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Rotterdam (dpa) - Mit einer
furiosen Aufholjagd hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft einen
Fehlstart in die WM-Saison verhindert. Nach einer desolaten ersten Halbzeit
und einem 0:2- Rückstand erkämpfte das Team von Bundestrainer Jürgen
Klinsmann am Mittwoch in Rotterdam im Prestige-Duell gegen den Erzrivalen
Niederlande immerhin noch ein 2:2 (0:1). Nach dem Anschlusstor durch Michael
Ballack (49.) sorgte Joker" Gerald Asamoah (80.) für den glücklichen
Ausgleich. Zur Pause hätte es vor 45 500 Zuschauern im nicht ausverkauften
Stadion De Kuip" allerdings bereits 0:3 oder 0:4 stehen können. Der
überragende Arjen Robben (3./46.) bestrafte zwei von zahlreichen Schnitzern
der deutschen Seniorentruppe" mit den Rückkehrern Dietmar Hamann und
Christian Wörns, die lange Zeit ihre schwächste Leistung in Klinsmanns
Amtszeit bot.
Von jenem Schwung und jener Spielfreude, die das Klinsmann-Team noch während
des Confederations Cups ausgezeichnet hatten, war in Rotterdam nichts mehr
zu sehen. Vielmehr erinnerte der Auftritt der überraschend defensiv
aufgestellten Mannschaft häufig auf geradezu fatale Weise an jenen
statischen Fußball, der bei der EURO 2004 in Portugal mit der vorzeitigen
Heimreise bestraft worden war. Auch nominell ähnelte das mit einem
Altersdurchschnitt von fast 28 Jahren älteste deutsche Team in der Ära
Klinsmann dem aus Rudi Völlers Amtszeit, denn bis auf Per Mertesacker und
Miroslav Klose schickte der Bundestrainer jene Spieler auf den Rasen, die
bereits am 15. Juni 2004 in Porto beim 1:1 gegen den Erzrivalen mit von der
Partie waren.
Besonders im Blickpunkt standen dabei zwei Rückkehrer, die der Defensive
allerdings keine Stabilität verliehen und zu Verlierern des Abends wurden:
Hamann, erstmals seit Klinsmanns Amtsantritt wieder dabei, wirkte wie ein
Fremdkörper und brachte keine Impulse. Abwehr- Routinier Wörns leistete
unfreiwillig die Vorarbeit zum 0:1 und sah auch beim zweiten Tor schlecht
aus. Bernd Schneider unterstrich mit seiner Leistung gegen Robben erneut,
dass er auf der für ihn ungewohnten linken Abwehrseite überfordert ist.
Ballack war im Mittelfeld stets bemüht, die Fäden in die Hand zu bekommen,
blieb aber gegen das Talent Hedwiges Maduro ohne die ganz große Wirkung.
Immerhin stellte der Kapitän seine Torgefährlichkeit unter Beweis und
erzielte sein 29. Länderspiel-Tor. Die Abwesenheit des Kölners Lukas
Podolski konnten indes weder Klose noch Kevin Kuranyi nutzen, um für einen
Stammplatz Werbung in eigener Sache zu betreiben. Erst Klinsmanns
Einwechslung jüngerer Spieler im zweiten Durchgang wendete das Blatt.
Die deutsche Mannschaft hatte sich auf dem Platz kaum orientiert, da lag sie
bereits in Rückstand. Nach gerade einmal 2:47 Minuten nahm Robben eine zu
kurz geratene Kopfball-Abwehr von Wörns auf und zirkelte den Ball aus 15
Metern in den Winkel. Danach kam das Oranje"-Spiel erst richtig auf Touren,
und die Deutschen sahen ihren Gegenspielern meist staunend hinterher. Nach
einer Musterkombination mit Robben, der Schneider und Hamann stehen ließ,
verpasste Ruud van Nistelrooy (15.) frei vor Kahn das sicher scheinende 2:0.
Anschließend verhinderte die Latte bei einem Heber von Danny Landzaat (19.)
den frühen K.o.-Schlag für die DFB-Elf.
Auf der Gegenseite verlebte Edwin van der Sar, der vor der Partie für 100
Spiele im Tor der Oranjes" ausgezeichnet wurde, einen geruhsamen Abend. Denn
bis auf einen Kopfball von Ballack (21.) hatte die deutsche Mannschaft in
der Offensive lange Zeit nichts zu bieten. Nach 30-minütiger Konfusion
erkämpfte sich das Team zwar dank der Laufstärke von Ballack und Frings ein
optisches Gleichgewicht, doch spielerisch konnte es den Niederländern zu
keiner Phase das Wasser reichen. Dass es zur Pause nur 1:0 für die Gastgeber
stand, hatten die Klinsmänner" auch Dirk Kuijt zu verdanken, der seinen
Kopfball (35.) unbedrängt neben das Tor setzte.
Auf die schlechtesten 45 Minuten seiner Amtszeit reagierte Klinsmann mit den
Einwechslungen von Gerald Asamoah und Sebastian Deisler, doch schon 42
Sekunden nach Wiederbeginn warf ein weiterer Patzer von Wörns das Team noch
weiter zurück. Der Dortmunder griff Robben nicht energisch genug an und der
21-Jährige vom FC Chelsea traf aus halblinker Position zum 2:0. Doch diesmal
blieb die deutsche Mannschaft die Antwort nicht schuldig. Nach einem Eckball
war Ballack trotz Behinderung zum Anschlusstor erfolgreich und hielt die
Partie damit offen. Doch auf wessen Seite auch weiterhin die spielerischen
Vorteile lagen, zeigte der Slalomlauf von Robben (62.) durch die deutsche
Abwehr, dem nur die Krönung in Form des 3:1 versagt blieb. Eine
Energieleistung von Tim Borowski, der Asamoah das 2:2 auflegte, bescherte
dem DFB-Team dann den nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich. |