|
Haidmühle
(dpa) - Martina Saliger ist einfach nur glücklich. Der glitzernde Schnee,
der stahlblaue Himmel, dazu die herrliche Umgebung des Bayerischen Waldes,
was will ich mehr", begeistert sich die 47- Jährige. Sie ist zusammen mit
ihrem Mann für ein paar Tage aus dem fränkischen Allersberg zum Ausspannen
in den Wintersportort Haidmühle an der bayerisch-tschechischen Grenze
gefahren. Als sie losfuhren, wussten sie freilich noch nicht, dass sie sich
für einen Kurztrip in Deutschlands derzeit kältester bewohnter Ecke
entschieden hatten. Mit minus 29,1 Grad erlebte das 1500-Einwohner-Dorf am
Dienstagmorgen den bisher niedrigsten Wert in diesem Jahr. Und im Eisschrank"
der Deutschen sind sie froh darüber.
Kälte sind die
Bewohner und Gäste des staatlich anerkannten Erholungsortes gewöhnt. Bei uns
entspringt die Kalte Moldau", klärt Haidmühles Bürgermeister Fritz Gibis
auf, und die heißt nicht umsonst so." Der zwischen gut 800 und 1000 Meter
hoch gelegene Ferienort mag es gern frostig, und so macht zumindest den
Einheimischen die extreme Kälte nicht zu schaffen. Unsere Schulkinder gehen
auch bei minus 20 Grad in der Pause regelmäßig ins Freie", sagt Rektor Erich
Dorner. Wir schauen lediglich darauf, dass sie ihre Schneeanzüge anziehen
und eine Kopfbedeckung tragen." Die Klassenzimmer seien warm eingeheizt.
Für Manuel
Schrottenbaum aus der 3. Klasse sind zweistellige Minusgrade nichts
Besonderes. Mir ist die Kälte egal", sagt der Neunjährige cool und freut
sich schon, dass er und seine Freunde am nächsten Tag an der Schneeburg im
Pausenhof weiterbauen dürfen. Nur Schneeballschlachten sind leider
verboten."
Die Kälte ist das
Markenzeichen von Haidmühle mit seinen dazugehörigen Ortsteilen Frauenberg
und Bischofsreut. Wir haben 70 Kilometer gespurte Loipen, 34 Kilometer
Winterwanderwege und drei Skilifte", preist Gerlinde Madl von der
Tourismusverwaltung die Vorzüge der Bayerwald-Gemeinde an. Die über 1200
Gästebetten sind vor allem in der kalten Jahreszeit gut ausgelastet. 2005
wurden 116000 Übernachtungen gezählt.
Einen klangvollen
Namen hat Haidmühle auch bei den Hundeschlittenfreunden. Zum jährlichen
Internationalen Schlittenhunderennen kommen an die 150 Teilnehmer mit 1500
Huskies in den Ort. Dann haben wir mehr Hunde als Einwohner", scherzt
Bürgermeister Gibis.
Grund für die
große Kälte ist nach Angaben von Meteorologen die besondere geographische
Lage des Wintersportortes in einer Senke. Die schwere kalte Luft fließt
entlang der Hänge in die Senke ab und bildet einen Kaltluftsee", erklärt
Martin Puchegger vom Wetterdienst Meteomedia.
Enzi Maier vom
Hotel Haidmühler Hof kann dem strengen Frost ebenfalls nur Gutes abgewinnen.
Wir leben von der Kälte", erläutert die Inhaberin des
70-Betten-Wellness-Hauses. Schneeschuhwandern, Langlaufkurse, Schnupperkurse
mit Schlittenhunden - alles dreht sich bei uns um den Schnee." Und wenn bei
knapp minus 30 Grad das Auto eines Gastes einmal nicht anspringt, ist der
Hausmeister mit dem Starthilfekabel zur Stelle. Ihre Urlauber nähmen die
Kapriolen des extrem kalten Winters gelassen, versichert die Hotelchefin am
Mittag mit einem prüfenden Blick aufs Thermometer: Jetzt hat es immer noch
minus 20 Grad."
Diese Minusgrade
gelten in Haidmühle als gerade richtig für eine gemütliche Fahrt mit dem
Pferdeschlitten. Im Witikohof, einem von der Diözese Passau getragenen
behindertengerecht ausgebauten Hotel, werden nach dem Mittagessen die
Vorbereitungen dafür getroffen. Wir statten unsere Rollstuhlfahrer mit
warmen Decken und heißem Tee aus, und dann geht's ab im Pferdeschlitten in
den Wald", erzählt Geschäftsführer Hermann Müller. Im Rollstuhl sitzen und
bei klirrender Kälte Wintersport treiben schließen sich für den Hotelchef
nicht aus. Was meinen Sie, welche Freude unsere Rollis beim Skikurs auf der
Piste haben." |