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Von Franz Smets, dpa
Cancun (dpa) - Knapp drei Monate
nachdem Hurrikan Wilma" zuschlug, blickt Mexikos Strandparadies Cancun
wieder zuversichtlich auf das Jahr 2006. In einer Discothek, in ein paar
Restaurants und an den Strandbars der wenigen Hotels, die der verheerende
Wirbelsturm im Oktober nicht so stark beschädigt hatte, werden schon wieder
Feste gefeiert. Für die Cancuner steht fest: Die 30 Jahre alte Stadt mit
über 120 Hotels hat den wohl stärksten Hurrikan ihrer Geschichte gut
überstanden.
Und die Zukunft sieht rosig aus. Denn jetzt fließen große Investitionen an
die mexikanische Karibikküste auf der Halbinsel Yucatan. Dem großen Unglück,
der Zerstörung dieser touristischen Prachtregion folgt ein neuer Boom.
Wir haben jetzt riesige Chancen", schwärmt Ana Mari Irabien von der Cancuner
Stadtregierung. Der Hurrikan hat unsere Stadt durchgefegt und gereinigt."
Vieles werde jetzt mit mehr Standfestigkeit gegen Wirbelstürme aufgebaut.
Neue Ampelanlagen zum Beispiel sollten auch Windgeschwindigkeiten von 350
Kilometers pro Stunde aushalten. Der Flughafen wird im großen Stil erweitert
- in der Erwartung, immer mehr Gäste zu empfangen.
Es
ist fantastisch, wie schnell alles hier wieder in Schuss kam", schwärmt auch
der Honorarkonsul Schwedens, Peter Leder. In vier Monaten werden wir ein
völlig neues Cancun haben", meint Leder, der vor über 20 Jahren als einer
der ersten Hoteldirektoren nach Cancun kam. Die gesamte Küste - auch die
Rivera Maya weiter südlich - sei eine Boomregion, trotz der Gefahren durch
Hurrikans. Die mexikanische Tourismusindustrie plane, die
Übernachtungska-pazität von derzeit 52000 auf rund 100000 Zimmer auszubauen.
Vor zweieinhalb Monaten war die Stimmung anders. Der Hurrikan Wilma" wütete
rund 60 Stunden mit Sturmgeschwindigkeiten von etwa 200 Stundenkilometern
über Cancun, und er zerstörte die gesamte Infrastruktur an der Küste. Die an
sich stabil und pyramidenförmig gebauten Hotelanlagen wurden mit wenigen
Ausnahmen schwer beschädigt. Die meisten müssen von Grund auf erneuert
werden. Nur ein Drittel der rund 27000 Zimmer in den Anlagen kann derzeit
genutzt werden. Viele Hotels geben an, sie wollten erst im Laufe des
kommenden Jahres wieder öffnen. Dann wird eine ganze Saison verloren sein
für die Stadt, nicht für die Hotels, meist spanische Hotelketten, denn sie
sind gegen die Ausfälle versichert.
Schätzungsweise sechs Millionen Tonnen Sand wurden ein Raub der riesigen
Wellen, die mehrere Tage gegen die Küste brandeten. Ab Januar sollen sie
zurück an die Strände zu Füßen der Hotels befördert werden. Ein riesiger
Bagger soll das erledigen, der schon von Dubai in Richtung Mexiko unterwegs
ist. Die Schäden an den der Küste vorgelagerten Riffs, ein Paradies für
Schnorchler und Taucher, sind noch nicht erfasst. Sie waren beim vorherigen
Wirbelsturm Emily" im Juli schon arg beschädigt und zum Teil wieder
repariert worden.
Auch die Stadt Cancun mit ihren über 600000 Einwohnern hat es schwer
getroffen. Sie stand an vielen Stellen unter Wasser, als der Sturm sich
verzog. Von den großen Einkaufszentren waren die Aluminiumdächer davon
geflogen, die großen Fensterfronten im Sturm zerborsten. Und es gab keine
Verbindung mehr zur Außenwelt.
Doch das Wasser floss wieder ab. Die umgestürzten Palmen wurden wieder
aufgerichtet. Dazu wurden tausende von Plantanen aus anderen tropischen
Ländern importiert und stehen jetzt an den Stränden. Sie säumen die Avenidas
und verzieren die Eingänge der nach und nach wieder zum Leben erwachenden
Hotels.
Die Spuren der Katastrophe sind aber noch an vielen Stellen sichtbar. An
manchen Häusern ersetzen Holzplatten zerbrochene Scheiben. Zu Füßen eines
hohen Wohnhauses liegen Millionen von kleinen Glassplittern. Hier hatte der
Sturm nicht nur die Fenster bersten lassen, sondern auch die ganze
Einrichtung landwärts aus dem Gebäude gepustet.
Das lokale Handwerk hat Hochsaison. Mehrere zehntausend geknickte Strom- und
Telefonmasten wurden von 3800 Spezialisten aus dem ganzen Land durch neue
ersetzt. Die Stromversorgung war im Oktober schon innerhalb weniger Tage
wieder da. Und der Tourismus, einer der wichtigsten Devisenbringer des
Landes, sollte rasch wieder funktionieren.
Nachts leuchtet die zerzauste Hotelzone am Meer in der Dunkelheit. Doch
hinter den hellen Fenstern wohnt noch niemand. Es ist eine potemkinsche Zone
am Strand der mexikanischen Karibik: sehr still, unheimlich und schön. |