30 June, 2008

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Deutschland zum 3. Mal WM-Dritter

Wir gratulieren..." Bundespräsident Horst Köhler (l.) und Kanzlerin Angela Merkel (2.v.r.) nach dem Spiel.

Stuttgart (dpa) - Fußball-Deutschland hat die WM bei einer stimmungsvollen Abschiedsparty als Nummer drei der Welt abgeschlossen. Ein entfesselter Bastian Schweinsteiger führte die Gastgeber am Samstagabend im Platzierungsspiel in Stuttgart mit seinem zweiten Doppelpack im DFB-Trikot zum 3:1 (0:0)-Sieg gegen Portugal, mit dem Deutschland zum dritten Mal nach 1934 und 1970 eine WM auf Rang drei beendete. Der Münchner traf vor 52000 Zuschauern in der 56. und 78. Minute mit knallharten Fernschüssen, dazu lenkte der Portugiese Petit (61.) einen Schweinsteiger-Freistoß ins eigene Tor. Zwei Minuten vor Schluss verkürzte Nuno Gomes auf 1:3.

Der von den Fans mit begeisterten Klinsmann"-Sprechchören gefeierte Bundestrainer umarmte nach dem Happy End sichtlich gerührt alle Betreuer und Spieler. Anschließend erhielten die Akteure aus den Händen von Bundespräsident Horst Köhler und Angela Merkel ihre Bronzemedaillen. Als besondere Geste umarmte die Bundeskanzlerin den 41-jährigen Klinsmann und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. Ein Superspiel. Eine unglaubliche Leistung der deutschen Mannschaft. Das war kein Loser-Finale", sagte die Regierungschefin.

Mit dem verdienten Sieg zum Abschluss heizte die Mannschaft die Stimmung für die große Party am Sonntagmittag auf der Fanmeile in Berlin noch einmal kräftig an. Ein Titel ist dem deutschen Team zudem praktisch sicher: Mit fünf Treffern dürfte Miroslav Klose die Torjägerkrone schon vor dem Finale zwischen Italien und Frankreich am Sonntag in Berlin nicht mehr zu nehmen sein.

Von Enttäuschung über den Halbfinal-K.o. gegen Italien war bei der Rückkehr in die Heimatstadt des Bundestrainers nichts mehr zu spüren. Dabei könnte das 34. Länderspiel zugleich Klinsmanns letztes gewesen sein. Nach ihrem knapp vierwöchigen Triumphzug durch die WM-Stadien in München, Dortmund und Berlin gelang es der radikal umformierten deutschen Mannschaft beim letzten Auftritt, die Anhängerschaft noch einmal mit erfrischendem Offensivfußball mitzureißen.

Zum Matchwinner für das deutsche Team wurde ausgerechnet Schweinsteiger, von dem 55 Minuten lang so gut wie nichts zu sehen gewesen war. Doch dann brachte er die Klinsmänner" mit zwei knallharten Schüssen, die wie eine Kopie waren, auf die Siegerstraße.

Dabei waren die Voraussetzungen für ein gutes Spiel alles andere als günstig, denn die Liste der Ausfälle mit Kapitän Michael Ballack, Arne Friedrich, Per Mertesacker und Tim Borowski wurde kurz vor Beginn der Partie um Robert Huth erweitert. Der England-Legionär, der Mertesacker ersetzen sollte, verletzte sich beim Warmmachen und musste seinen Platz in der Innenverteidigung an Jens Nowotny abtreten. Der Leverkusener WM-Debütant machte seine Sache im Deckungszentrum aber ebenso gut wie der Gladbacher Marcell Jansen, der es bei seinem Turnier-Einstand auf der linken Abwehrseite meist mit Cristiano Ronaldo zu tun hatte. Einzig Philipp Lahm fühlte sich auf der ungewohnten rechten Seite sichtlich unwohl.

Doch obwohl mit Christoph Metzelder in der Defensivabteilung nur eine Stammkraft übrig geblieben war, hatte Oliver Kahn, der die Mannschaft an Stelle von Ballack als Kapitän aufs Feld führte, in seinem 86. und womöglich letzten Länderspiel nur wenige Gelegenheiten sich auszuzeichnen. Glänzend auf dem Posten war der 37-Jährige, als die Abwehr Pauleta einen Moment lang aus den Augen ließ (15.). Im übrigen unterstrichen die überraschend ohne Luis Figo beginnenden Portugiesen, dass ihnen die Durchschlagskraft im Abschluss fehlt. Der Alt-Star wurde erst kurz vor Schluss zu seinem Abschieds-Länderspiel eingewechselt und schlug die Flanke zum Anschlusstor.

Als großer Gewinn erwies sich die Rückkehr von Torsten Frings ins Mittelfeld. Der im Halbfinale gesperrte Bremer war in einer von beiden Teams mit viel Tempo und großem Einsatz geführten Partie ein unermüdlicher Ankurbler. Ihm kaum nach stand Sebastian Kehl, der jede Gelegenheit nutzte, um sich in die Offensive einzuschalten und dabei auch den Abschluss suchte. Lukas Podolski wurde dagegen der Auszeichnung als bester junger Spieler des Turniers diesmal nicht gerecht. Klose war häufig nur durch Fouls zu stoppen, letztlich aber bei allem Engagement ohne Schussglück. Nach 65 Minuten machte der Bremer für Oliver Neuville Platz. Am Ende kamen auch noch Mike Hanke und Thomas Hitzlsperger zu ihrem WM-Einstand.

Wie schon drei Mal im Turnier winkte auch gegen die Portugiesen beim Schuss von Kehl (5.) ein deutscher Blitzstart, doch Nuno Valente lenkte den Ball unter Zuhilfenahme des linken Armes zur Ecke. Eine Viertelstunde später lenkte Torhüter Ricardo einen Heber des stark beginnenden Dortmunders mit den Fingerspitzen über die Latte. Elf Minuten nach Wiederbeginn sorgte ein Flatterball" von Schweinsteiger für die beruhigende Führung der deutschen Elf, die nicht mehr so viel Souveränität ausstrahlte wie zuvor. Der Münchner zog aus 25 Metern ab und erwischte Ricardo dabei auf dem falschen Fuß. Wenig später war der 21-Jährige mit einem knallharten Freistoß, den Petit ins eigene Tor abfälschte, auch Wegbereiter des 2:0. Im direkten Gegenzug verhinderte Kahn mit einer tollen Parade gegen Deco das drohende schnelle Anschlusstor, ehe wiederum Schweinsteiger Maß nahm.

Schweini": Groß ist der Jubel nach seinem 3:0 Treffer

Sebastian Kehl (r.) sagt Fernando Meira die Meinung.

 

 

Last modified on:01/14/2008

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