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Von Hilmar Bahr, dpa
München (dpa) - Als Kommissar
Haferkamp hat Hansjörg Felmy Tatort"-Geschichte geschrieben. Sein von ihm
lange vor Colombo" erfundener zerknautschter Mantel, seine geschiedene
TV-Frau Karin Eickelbaum und seine Bouletten verschafften ihm schnell einen
Kultstatus und machten ihn unvergessen unter seinen Krimi-Kollegen. Er war
seinerzeit der beliebteste und bestbezahlte Fernsehpolizist. Dem
Sympathieträger Haferkamp alias Felmy, der am 31. Januar seinen 75.
Geburtstag feierte, verziehen die Zuschauer sogar seine Muffigkeit als Teil
seines herzlich rauen Charakters.
Dennoch denkt der Charmeur mit dem Knittergesicht" nicht mit Wehmut an diese
TV-Zeit, die er in der Vorabendserie Hagedorns Tochter" als gebrochener
Witwer und Hamburger Gewürzhändler vor einigen Jahren beendete. Es war
richtig aufzuhören." Von den 20 Tatort"-Stücken waren Felmy zufolge zwölf
echte Klasse", fünf gut und drei akzeptabel. Doch später wurden die Drehtage
immer weniger, und darunter litt - neben den nicht mehr so guten Büchern -
auch die Qualität." Im Moment habe er sowieso andere Sorgen - zumal es
derzeit nichts gibt, was mich vom Hocker reißt".
So
verbringt Felmy nach seinen Worten viel Zeit damit, sich wieder aufzupäppeln".
Nach Lenden- und Brustwirbelbrüchen mache er täglich Übungen in 33 Grad
warmen Wasser, um die Muskulatur zu stärken. An Theaterspielen ist natürlich
nicht mehr zu denken." Film und Fernsehen habe er zwar noch nicht
abgeschlossen, schränkte aber ein: Der Star muss das Drehbuch sein, doch
daran hapert es meistens." Heute heiße es nur noch Action, Action, Action.
Das finde ich langweilig." Das kaputte Kreuz lasse sich zwar nicht mehr
reparieren. Aber es geht mir sehr gut in meinem Rentnerdasein", sagt Felmy.
Ich mache nur noch, was Hand und Fuß hat, und wenn ich nichts Entsprechendes
angeboten bekomme, dann bin ich lieber Privatier", sagt der Sohn eines
Berliner Fliegergenerals der dpa. Schon als Pennäler hatte er seinen eigenen
Kopf und nach einem Streit mit seinem Lehrer vorzeitig das Gymnasium
verlassen. Ich bin zwar immer noch zu jeder Schandtat bereit, aber es gibt
nichts, was mich interessieren könnte", sagt der Thomas-Mann-Liebhaber, der
mit seiner Filmrolle in den Buddenbrooks" 1959 fast über Nacht bekannt wurde
und für seine Darstellung sogar Lob von Erika Mann bekam.
Drei Jahre zuvor hatte ihn Alfred Weidemann in Der Stern von Afrika" für den
Film entdeckt. Seinen größten Erfolg hatte Felmy, der in zweiter Ehe mit der
Schauspielerin Claudia Wedekind verheiratet ist, in der Kurt-Hoffmann-Satire
Wir Wunderkinder". Mit der Filmkrise in den 60er Jahren verblasste auch der
Stern vom jugendlichen Helden und anständigen Deutschen am Kinohimmel.
Verpassten Gelegenheiten trauert der Leinwandliebling der späten
Wirtschaftswunderjahre jedoch nicht nach. Damals galt der Filmsohn von Hans
Albers (Der Greifer") und Prototyp des anständigen Deutschen als möglicher
Hollywood-Export. Aber dann musst du immer dort sein. Und selbst dann bist
du als Deutscher höchstens zweites Rad am Wagen."
Neben einigen Edgar-Wallace-Filmen zum Geldverdienen war es nun das
Fernsehen, das ihn forderte. Dabei war es vor allem eine Figur, mit der er
bis heute identifiziert wird: die Rolle des Kommissars Haferkamp. Bis 1980
spielte er den nachdenklichen, gelegentlich muffeligen Tatort"-Ermittler.
Früher als andere erkannte Felmy jedoch die Gefahr, dass sich ein Gesicht
schnell abnutzen kann. Früher sagten die Leute auf der Straße noch, ,Herr
Felmy' zu mir, später hieß ich dann ,Haferkamp' und zum Schluss oft nur noch
,Herr Kommissar' - da denkt man schon ans Aufhören." Seinen Geburtstag
feierte Felmy weit weg von seinem oberbayerischen Zuhause. Wir hauen für
vier Tage ab und das Telefon wird abgestellt." |