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Stuttgart
(dpa) - Fußball-Deutschland hat die WM bei einer stimmungsvollen
Abschiedsparty als Nummer drei der Welt abgeschlossen. Ein entfesselter
Bastian Schweinsteiger führte die Gastgeber am Samstagabend im
Platzierungsspiel in Stuttgart mit seinem zweiten Doppelpack im DFB-Trikot
zum 3:1 (0:0)-Sieg gegen Portugal, mit dem Deutschland zum dritten Mal nach
1934 und 1970 eine WM auf Rang drei beendete. Der Münchner traf vor 52000
Zuschauern in der 56. und 78. Minute mit knallharten Fernschüssen, dazu
lenkte der Portugiese Petit (61.) einen Schweinsteiger-Freistoß ins eigene
Tor. Zwei Minuten vor Schluss verkürzte Nuno Gomes auf 1:3.
Der von den Fans
mit begeisterten Klinsmann"-Sprechchören gefeierte Bundestrainer umarmte
nach dem Happy End sichtlich gerührt alle Betreuer und Spieler. Anschließend
erhielten die Akteure aus den Händen von Bundespräsident Horst Köhler und
Angela Merkel ihre Bronzemedaillen. Als besondere Geste umarmte die
Bundeskanzlerin den 41-jährigen Klinsmann und drückte ihm einen Kuss auf die
Wange. Ein Superspiel. Eine unglaubliche Leistung der deutschen Mannschaft.
Das war kein Loser-Finale", sagte die Regierungschefin.
Mit dem verdienten
Sieg zum Abschluss heizte die Mannschaft die Stimmung für die große Party am
Sonntagmittag auf der Fanmeile in Berlin noch einmal kräftig an. Ein Titel
ist dem deutschen Team zudem praktisch sicher: Mit fünf Treffern dürfte
Miroslav Klose die Torjägerkrone schon vor dem Finale zwischen Italien und
Frankreich am Sonntag in Berlin nicht mehr zu nehmen sein.
Von Enttäuschung
über den Halbfinal-K.o. gegen Italien war bei der Rückkehr in die
Heimatstadt des Bundestrainers nichts mehr zu spüren. Dabei könnte das 34.
Länderspiel zugleich Klinsmanns letztes gewesen sein. Nach ihrem knapp
vierwöchigen Triumphzug durch die WM-Stadien in München, Dortmund und Berlin
gelang es der radikal umformierten deutschen Mannschaft beim letzten
Auftritt, die Anhängerschaft noch einmal mit erfrischendem Offensivfußball
mitzureißen.
Zum Matchwinner
für das deutsche Team wurde ausgerechnet Schweinsteiger, von dem 55 Minuten
lang so gut wie nichts zu sehen gewesen war. Doch dann brachte er die
Klinsmänner" mit zwei knallharten Schüssen, die wie eine Kopie waren, auf
die Siegerstraße.
Dabei waren die
Voraussetzungen für ein gutes Spiel alles andere als günstig, denn die Liste
der Ausfälle mit Kapitän Michael Ballack, Arne Friedrich, Per Mertesacker
und Tim Borowski wurde kurz vor Beginn der Partie um Robert Huth erweitert.
Der England-Legionär, der Mertesacker ersetzen sollte, verletzte sich beim
Warmmachen und musste seinen Platz in der Innenverteidigung an Jens Nowotny
abtreten. Der Leverkusener WM-Debütant machte seine Sache im Deckungszentrum
aber ebenso gut wie der Gladbacher Marcell Jansen, der es bei seinem
Turnier-Einstand auf der linken Abwehrseite meist mit Cristiano Ronaldo zu
tun hatte. Einzig Philipp Lahm fühlte sich auf der ungewohnten rechten Seite
sichtlich unwohl.
Doch obwohl mit
Christoph Metzelder in der Defensivabteilung nur eine Stammkraft übrig
geblieben war, hatte Oliver Kahn, der die Mannschaft an Stelle von Ballack
als Kapitän aufs Feld führte, in seinem 86. und womöglich letzten
Länderspiel nur wenige Gelegenheiten sich auszuzeichnen. Glänzend auf dem
Posten war der 37-Jährige, als die Abwehr Pauleta einen Moment lang aus den
Augen ließ (15.). Im übrigen unterstrichen die überraschend ohne Luis Figo
beginnenden Portugiesen, dass ihnen die Durchschlagskraft im Abschluss fehlt.
Der Alt-Star wurde erst kurz vor Schluss zu seinem Abschieds-Länderspiel
eingewechselt und schlug die Flanke zum Anschlusstor.
Als großer Gewinn
erwies sich die Rückkehr von Torsten Frings ins Mittelfeld. Der im
Halbfinale gesperrte Bremer war in einer von beiden Teams mit viel Tempo und
großem Einsatz geführten Partie ein unermüdlicher Ankurbler. Ihm kaum nach
stand Sebastian Kehl, der jede Gelegenheit nutzte, um sich in die Offensive
einzuschalten und dabei auch den Abschluss suchte. Lukas Podolski wurde
dagegen der Auszeichnung als bester junger Spieler des Turniers diesmal
nicht gerecht. Klose war häufig nur durch Fouls zu stoppen, letztlich aber
bei allem Engagement ohne Schussglück. Nach 65 Minuten machte der Bremer für
Oliver Neuville Platz. Am Ende kamen auch noch Mike Hanke und Thomas
Hitzlsperger zu ihrem WM-Einstand.
Wie schon drei Mal
im Turnier winkte auch gegen die Portugiesen beim Schuss von Kehl (5.) ein
deutscher Blitzstart, doch Nuno Valente lenkte den Ball unter Zuhilfenahme
des linken Armes zur Ecke. Eine Viertelstunde später lenkte Torhüter Ricardo
einen Heber des stark beginnenden Dortmunders mit den Fingerspitzen über die
Latte. Elf Minuten nach Wiederbeginn sorgte ein Flatterball" von
Schweinsteiger für die beruhigende Führung der deutschen Elf, die nicht mehr
so viel Souveränität ausstrahlte wie zuvor. Der Münchner zog aus 25 Metern
ab und erwischte Ricardo dabei auf dem falschen Fuß. Wenig später war der
21-Jährige mit einem knallharten Freistoß, den Petit ins eigene Tor
abfälschte, auch Wegbereiter des 2:0. Im direkten Gegenzug verhinderte Kahn
mit einer tollen Parade gegen Deco das drohende schnelle Anschlusstor, ehe
wiederum Schweinsteiger Maß nahm. |