30 June, 2008

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Dauerfrost als Markenzeichen: Haidmühle lebt von der Kälte

Haidmühle (dpa) - Martina Saliger ist einfach nur glücklich. Der glitzernde Schnee, der stahlblaue Himmel, dazu die herrliche Umgebung des Bayerischen Waldes, was will ich mehr", begeistert sich die 47- Jährige. Sie ist zusammen mit ihrem Mann für ein paar Tage aus dem fränkischen Allersberg zum Ausspannen in den Wintersportort Haidmühle an der bayerisch-tschechischen Grenze gefahren. Als sie losfuhren, wussten sie freilich noch nicht, dass sie sich für einen Kurztrip in Deutschlands derzeit kältester bewohnter Ecke entschieden hatten. Mit minus 29,1 Grad erlebte das 1500-Einwohner-Dorf am Dienstagmorgen den bisher niedrigsten Wert in diesem Jahr. Und im Eisschrank" der Deutschen sind sie froh darüber.

Kälte sind die Bewohner und Gäste des staatlich anerkannten Erholungsortes gewöhnt. Bei uns entspringt die Kalte Moldau", klärt Haidmühles Bürgermeister Fritz Gibis auf, und die heißt nicht umsonst so." Der zwischen gut 800 und 1000 Meter hoch gelegene Ferienort mag es gern frostig, und so macht zumindest den Einheimischen die extreme Kälte nicht zu schaffen. Unsere Schulkinder gehen auch bei minus 20 Grad in der Pause regelmäßig ins Freie", sagt Rektor Erich Dorner. Wir schauen lediglich darauf, dass sie ihre Schneeanzüge anziehen und eine Kopfbedeckung tragen." Die Klassenzimmer seien warm eingeheizt.

Für Manuel Schrottenbaum aus der 3. Klasse sind zweistellige Minusgrade nichts Besonderes. Mir ist die Kälte egal", sagt der Neunjährige cool und freut sich schon, dass er und seine Freunde am nächsten Tag an der Schneeburg im Pausenhof weiterbauen dürfen. Nur Schneeballschlachten sind leider verboten."

Die Kälte ist das Markenzeichen von Haidmühle mit seinen dazugehörigen Ortsteilen Frauenberg und Bischofsreut. Wir haben 70 Kilometer gespurte Loipen, 34 Kilometer Winterwanderwege und drei Skilifte", preist Gerlinde Madl von der Tourismusverwaltung die Vorzüge der Bayerwald-Gemeinde an. Die über 1200 Gästebetten sind vor allem in der kalten Jahreszeit gut ausgelastet. 2005 wurden 116000 Übernachtungen gezählt.

Einen klangvollen Namen hat Haidmühle auch bei den Hundeschlittenfreunden. Zum jährlichen Internationalen Schlittenhunderennen kommen an die 150 Teilnehmer mit 1500 Huskies in den Ort. Dann haben wir mehr Hunde als Einwohner", scherzt Bürgermeister Gibis.

Grund für die große Kälte ist nach Angaben von Meteorologen die besondere geographische Lage des Wintersportortes in einer Senke. Die schwere kalte Luft fließt entlang der Hänge in die Senke ab und bildet einen Kaltluftsee", erklärt Martin Puchegger vom Wetterdienst Meteomedia.

Enzi Maier vom Hotel Haidmühler Hof kann dem strengen Frost ebenfalls nur Gutes abgewinnen. Wir leben von der Kälte", erläutert die Inhaberin des 70-Betten-Wellness-Hauses. Schneeschuhwandern, Langlaufkurse, Schnupperkurse mit Schlittenhunden - alles dreht sich bei uns um den Schnee." Und wenn bei knapp minus 30 Grad das Auto eines Gastes einmal nicht anspringt, ist der Hausmeister mit dem Starthilfekabel zur Stelle. Ihre Urlauber nähmen die Kapriolen des extrem kalten Winters gelassen, versichert die Hotelchefin am Mittag mit einem prüfenden Blick aufs Thermometer: Jetzt hat es immer noch minus 20 Grad."

Diese Minusgrade gelten in Haidmühle als gerade richtig für eine gemütliche Fahrt mit dem Pferdeschlitten. Im Witikohof, einem von der Diözese Passau getragenen behindertengerecht ausgebauten Hotel, werden nach dem Mittagessen die Vorbereitungen dafür getroffen. Wir statten unsere Rollstuhlfahrer mit warmen Decken und heißem Tee aus, und dann geht's ab im Pferdeschlitten in den Wald", erzählt Geschäftsführer Hermann Müller. Im Rollstuhl sitzen und bei klirrender Kälte Wintersport treiben schließen sich für den Hotelchef nicht aus. Was meinen Sie, welche Freude unsere Rollis beim Skikurs auf der Piste haben."

 

 

Last modified on:01/14/2008

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