu kaufen. Wer sich beeilte, schaffte es sogar noch auf die Festung. Die Hohensalzburg - mit dem Bau wurde vor fast 1000 Jahren begonnen - steht auf einem Dolomitfelsen und dominiert die Stadt. Es war früher der Sitz der Fürst-Erzbischöfe, ehe sie sich in der Stadt die Residenz bauten. Von der Festung aus hat man einen wunderbaren Blick auf Salzburg. Die Altstadt, zusätzlich durch Mönchsberg und Salzach eingegrenzt, besticht besonders durch die Kirchen mit ihren barocken Kuppeln - dazu der Blick auf die Umgebung. Diese einmalige Mischung aus alpiner Landschaft und interessanter, ansprechender Architektur hat Salzburg den Ruf eingebracht, eine der schönsten Städte der Welt zu sein.

Das Wetter war immer noch schön und kurz entschlossen entschied unser Reiseleiter, dass wir am Nachmittag noch einen Abstecher zu den Seen im Salzkammergut machen könnten. Erst kam der Mondsee, dann fuhren wir am Attersee entlang und kamen schliesslich zum Wolfgangsee. Wir konnten uns überzeugen, dass Das Weisse Rössl" wirklich existiert, wunderschön am Ufer des Sees gelegen ist und der ganze Ort Ferienstimmung verbreitet.

Am nächsten Morgen mussten wir uns von Adnet und unseren netten Gastgebern trennen und Heppenheim an der Bergstrasse ansteuern. Auf der Autobahn kamen uns keine grossen Baustellen oder Staus in die Quere und wir kamen ohne Hetze am Nachmittag an. Wir machten uns bald auf den Weg vom Hotel zum Winzerkeller. Das geht durch enge, mittelalterliche Strassen, an uralten und sehr gut gepflegten Fachwerkhäusern vorbei und über den schönen Marktplatz. Im Winzerkeller warteten schon viele Freunde und Bekannte und in diesem grossen Kreis verlebten wir sehr harmonisch unseren letzten Abend. Mit vielen Sängern vom Chor aus Königstädten, die ja erst Mitte August bei uns zu Besuch gewesen waren, konnte Wiedersehen gefeiert werden.

So endete unsere herrliche Reise. Fotos, Souvenirs, Lederhosen, Dirndlkleider und fesche Trachtenblusen werden uns lange daran erinnern. Aber das Schönste sind die persönlichen Kontakte und Freundschaften - und die Musik und das gemeinsame Singen, das uns alle verbindet.

E.H.

Besuch bei einem Singkreis in Adnet bei Salzburg.

Ein Ständchen für Graf Spiegelberg, dem Grafen vom Schloss Schenna.

 

 

Last modified on:01/14/2008

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