06 October, 2008

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Cancun nach dem Hurrikan: Es wird schöner als je zuvor

Schon jetzt ist erkennbar, dass auf der 23 Kilometer langen Cancuner Düne zwischen Meer, Lagune und Mangroven eine moderne Hotelzone wiederersteht - schöner und prachtvoller als zuvor.

Von Franz Smets, dpa

Cancun (dpa) - Knapp drei Monate nachdem Hurrikan Wilma" zuschlug, blickt Mexikos Strandparadies Cancun wieder zuversichtlich auf das Jahr 2006. In einer Discothek, in ein paar Restaurants und an den Strandbars der wenigen Hotels, die der verheerende Wirbelsturm im Oktober nicht so stark beschädigt hatte, werden schon wieder Feste gefeiert. Für die Cancuner steht fest: Die 30 Jahre alte Stadt mit über 120 Hotels hat den wohl stärksten Hurrikan ihrer Geschichte gut überstanden.

Und die Zukunft sieht rosig aus. Denn jetzt fließen große Investitionen an die mexikanische Karibikküste auf der Halbinsel Yucatan. Dem großen Unglück, der Zerstörung dieser touristischen Prachtregion folgt ein neuer Boom.

Wir haben jetzt riesige Chancen", schwärmt Ana Mari Irabien von der Cancuner Stadtregierung. Der Hurrikan hat unsere Stadt durchgefegt und gereinigt." Vieles werde jetzt mit mehr Standfestigkeit gegen Wirbelstürme aufgebaut. Neue Ampelanlagen zum Beispiel sollten auch Windgeschwindigkeiten von 350 Kilometers pro Stunde aushalten. Der Flughafen wird im großen Stil erweitert - in der Erwartung, immer mehr Gäste zu empfangen.

Es ist fantastisch, wie schnell alles hier wieder in Schuss kam", schwärmt auch der Honorarkonsul Schwedens, Peter Leder. In vier Monaten werden wir ein völlig neues Cancun haben", meint Leder, der vor über 20 Jahren als einer der ersten Hoteldirektoren nach Cancun kam. Die gesamte Küste - auch die Rivera Maya weiter südlich - sei eine Boomregion, trotz der Gefahren durch Hurrikans. Die mexikanische Tourismusindustrie plane, die Übernachtungska-pazität von derzeit 52000 auf rund 100000 Zimmer auszubauen.

Vor zweieinhalb Monaten war die Stimmung anders. Der Hurrikan Wilma" wütete rund 60 Stunden mit Sturmgeschwindigkeiten von etwa 200 Stundenkilometern über Cancun, und er zerstörte die gesamte Infrastruktur an der Küste. Die an sich stabil und pyramidenförmig gebauten Hotelanlagen wurden mit wenigen Ausnahmen schwer beschädigt. Die meisten müssen von Grund auf erneuert werden. Nur ein Drittel der rund 27000 Zimmer in den Anlagen kann derzeit genutzt werden. Viele Hotels geben an, sie wollten erst im Laufe des kommenden Jahres wieder öffnen. Dann wird eine ganze Saison verloren sein für die Stadt, nicht für die Hotels, meist spanische Hotelketten, denn sie sind gegen die Ausfälle versichert.

Schätzungsweise sechs Millionen Tonnen Sand wurden ein Raub der riesigen Wellen, die mehrere Tage gegen die Küste brandeten. Ab Januar sollen sie zurück an die Strände zu Füßen der Hotels befördert werden. Ein riesiger Bagger soll das erledigen, der schon von Dubai in Richtung Mexiko unterwegs ist. Die Schäden an den der Küste vorgelagerten Riffs, ein Paradies für Schnorchler und Taucher, sind noch nicht erfasst. Sie waren beim vorherigen Wirbelsturm Emily" im Juli schon arg beschädigt und zum Teil wieder repariert worden.

Auch die Stadt Cancun mit ihren über 600000 Einwohnern hat es schwer getroffen. Sie stand an vielen Stellen unter Wasser, als der Sturm sich verzog. Von den großen Einkaufszentren waren die Aluminiumdächer davon geflogen, die großen Fensterfronten im Sturm zerborsten. Und es gab keine Verbindung mehr zur Außenwelt.

Doch das Wasser floss wieder ab. Die umgestürzten Palmen wurden wieder aufgerichtet. Dazu wurden tausende von Plantanen aus anderen tropischen Ländern importiert und stehen jetzt an den Stränden. Sie säumen die Avenidas und verzieren die Eingänge der nach und nach wieder zum Leben erwachenden Hotels.

Die Spuren der Katastrophe sind aber noch an vielen Stellen sichtbar. An manchen Häusern ersetzen Holzplatten zerbrochene Scheiben. Zu Füßen eines hohen Wohnhauses liegen Millionen von kleinen Glassplittern. Hier hatte der Sturm nicht nur die Fenster bersten lassen, sondern auch die ganze Einrichtung landwärts aus dem Gebäude gepustet.

Das lokale Handwerk hat Hochsaison. Mehrere zehntausend geknickte Strom- und Telefonmasten wurden von 3800 Spezialisten aus dem ganzen Land durch neue ersetzt. Die Stromversorgung war im Oktober schon innerhalb weniger Tage wieder da. Und der Tourismus, einer der wichtigsten Devisenbringer des Landes, sollte rasch wieder funktionieren.

Nachts leuchtet die zerzauste Hotelzone am Meer in der Dunkelheit. Doch hinter den hellen Fenstern wohnt noch niemand. Es ist eine potemkinsche Zone am Strand der mexikanischen Karibik: sehr still, unheimlich und schön.

 

 

Last modified on:07/07/2008

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