|
Berlin (dpa) - Diabetes und
Demenzerkrankungen werden nach einer Experten-Umfrage des Berliner
Universitätsklinikums Charité die häufigsten Krankheiten der Zukunft sein.
Das teilte der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) in Berlin
mit. Viele rechnen in den nächsten zwölf Jahren mit einem therapeutischen
Durchbruch.
Krebs könnte dagegen auf Grund besserer Therapien eine geringere Rolle bei
den Todesursachen spielen. Für die Untersuchung hat das Charité-Institut für
Sozialmedizin im Auftrag des VFA 100 Expertern aus Industrie, Hochschulen
und Forschungseinrichtungen befragt.
Die Hauptursachen für die prognostizierte Häufung von Diabetes und Demenz
sehen die interviewten Mediziner in fehlerhafter Ernährung, Übergewicht und
dem Altersanstieg der Bevölkerung.
Altersdiabetes wird sich nach Meinung von 69 Prozent der Experten in den
kommenden 10 Jahren sogar zur häufigsten Todesursache entwickeln, gefolgt
von Herzmuskelschwäche (49 Prozent) und Schlaganfall (48 Prozent).
Heute zählen nach VFA-Angaben noch Herz-Kreislauf und Krebserkrankungen zu
den größten Volkskrankheiten. Bei Frauen rechnen 63 Prozent der befragten
Experten allerdings auch in Zukunft mit einer Zunahme von Lungenkrebs-Fällen.
Grund dafür sei, dass auch Frauen verstärkt rauchten.
Die Zuckerkrankheit wird nach Einschätzung der befragten Forscher mit ihren
Folgen wie Nierenschäden, Augenproblemen und Amputationen einen erheblichen
Kostenfaktor für die Sozialversiche-rungs-Systeme darstellen. Die Experten
rechnen mit rund 350000 Neuerkrankungen im Jahr. Heute leiden bereits
schätzungsweise 6 Millionen Menschen an Diabetes.
Die größten Therapiefortschritte erwarten die Experten in den kommenden fünf
Jahren bei Krebs- und Herzerkrankungen. Bei Alzheimer rechnen zwei Drittel
der befragten Mediziner in den nächsten zwölf Jahren sogar mit einem
therapeutischen Durchbruch. Nach Meinung von Dieter Götte, Leiter der
Arzneimittelsparte des Konzerns Sanofi- Aventis, zählen vorbeugende
Impfungen zu viel versprechenden Forschungsansätzen.
Auf dem Vormarsch sind nach Einschätzung der 100 Experten aber auch
Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Hepatitis B oder Malaria. Zu den
Gründen für den Anstieg zählen Migration und Fernreisen. Auch bei Aids
fürchten die Ärzte wegen mangelnder Prävention wieder steigende Fallzahlen.
Dass Kinderkrankheiten wie Masern, Röteln oder Mumps wieder häufiger
vorkommen könnten als früher, begründen die Experten mit einer anhaltenden
Impfmüdigkeit der Eltern. Die befragten Mediziner rekrutierten sich zu einem
Drittel aus der Industrie, zwei Drittel der Befragten kamen aus Hochschulen
und Forschungseinrichtungen. |