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Von Andreas Landwehr
Peking (dpa) - Die vereinbarte
Übernahme des internationalen Ölunternehmens PetroKazakhstan ist ein
Durchbruch in der Strategie Chinas, sich weltweit Ölreserven zu sichern.
Chinesische Zeitungen feierten den Sieg" gegen die Konkurrenz aus Indien,
das ebenfalls nach Energiequellen suchen muss. Während das Milliardenvolk
vom Fahrrad auf Autos umsteigt, wächst der Durst des chinesischen Drachen:
Keine andere große Wirtschaft der Erde entwickelt sich so schnell. Bis 2020
soll sich das Bruttoinlandsprodukt des bevölkerungsreichsten Landes der Erde
vervierfachen. Der Ölverbrauch von heute 6,68 Millionen Barrel am Tag soll
sich in zwei Jahrzehnten auf 13 Millionen verdoppeln.
Die starke Energienachfrage aus China ist einer der Faktoren hinter dem
massiven Anstieg der Ölpreise weltweit. In den vergangenen drei Jahren trug
die Volksrepublik zu mehr als der Hälfte der zusätzlichen Nachfrage bei.
Seit China 1993 erstmals weniger Öl förderte als es verbrauchte, muss sich
das Riesenreich im Ausland umschauen. Der Fünfjahresplan gibt die
Marschrichtung vor: Mehr internationale Kooperation zur Erschließung von
Ölreserven vor allem mit Russland, im Nahen Osten, Nordafrika und Südamerika.
Chinesische Ölarbeiter und Manager sind heute im Sudan und in Iran genauso
wie in Kasachstan oder auch in Kanada, Venezuela oder Indonesien zu finden.
China muss 40 Prozent seines Ölbedarfs importieren, will aber nicht nur auf
dem Weltmarkt kaufen, sondern sich Ressourcen sichern. Ich kann nicht sagen,
dass wir eine umfassende Strategie haben. Es hängt eher alles davon ab, für
welches Unternehmen wir ein Angebot machen können", sagte Shan Weiguo vom
Forschungsinstitut der China National Petroleum Corporation (CNPC). Mit
PetroKazakhstan für 4,18 Milliarden US-Dollar ist CNPC nun die bislang
größte Übernahme eines ausländischen Unternehmens durch einen chinesischen
Konzern gelungen.
Tief sitzt die Angst vor einer Abhängigkeit von Versorgungswegen und Quellen,
die von der Supermacht USA kontrolliert werden könnten. Genauso gibt es
Misstrauen in den USA gegenüber den Expansionsplänen der Chinesen. Dabei
machen die gesamten chinesischen Reserven im Ausland bislang gerade mal ein
Zehntel von dem aus, was etwa ein multinationaler Ölkonzern wie BP
kontrolliert. Doch politischer Widerstand in den USA ließ erst vor drei
Wochen die Übernahme des US- Energiekonzerns Unocal durch den staatlichen
chinesischen Ölriesen CNOOC trotz des besseren Angebots scheitern.
Meist stößt China da vor, wo die USA wenig Einfluss haben, was auch
politisch Probleme aufwirft. Chinas größte Kooperation läuft mit Sudan,
dessen Regierung wegen schwerer Menschenrechtsverlet-zungen angeklagt ist,
aber im UN-Sicherheitsrat auf China setzt. Ähnlich Iran, dessen
Nuklearaktivitä---ten Misstrauen erwecken. China schloss im Oktober 2004 mit
Iran ein 25 Jahre laufendes Rahmenabkommen über Öl- und Gaslieferungen im
Wert von 70 bis 200 Milliarden US-Dollar.
Nicht zufällig tourt auch Venezuelas Ölminister Rafael Ramirez diese Woche
durch China. Angesichts der Spannungen mit Washington will das
lateinamerikanische Land seine Abhängigkeit von Lieferungen in die USA
reduzieren. Das weltweit fünftgrößte Ölförderland lieferte 2004 erst 12300
Barrel am Tag nach China - doch bis 2012 sollen es 300000 werden.
Konfliktträchtig sind auch umstrittene Ansprüche Chinas auf Ölvorkommen bei
den Stratly Inseln im Südchinesischen Meer. Und im Ostchinesischen Meer
droht der Territorialstreit mit Japan zu eskalieren, sobald japanische
Unternehmen Probebohrungen beginnen.
In
Zentralasien, wo die Präsenz der Amerikaner immer mehr auf politischen
Widerstand stößt, passt der Kauf von PetroKazakhstan perfekt in Chinas
wachsende Aktivitäten. Mit Kasachstan, wo das in Kanada gelistete
Unternehmen 12 Prozent der Ölproduktion kontrolliert, baut China bereits für
drei Milliarden US-Dollar eine Pipeline, deren erster Abschnitt nächstes
Jahr in Betrieb gehen soll. |