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Miami (dpa/gms) - Alligator im
Garten" - immer wieder gibt es in Miami Meldungen wie diese. Eigentlich sind
aber die Menschen in den Lebensraum der Tiere eingedrungen.
Vor allem an der Ostküste des US-Bundesstaats Florida haben die einstigen
Everglades nur wenig Platz. Die Everglades sind die größte subtropische
Wildnis in den USA. Sie bedecken rund ein Sechstel Floridas. Fluss aus Gras"
wird die Landschaft auch genannt, denn das Gebiet ist ein Fluss, der vom
Lake Okeechobee bis an die Südspitze der Halbinsel reicht. Das Wasser ist
oft nur wenige Zentimeter tief. Selbst an der tiefsten Stelle sind es nur
etwa 90 Zentimeter. Der höchste Punkt der Everglades liegt lediglich 2,4
Meter über dem Meeresspiegel. Es scheint, als würde das Wasser stehen.
Tatsächlich aber fließt es mit einer Geschwindigkeit von nur wenigen hundert
Metern am Tag in Richtung Meer. Neben Alligatoren leben in der
Sumpflandschaft auch seltene Tierarten. Äußerst selten sieht man den
Florida-Panther durch die Graslandschaft streifen. Es gibt schätzungsweise
nur noch 100 Exemplare dieser nachtaktiven Tiere. Auch das Amerikanische
Krokodil kommt nicht mehr häufig vor. Dafür entdeckt man in Bäumen und
Sträuchern Flamingos, Pelikane, Kormorane und Waldstörche. Viele andere
Vögel machen in den Everglades Halt. Die Landschaft liegt auf der
Zugvogelroute von Süd- nach Nordamerika. Außerdem leben Schildkröten,
Schlangen, Schmetterlinge, Rehe und unendlich viele Mücken in dieser
riesigen Sumpflandschaft. Im Küstenbereich und an Flussmündungen schwimmen
Seekühe. Sie ernähren sich ausschließlich von Pflanzen.
Bei der Fahrt von Miami entlang des Tamiami Trails nach Westen fallen vor
allem die Mangrovenwälder auf. Mangroven profitieren von der
nährstoffreichen Mischung aus Süß- und Salzwasser an den Küsten. Lange
wurden die für die Küstenregion so typischen Wälder abgeholzt. Erst spät
erkannte man ihre wichtige Funktion für den natürlichen Kreislauf in den
Glades": Die abfallenden Blätter der Mangroven dienen als Nahrung für
Mikroorganismen. Diese sind Futter für Fische und Krebse - und Fische und
Krebse werden von Vögeln gefressen. Außerdem wachsen in den Everglades
farbenprächtige Orchideen, Pinien, Palmen und Sumpfzypressen.
Seit 1947 ist ein Teil der Everglades Nationalpark und damit geschützt. Es
gibt mehrere Besucherparks wie das Shark Valley Visitor Center, in denen
Touristen über Holzstege und Pfade durch die Landschaft schlendern oder mit
einer Tram 25 Kilometer auf der asphaltierten Parkstraße zu einem
Aussichtsturm fahren können. In einigen Zentren werden auch Fahrräder
verliehen, so dass Besucher auf eigene Faust durch den Nationalpark fahren
können.
In
den Swamps von Florida sind Alligatoren oft zu sehen. Die Tiere sind nicht
hinter Zäunen weggesperrt, sondern können sich frei bewegen. Vor allem im
Winter liegen deshalb oft Alligatoren zum Sonnen am Wegesrand. Das sei aber
nicht gefährlich, versichern die Ranger. Alligatoren scheuen den Kontakt zu
Menschen." Besucher werden aber ermahnt, Abstand zu allen Wildtieren zu
halten, sie nicht anzufassen und auch nicht zu füttern.
Außerhalb des geschützten Nationalparks gibt es Vergnügungsparks, in denen
Alligator-Shows und Propeller-Boot-Touren durch die Everglades angeboten
werden.
Im
Nationalpark selbst sind diese lauten Entdeckungsfahrten dagegen nicht
gestattet. Pflanzen und Tiere würden zu sehr darunter leiden. Inzwischen
wissen Behörden um die Bedeutung der Everglades. Deshalb gibt es jetzt ein
langfristig angelegtes Projekt, um die Zerstörung dieser einmaligen
Sumpf-Landschaft aufzuhalten und sie vor dem Austrocknen zu bewahren.
Umgerechnet insgesamt rund 6,1 Milliarden Euro werden investiert, damit die
Everglades wieder im natürlichen Rhythmus der Jahreszeiten überflutet werden
können und weiterhin Lebensraum für viele Tiere bieten. |