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Cottbus
(dpa) - Auf dem Platz vor der Stadthalle ging um 22.00 Uhr an den meisten
Ständen das Bier aus, in der noblen CB-Discothek machten die Aufstiegshelden
des FC Energie Cottbus bis in die frühen Morgenstunden die Nacht zum Tag:
Nach dem zweiten Fußball-Wunder" in der Lausitz floss der Alkohol in Strömen.
Wir feiern jetzt ohne Ende und werden eine Woche nicht rational denken,
zumindest wenn wir mit der Mannschaft zusammen sind", meinte Trainer Petrik
Sander Stunden nach dem Aufstiegs-Krimi und dem glanzvollen 3:1-Sieg seiner
Kicker über 1860 München. Wenn ich alles getrunken hätte, was mir an diesem
Abend angeboten wurde, dann wäre es mir wie Felix Magath gegangen, der bei
der Meisterparty der Bayern passen musste", räumte Sander ein.
In den Köpfen der
Team-Verantwortlichen werden aber seit Sonntag, 16:48 Uhr, der Glücksminute
mit dem erlösenden Abpfiff im Stadion der Freundschaft, schon die Weichen
für die kommende Saison in Deutschlands Eliteliga gestellt. Wenn die grauen
Zellen wieder klar sind, werden wir Nägel mit Köpfen machen. Das Korsett der
Mannschaft steht, jetzt müssen wir uns um das Fleisch drum herum kümmern",
sagte Präsident Michael Stein noch in Bierlaune. Spätestens am Mittwoch
werden nach einer Besprechung im engsten Führungs-Kreis die ersten Angebote
zu Vertragsverlängerungen rausgehen.
Acht Kontrakte
laufen mit Saisonende aus, darunter die von Abwehrchef Gregg Berhalter,
Vragel da Silva und Lars Jungnickel, die unbedingt gehalten werden sollen.
Ich denke, ich werde in Cottbus bleiben", deutete zumindest der Brasilianer
da Silva Gedanken über einen Verbleib an. Mit Urgestein Tomislav Piplica,
der als einziger im Team schon beim Aufstieg vor sechs Jahren dabei war,
Zoltan Szelesi und Tomasz Bandrowski hatten das Präsidium schon vor dem
Saisonende verlängert. Einen vom TV-Sender Premiere" verkündeter Abgang von
Steffen Baumgart nach Rostock wollte in Cottbus noch niemand bestätigen.
Denkbar aber scheint es schon, dass er wie auch Kenan Sahin oder Martin
Hysky kein neues Angebot erhält.
Es wird keinen
Umbruch geben, wie es hier früher jahrelang üblich war", kritisierte Sander
indirekt die Gebahren des alten Führungstrios mit Trainer Eduard Geyer,
Präsident Dieter Krein und Manager Klaus Stabach. Die haben damals zu sehr
auf Einzelkönner gesetzt. Bei uns steht das Team im Mittelpunkt", meinte der
seit knapp 18 Monaten amtierende Präsident Stein. Natürlich sind wir durch
die aufgeschobene Aufstiegsentscheidung etwas im Zeitverzug. Aber das war in
vergangenen Jahren auch nicht anders", sagt auch Verwaltungsratschef Ulrich
Lepsch. Mit allen verbleibenden Spielern muss nun auch über verbesserte
Konditionen verhandelt werden, da keiner der Altverträge die Klausel
Bundesliga" enthielt.
Konsequent soll
auch in Liga eins der eingeschlagene Sparkurs fortgesetzt werden, mit dem
der alten Schuldenberg von rund 4,5 Millionen Euro abgebaut werden soll. Ich
bin optimistisch, dass wir auch da oben bestehen können. Man erwartet gar
nichts von uns, das ist unsere Chance", sagte Sander und fügte hinzu: Wir
wollen Cottbus zum kleinen gallischen Dorf machen, das sich den Großen der
Branche entgegenstellt. Wir freuen uns auf die Bundesliga, und die
Bundesliga kann sich auf uns freuen". |