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Von Sonja Funke
Dubai/Frankfurt (dpa) - Das Emirat
Dubai will Investoren mit einer neuen Börse in den Wüstenstaat locken. Im
September soll der Handel an der Dubai International Financial Exchange (DIFX)
starten. Diese soll die bestehenden Lokalbörsen ablösen und die zeitliche
Handelslücke zwischen den Aktienmärkten in Asien und Europa schließen.
In
drei bis vier Jahren wollen wir die internationalste Börse der Welt sein,
gemessen an der Herkunft der Emittenten, nicht am Volumen", sagt Steffen
Schubert, Vorstandschef der DIFX und ehemaliger Chef der Münchener Börse.
Die Spannbreite der gelisteten Firmen soll von Indien bis Ägypten und von
der Türkei bis Südafrika reichen. Ich gehe davon aus, dass in drei bis vier
Jahren bis zu neunzig Prozent der gelisteten Unternehmen nicht aus den
Vereinigten Arabischen Emiraten stammen."
Aktienhändler Fidel Helmer von Hauck & Aufhäuser Privatbankiers sieht das
Vorhaben optimistisch: Das Finanzzentrum in Dubai könnte der Schlüssel der
arabischen Welt für den Eintritt in die internationalen Märkte werden." Für
internationale Investoren sei die Region um den Persischen Golf attraktiv.
Auf den Konten der Golfbewohner lagerten riesige Vermögen. Bislang waren die
Transaktionswege jedoch zu lang und die Abwicklung von Handelsgeschäften zu
kompliziert", sagt Helmer.
Auch die Deutsche Bank wird Makler an der DIFX. Die Börse in Dubai soll eine
Brücke zwischen dem Handel im Fernen Osten und in Europa schlagen", sagt
Jeffery Culpepper, Leiter des Aktiengeschäfts Mittlerer Osten und Nordafrika
bei der Deutschen Bank. Er hoffe auf mindestens eine, möglicherweise sogar
mehrere Neuemissionen am ersten Handelstag.
Börsenchef Schubert erwartet, dass in den ersten sechs bis zwölf Monaten
fünf bis zehn Unternehmen an den Markt kommen. Aus Deutschland hätten
bereits zwei Unternehmen Interesse bekundet, die in der Region aktiv seien
und deren Börsengänge bis zum Jahr 2007 zu erwarten seien. Auch Unternehmen
aus Europa seien an einem Listing interessiert. Das Emissionsvolumen
einzelner Unternehmen, die Interesse bekundet hätten, betrage bis zu einer
Milliarde Dollar.
Die Zulassungsbedingungen der Emittenten orientieren sich an den Regularien
der Börsen in London, New York und Frankfurt. Transparenz und
Professionalität werde ebenso großgeschrieben wie anderswo. Die Compliance-Regeln
in Dubai werden dem Standard der führenden Börsen der Welt entsprechen",
sagt Culpepper. Etwa 50 Mitarbeiter des Frankfurter Bankhauses sollen im
Finanzbezirk Dubai arbeiten, rund zehn Mitarbeiter direkt an der Börse DIFX.
Der Aktienindex der neuen Börse - deren Namen noch offen ist - soll alle
Branchen abbilden. DIFX-Chef Schubert sagt: Egal ob Industrie, Öl, Gas,
Tourismus - die Börse in Dubai bietet das komplette Spektrum für
breitangelegtes Interesse der Investoren." Auch Anleihen und später Derivate
sollen auf der Angebotsliste der DIFX stehen. Der europäische
Börsen-betreiber Euronext stellt die Handelsplattform. Gehandelt wird in
US-Dollar.
Deutsche Unternehmen bekunden zwar Interesse, üben sich aber in
Zurückhaltung: Obwohl Dubai etwa für die ThyssenKrupp AG als interessanter
Wachstumsmarkt gilt und der Industriekonzern bereits mehrere Großaufträge
aus dem arabischen Emirat erhalten hat, ist es nach Auskunft des
Unternehmens noch viel zu früh", um an ein Zweitlisting der Aktie zudenken.
Für Siemens ist Dubai zwar ein interessanter Markt", ein Listing dort sei
aber kein Thema", sagt ein Siemens-Sprecher. Auch für den Maschinenbauer MAN
besteht grundsätzlich kein Bedarf, an einem weiteren Börsenplatz außerhalb
Deutschlands gelistet zu sein. |