30 June, 2008

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Deutsche Mannschaft stellt die Weichen zur EM 2008:  Starkes 4:1 bei Härtetest in der Slowakei

Die deutschen Spieler Miroslav Klose (v.l.), Bernd Schneider und Bastian Schweinsteiger jubeln über den 1:4 Sieg gegen die Slowakei

Bratislava (dpa) - Das deutsche Fußball-Sommermärchen geht auch im Herbst munter weiter - und Joachim Löw führt glänzend Regie: Als der Bundestrainer am Donnerstag auf dem Charter-Flug aus Bratislava ins neblige Frankfurt den eindrucksvollen 4:1-Sieg gegen die Slowakei noch einmal Revue passieren ließ, tat er dies mit großem Stolz und tiefer innerer Befriedigung. Allein einige deutsche Krawallmacher auf den Rängen des Stadions Tehelné Pole" hatten am Vorabend einen Schatten auf eine Reifeprüfung von Mannschaft und Trainer geworfen, die Löw als nahezu perfekt" und imponierend" bewertete.

Wir haben einen wichtigen Schritt gemacht", sagte der 46-Jährige nach dem Ausbau seiner Erfolgsserie auf fünf Siege und 23:1 Tore sowie dem makellosen Neun-Punkte-Start in der EM-Qualifikation. Noch höher bewertete Löw aber die bestandene Nagelprobe in einer Partie in der Fremde: Wichtig war für uns, dass wir nach der WM den Beweis angetreten haben, auch auswärts eine Klasseleistung abzurufen."

Nur ein halbes Jahr ist es her, dass die junge deutsche Elf im letzten Auswärtsspiel gegen einen ernsthaften Gegner in Italien mit 1:4 unterging. Am 1. März lagen Ballack & Co in Florenz nach 39 Minuten hoffnungslos mit 0:3 zurück, dieses Mal führte Deutschland nach Toren von Lukas Podolski (13.), Michael Ballack (25.) und Bastian Schweinsteiger (36.) zum selben Zeitpunkt mit 3:0. Das 1:3 von Stanislav Varga (58.) und Podolskis (72.) schon siebter Treffer in der EM-Qualifikation waren nach der Pause lediglich Kosmetik.

Das war ein Klassenunterschied. Die Mannschaft hat sehr reif gewirkt und die Chancen eiskalt genutzt", urteilte Ballack über die beeindruckende Souveränität, mit der das von ihm gelenkte Team vor den 21000 staunenden Zuschauern auftrumpfte. Die Niederlage war nicht beschämend für uns, die Deutschen waren einfach besser. Sie haben glänzende Spieler und ein Team mit großer Perspektive", kommentierte der slowakische Trainer Dusan Galis tief beeindruckt. Tags drauf gab Galis trotz eines Vertrauenserklärung der slowakischen Akteure seinen Rücktritt bekannt. Die Nachfolge-Regelung ist offen.

Der deutsche Sieg war ein Meilenstein auf dem Weg zur EM-Endrunde 2008 in Österreich und der Schweiz, auch wenn gerade die etablierten Spieler das Wort von der Vorentscheidung vermieden. Man muss immer auf dem Teppich blieben. Es warten noch schwierige Aufgaben in Irland, in Wales und Tschechien", sagte Keeper Jens Lehmann, der beim Gegentor blöd" aussah, wie er selbst zugab. Im letzten Länderspiel des Jahres am 15. November in Zypern kann die DFB-Elf die spielfreien Tschechen (10 Punkte) vom ersten Platz der Gruppe D verdrängen.

Eine allerletzte Reifeprüfung als Nachfolger von Jürgen Klinsmann legte auch Löw ab. Eindrucksvoll gingen in Bratislava seine Planungen auf. Er hatte die Stammkräfte Lahm, Frings, Schneider und Klose beim 2:0 gegen Georgien geschont, ausgeruht kehrten sie zurück und sorgten für Stabilität und Spielfreude. Wir haben unsere Angriffe sehr schnell, sehr zielstrebig vorgetragen und auch die Tore klasse herausgespielt. Das Spielerische war imponierend", kommentierte Löw.

Zwischen Thomas Hitzlsperger und Neuling Clemens Fritz hatte er beim Testlauf gegen Georgien einen Ausscheidungskampf um die offene Außenverteidiger-Position angesetzt - und den Bremer zum Sieger erklärt. Philipp Lahm wechselte zurück auf die linke Seite, und Fritz empfahl sich mit einer Klasseleistung" (Löw) als Option rechts in der Viererkette. Ich lass' mich überraschen, was jetzt kommt", sagte der 25-Jährige nach einer für ihn aufregenden Woche.

Schließlich hatte Löw dem 21-jährigen Podolski nach seiner Roten Karte sowie interner und externer Kritik Rückendeckung gegeben, der Münchner dankte es mit seinen Länderspiel-Toren 21 und 22. Ich hatte ihm gesagt, er sollte sich nicht verrückt machen lassen wegen der Kritik nach seiner Roten Karte", berichtete Löw, der einmal mehr über Podolskis Torabschluss, Zielstrebigkeit und sehr gute Technik" ins Schwärmen geriet. Podolski selbst äußerte sich sichtlich verärgert über das vermeintliche Krisengerede. Ich habe Spaß am Fußball. Was andere rein interpretieren, ist mir scheißegal", schimpfte er. Sogar Ballack bekam sein Fett weg für seine öffentlichen Ermahnungen: Wenn einer mit mir ein Problem hat, dann soll er zu mir kommen."

Löw wollte trotzdem nichts von einem Konflikt zwischen Kapitän und Ausnahmetalent wissen. Und Ballack beharrte auf seiner Ansicht, dass gerade die jungen Spieler weiter an sich arbeiten müssen. Sie müssen noch geführt und geschliffen werden." Denn nach dem Gala-Abend von Bratislava genügt ein Sieg in der Slowakei nicht mehr den Ansprüchen des Kapitäns: Argentinien, Brasilien, Italien sind größere Kaliber. Wenn wir dahin wollen, müssen wir uns weiterentwickeln."

Der Deutsche Bastian Schweinsteiger (r) kämpft gegen den Slowaken Peter Petras.

 

 

Last modified on:01/14/2008

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