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Hamburg (dpa) - Vom gemütlichen
Hamburger Stadtrand nach Los Angeles: Die deutsche Kinder- und
Jugendbuchautorin Cornelia Funke (46) ist im Mai mit ihrer Familie nach
Beverly Hills gezogen, um sich vor Ort unter anderem um die Verfilmungen
ihrer Bestseller zu kümmern. Sie habe sich sehr leicht eingelebt", sagte
Funke der dpa. Zum Erscheinen von Tintenblut", dem zweiten Band ihrer
Tintenherz"- Trilogie, zieht sie eine erste Bilanz.
Frage: Worin liegt der Hauptunterschied zwischen dem Leben am
grünen Rand von Hamburg und dem Leben in einer alten Villa in Beverly Hills?
Cornelia Funke: Das hört sich jetzt furchtbar oberflächlich an, aber der
Hauptunterschied ist das schöne Wetter. Der Tag kommt einem wesentlich
länger vor, wenn man zwischendurch einfach mal zehn Minuten in der Sonne
sitzen kann, wenn die Abende so mild sind, dass man noch richtig Lust hat,
nochmal zwei bis drei Stunden im Schreibhaus zu sitzen und zu arbeiten. Ein
anderer Unterschied ist auch der, dass wir natürlich jetzt wesentlich
städtischer leben, da gibt es wesentlich mehr Einladungen, Ereignisse und
Sachen, die man sich angucken will. Also, das Leben ist turbulenter, aber
Gott sei Dank schadet das dem Schreiben überhaupt nicht."
Frage: Man sagt immer, Hollywood ist
ein Haifischbecken. Sind Sie schon mal gebissen worden?
Funke: Die Bisse, die ich bisher im Filmgeschäft empfangen habe, die habe
ich mir in Europa eingefangen. Meine Erfahrungen zum Beispiel mit der
Verfilmung von Herr der Diebe" (Kinostart im Dezember) sind sicherlich
problematischer gewesen als meine Hollywood-Erfahrungen bisher. Aber das
kann sich natürlich noch jederzeit ändern. Das mit dem Haifischbecken, denke
ich, stimmt in sofern, als dass ich hier wirklich einiges Schlimme darüber
höre, wie menschlich miteinander umgegangen wird. Ich habe das als Autorin
bislang nicht zu spüren bekommen. Aber was man hier so von Schauspielern,
Produzenten, Agenten über die normale Umgangsweise miteinander hört, das ist
schon manchmal sehr unappetitlich."
Frage: Wie halten Sie sich aus diesem
Konkurrenzkampf heraus?
Funke: Es ist zum Glück so, dass man als Schriftsteller ja doch ein bisschen
draußen ist aus diesen geschäftlichen Intrigen. Denn von mir wollen sie ja
letztlich was, das ist ja das Gute. Vielleicht habe ich auch einfach Glück
gehabt mit den Leuten, mit denen ich im Moment zusammen arbeite. Ich habe
Gott sei Dank einen recht mächtigen Agenten hier in Hollywood. Der macht
keinen unglücklichen Eindruck, obwohl er seit mindestens 12 Jahren in diesem
Geschäft ist. Von daher denke ich mir immer, es muss auch möglich sein,
zufrieden hier zu arbeiten - auch wenn das wohl nicht so ganz leicht ist."
Frage: Zur Zeit sind etliche Filme nach
Ihren Büchern in Vorbereitung oder schon kurz vor dem Kinostart. Werden die
eher realistischen Stoffe in Deutschland gedreht und die großen Fantasy-
Sachen in Hollywood?
Funke: Das ist sicherlich so. Ich glaube, wenn man ganz realistisch ist,
dann muss man sich sagen, dass gerade diese großen Fantasiestoffe wie
Drachenreiter" oder Tintenherz" nur bei einem irrsinnig großen Budget
umzusetzen sind. Und da habe ich hier natürlich das Glück, dass ich von
amerikanischen Produktionen Angebote bekomme, wo einfach diese immensen
Mittel, die ja weit über 100 Millionen liegen, überhaupt möglich sind. Ich
werde sicherlich die Fantasy-Projekte immer in Amerika umsetzen lassen oder
vielleicht als europäische Co-Produktion. Aber im Moment versuche ich das
mal mit Hollywood."
Erschienen: Tintenblut" der
zweite Band einer Trilogie
Deutschlands erfolgreichste Kinderbuchautorin Cornelia Funke (46) beklagt,
dass viele Schriftsteller in ihren Werken das Böse verherrlichen. Das Böse
ist nicht glamourös und sexy, sondern traurig", sagte die 46-Jährige im
Magazin Stern". Meine Leser sollen verstehen, weshalb eine Figur böse ist -
aber sie sollen ihr nicht verzeihen." Unter dem Titel Tintenblut" erschien
jetzt der neue Roman der Schriftstellerin. Es ist der zweite Band einer
Trilogie, die mit Tintenherz" begonnen hatte.
Gerade auf die Fantasie der Kinder übe das Böse in Geschichten eine starke
Faszination aus. Wenn du das Böse nicht schlagen kannst, wirst du halt einer
von ihnen." Kinder hätten am meisten Angst davor, dass eine gute Figur zum
Bösen überwandert.
In
Deutschland war der Medienbetrieb" für sie ein permanenter Stressfaktor. Man
war immer erreichbar", sagte Funke der Wochenzeitung Die Zeit". Sie arbeite
gegenwärtig am dritten Band der Tintenherz"-Trilogie. Jetzt habe sie mehr
Zeit zum Schreiben. Ich glaube, Christa Wolf hat einmal gesagt, dass sie
durch das Schreiben mehr zu sich selbst findet. Bei mir ist es umgekehrt:
Wenn ich schreibe, möchte ich nicht zu mir selber finden, sondern zu allen
anderen. Wenn ich es Kindern erkläre, sage ich: Schriftsteller sein bedeutet,
die Stimme der anderen zu sein."
Zu
ihrem neuen Buch war Funke auf einer Lesetour in Hamburg, Essen, Bonn,
Verden, Hannover und Stuttgart. |