15 July, 2008

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Die fetten Jahre - Mit dem Wohlstand wachsen die Bäuche der Chinesen

Peking (dpa) - Wir haben früher doch meist nur Gemüse und Reis oder Dampfnudeln gegessen", sagt die 62-jährige Zhang Li. Niemand hatte Geld. Einmal die Woche gab es ein bisschen Fleisch. Darauf haben sich alle gefreut." Heute isst ihr dreijähriger Enkelsohn täglich Fleisch. Er liebt Pizza oder frittierte Hühnerkeulen von Kentucky Fried Chicken. Mit dem wachsenden Wohlstand durch die Reform- und Öffnungspolitik seit 1978 haben auch in China die fetten Jahre begonnen. Mit dramatischen Folgen: 200 Millionen Chinesen stuft das Gesundheitsministerium als übergewichtig ein, davon 60 Millionen als fettleibig - fast doppelt so viel wie Anfang der 90er Jahre.

Übergewicht und daraus resultierende Herzkreislaufkrankheiten, die heute schon die häufigste Todesursache in China sind, entwickeln sich zu einem großen Gesundheitsproblem. Vor allem die kleinen Kaiser", wie die verwöhnten Einzelkinder der Ein-Kind-Politik genannt werden, gehen in die Breite. Wohlmeinende Eltern stopfen sie voll, weil gut genährte Kinder traditionell als Zeichen für Wohlstand und Gesundheit gelten. Viel sportliche Bewegung bekommen die Kinder aber nicht. Sie werden zur Schule gefahren, müssen von morgens bis abends über Büchern hocken. In ihrer Freizeit sitzen sie vor dem Fernseher oder Computer. Cola, Brause und andere süße Getränke ersetzen den Tee.

10 Millionen Kinder gelten nach chinesischen Erhebungen als fettleibig. Schanghai, die reichste Stadt Chinas, zählt mit 15 Prozent doppelt so viel fettleibige Grundschüler wie andere Städte. Der gesundheitliche Zustand der Schulkinder in China ist bei weitem nicht zufrieden stellend", klagt der Politiker und Diabetes-Experte Feng Shiliang, der gesetzlich mehr Sportunterricht festschreiben will.

Wir haben in zwei Jahrzehnten Wirtschaftsboom unsere nationale Stärke ausgebaut, aber die Gesundheit der Menschen - insbesondere der Kinder - ist schlechter geworden", sagt er. Waren Diabetes-Patienten früher meist alt und dünn, sind sie heute jung und dick. 20 Millionen Chinesen leiden bereits an der Zuckerkrankheit.

Wurden früher vor allem Getreide und Gemüse verzehrt, haben tierische Produkte sowie kalorienhaltiges und fettes Essen stark zugenommen. Der Fleischkonsum hat sich seit den 80er Jahren verdoppelt. Seit 1992 ist in zehn Jahren der Anteil der Übergewichtigen in den Städten von 21 Prozent auf 30 Prozent gestiegen, berichtet das Gesundheitsministerium. Die Nahrungsmittelindustrie, die Chinas Supermärkte füllt, hat ihren Umsatz in der Zeit auf 400 Milliarden Yuan vervierfachen können.

Aber nicht nur Fertignudelgerichte oder das Essen bei Fast-Food- Ketten aus den USA lassen die Chinesen dicker werden. Übermaß ist ebenfalls ein Problem, denn die traditionelle chinesische Küche ist keineswegs so gesund wie im Westen oft geglaubt. Viele Gerichte schwimmen nur so in Öl. In Fett gegarte Nudelstangen, Öl-Pfannkuchen, paniertes Fleisch und Gemüse sind sehr beliebt. Selbst Auberginen werden erst frittiert, dann in Fett gebraten und vor dem Servieren noch einmal mit Öl übergossen. Ohne Öl lässt sich schlecht kochen und schmeckt das Essen nicht", heißt es in Chinas Küchen. Statt der empfohlenen 25 Gramm Pflanzenöl nimmt der Durchschnitts-Pekinger 83 Gramm zu sich.

Es mangelt häufig am Gesundheitsbewusstsein. 1,3 Milliarden Chinesen müssen sich nur 2000 Ernährungswissenschaftler teilen". Vier Millionen müssten es sein, wenn China ein ähnliches Niveau wie entwickelte Länder erreichen wollte. In zehn Jahren ist unterdessen auch die Zahl der Menschen, die unter Bluthochdruck leiden, stark gestiegen: um 70 auf 160 Millionen Chinesen. Kong Lingzhi vom Gesundheitsministerium in Peking warnt über die amtlichen Medien: Zu viel Zucker und Fettaufnahme und zu wenig Sport sind die Ursachen dieser Krankheit." Jedes vierte Kind unter 15 Jahren leidet bereits unter Bluthochdruck.

Eine Chinesin mit einem dicken Schwimmreifen um die Taille hält sich an einem Strand im Ferienzentrum in Beidahe rund 300 Kilometer östlich von Peking an der Hand ihres übergewichtigen Sohnes fest.

200 Millionen Chinesen stuft das Gesundheitsministerium als übergewichtig ein, davon 60 Millionen als fettleibig - fast doppelt so viel wie Anfang der 90er Jahre.

 

 

Last modified on:01/14/2008

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