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Hamburg
(dpa) - Frankfurt am Main bleibt die Kriminalitätshochburg unter den
Großstädten in Deutschland, München die statistisch sicherste der Metropolen.
Wie eine dpa-Umfrage in den zehn größten deutschen Städten - darunter sieben
Fußball-WM-Städte - ergab, hat die Polizei im vergangenen Jahr überall
weniger Straftaten registriert als im Jahr 2004. Die so genannte
Kriminalitätshäufigkeitszahl, das ist die Anzahl der Straftaten pro 100000
Einwohner, sank im Durchschnitt um 5,7 Prozent.
Mit 17213
erfassten Delikten auf 100000 Einwohner ist die Bankenmetropole am Main
immer noch am stärksten belastet. Es folgen Berlin (15002), Bremen (14966),
Hamburg (14111), Düsseldorf (14035) und Köln (13595). München ist wie 2004
mit 8700 Fällen auf 100000 Einwohner die Vorzeige-Metropole. Die
Polizeiliche Kriminalstatistik für ganz Deutschland wird Bundesinnenminister
Wolfgang Schäuble (CDU) in den nächsten Wochen vorstellen.
Ob die deutschen
Großstädte vor der Fußball-Weltmeisterschaft tatsächlich sicherer geworden
sind und weniger gestohlen, betrogen, vergewaltigt, misshandelt und gefixt
wird, bezweifelt Professor Rudolf Egg. Kriminalität kann man nicht messen",
sagt der Experte von der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden. Die
Polizeiliche Kriminalstatistik bildet nur den Teil ab, mit dem sich Polizei
und Justiz beschäftigen. Und das ist stark vom Anzeigeverhalten der Menschen
abhängig."
So sei aus
steigenden Zahlen bei Körperverletzungen oder Sexualstraftaten nicht
zwangsläufig abzulesen, dass die Bereitschaft zur Gewalt größer wird. Bei
den Opfern wachse vielmehr der Mut, Anzeige zu erstatten. Dass es weniger
Einbrüche, Diebstähle und Schwarzfahrer gibt, ist laut Egg kein Verdienst
der Polizei, sondern eine Folge von immer besseren Sicherungsmöglichkeiten.
Alarmanlagen, Detektive und Kontrolleure schreckten Ganoven wirksam ab.
Ein Handicap für
Frankfurt ist, dass die auf dem Rhein-Main- Flughafen erfasste Kriminalität
in die Statistik einfließt. Dennoch gab es 2005 einen positiven Trend: Die
Zahl der registrierten Straftaten sank von 118120 auf 113657. Gleichzeitig
stieg die Einwohnerzahl auf 660289. Mit 57,2 Prozent erreichten die
Ermittler zudem die höchste Aufklärungsquote seit 20 Jahren.
Auch Berlin und
Hamburg setzten Maßstäbe. In der Haupstadt - mit 3,3 Millionen Einwohner
zugleich die größte deutsche Metropole - wurden 509175 Straftaten erfasst
und damit so wenige wie seit 13 Jahren nicht mehr. In der Hansestadt - mit
1,7 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt - bedeuteten 244807
Straftaten einen neuen Tiefstand seit 21 Jahren.
München hat zwar
etwa doppelt so viele Einwohner wie Frankfurt, ist in Sachen Kriminalität
laut Statistik aber nur halb so belastet. 8700 Straftaten auf 100000
Einwohner sind ein Wert, an den keine andere deutsche Großstadt herankommt -
bei einer Aufklärungsquote von 60,4 Prozent. Geht es nach der Kölner Polizei,
ist die herausragende Position der Münchner jedoch in Gefahr. Die Domstadt,
in der rund 970000 Einwohner leben, will bis 2010 die sicherste deutsche
Millionenstadt werden. Aufhorchen ließen die Stuttgarter. Die
Kriminalitätsbelastung sank um 13 Prozent auf 9175 Fälle - den
zweitniedrigsten Wert nach München. Die Schwabenmetropole ist mit 61,6
Prozent sogar Spitzenreiter bei der Aufklärungsquote.
Besonders
auffällig sind die Rückgänge bei Ladendiebstählen (in Frankfurt minus 32,9
Prozent, in Hamburg minus 9,3 Prozent). Essen erreichte gar den niedrigsten
Stand seit 20 Jahren. In Frankfurt wurden fast ein Drittel weniger
Wohnungseinbrüche angezeigt, in Düsseldorf sank die Zahl dieser Delikte um
11,5 Prozent.
Gestiegen ist in
vielen Großstädten die Zahl der Körperverletzungen (plus 12 Prozent in Köln,
plus 8,8 Prozent in Hamburg, plus 8,5 Prozent in Bremen). Auch die hohe Zahl
jugendlicher Krimineller ist in einigen Städten nach wie vor Besorgnis
erregend. Während in Essen die Zahl der Rauschgiftdelikte um fast 18 Prozent
zurückging, befindet sich die Drogenkriminalität in Frankfurt nach
Polizeiangaben nach wie auf relativ hohem Niveau".
Für den
Kriminologen Egg lässt die Statistik viele Fragen offen. Sie sei ein
Werkzeug", das verschiedenen Interessen diene. Die, die mehr Polizei fordern,
finden Belege dafür, die, die Stellen abbauen wollen, ebenso." Das
Sicherheitsempfinden der Menschen in Deutschland könne man daran aber nicht
ablesen. Da wären bundesweite Bevölkerungsumfragen, wie es sie regional
schon in Jena und Bochum gegeben hat, sinnvoller."
Ohnehin müssten
sich die Statistiker im Jahr der Fußball- Weltmeisterschaft wieder auf einen
Anstieg der Straftaten einstellen. Darin sind sich laut Egg die
Sicherheitsexperten einig: Es wird mehr Taschendiebstähle, Raufereien und
Verkehrsdelikte in Verbindung mit Alkohol geben. Deswegen wird Deutschland
während der WM aber nicht zum Eldorado für Verbrecher."
Kriminalitätsbelastung in den zehn größten deutschen Städten
Stadt 2005 2004
Frankfurt: 17 213
18 117
Berlin: 15 002 15
928
Bremen: 14 966 15
781
Hamburg: 14 111 15
067
Düsseldorf: 14 035
14 484
Köln: 13 595 14
307
Dortmund: 12 145
12 822
Essen: 9 383 9 783
Stuttgart: 9 175
10 535
München: 8 700 9
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