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Grand Rapids - Ein stimmungsvolles
Oktoberfest muss nicht zwingend im Oktober und auch nicht unbedingt in
München stattfinden. Das hat der Edelweiss-Club aus Grand Rapids am
vergangenen Wochenende wieder eindrucksvoll bewiesen. Zum 24. Mal, seit der
Gründung im Jahr 1981, veranstaltete der Club gemeinsam mit der Stadt am 23.
und 24. Juli das Germanfest" und lockte damit auch dieses Jahr an beiden
Tagen zahlreiche deutsche und internationale Gäste auf die Calder Plaza in
Downtown Grand Rapids. Unsere Mitglieder und die Stadt haben hervorragende
Unterstützung geleistet", freute sich Club-Präsident Ronald VanderTill.
In
der Tat hatte der Edelweiss-Club wieder eine Miniatur des großen Münchner
Vorbildes auf die Calder-Plaza gezaubert. Im großen Bierzelt prangte das
altbekannte Motto Ein Prosit der Gemütlichkeit", und die vielen Besucher
hatten sichtbar viel Freude an dem Gerstensaft aus deutscher Produktion. Auf
dem Speiseplan standen Bratwurst und Sauerkraut und im sogenannten Activity-Zelt"
zeigte Chefkoch Oliver interessierten Gästen die Zubereitung einiger
deutscher Spezialitäten wie Krautschupfnudeln. Bezahlen konnte man Speis und
Trank zum ersten Mal mit einer extra für das Germanfest" hergestellten
Währung. Die 40 000 Plastik-Euros hatte Bernie Siehling eigenhändig
ausgestanzt. Wir hatten schon so lange darüber geredet, da hab ich dieses
Jahr gedacht, jetzt mach ich es selber", erklärte Siehling, der als
Präsident zehn Jahre lang die Geschicke des Clubs geleitet hatte.
Neben dem leiblichen Wohl wurde aber auch Nahrung für den Geist geboten.
Wilhelm Seeger, Ph.D., Club-Mitglied seit den Anfangstagen und emeritierter
Professor für Germanistik an der Grand Valley State University, hielt am
Samstag einen Vortrag über deutsche Spuren in Grand Rapids und verband seine
Ausführungen gleich noch mit ein paar Sprachübungen. Dabei hätte Seeger
eigentlich Grund genug gehabt, der deutschen Sprache für immer den Rücken zu
kehren. Obwohl in Michigan geboren, konnte er bis zum Eintritt in die
Grundschule kein Englisch. Das war im Jahr 1942, und damals hatte Deutsch
als Feindsprache" wahrhaftig keinen guten Klang. Seeger blieb seinen Wurzeln
und der deutschen Sprache aber trotzdem treu, heiratete mit seiner Frau Mary
eine ebenfalls promovierte Germanistin und reist immer noch mehrmals im Jahr
nach Deutschland. Meine Lieblingsplätze sind Ettal bei Oberammergau,
Ettmannstal und das Schloss Hornberg direkt am Neckar", erzählte Seeger, und
der nächste Trip zu einem der Lieblingsziele steht auch schon im Herbst an.
Auf der Showbühne wechselten sich an beiden Tagen die Attraktionen ab. Der
Edelweiss-Club schickte sowohl seinen Chor als auch seine Tanzgruppe
mehrmals ins Geschehen. Zahlreiche Musikgruppen wie die Ein Prosit-Band" aus
Kalamazoo oder das Grand Rapids Accordion Ensemble rundeten das
Programm ab. Das Wetter war aber leider nicht mehr geeignet, um dem Fest
einen runden Abschluss zu bescheren. Am Samstag-Abend zogen dunkle Wolken
über der Calder-Plaza auf, und viele Besucher verließen das Fest vorzeitig.
In dieser Hinsicht ist das echte Oktoberfest wohl unschlagbar. Auch wenn das
Wetter dort mal schlecht sein sollte, die Leute bleiben trotzdem sitzen.
Schließlich kriegt man sonst ja auch keinen Platz mehr.
Timm Herre |