30 June, 2008

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Großer Zapfenstreich vor Reichstag - Keine Ruhe für die Bundeswehr

Mit Fackeln in den Händen stehen Bundeswehrsoldaten avor dem Reichstagsgebäude in Berlin. Mit einem Großen Zapfenstreich feiert die Bundeswehr ihren 50. Geburtstag.

Berlin (dpa) - Fackelträger und Trommler vor dem Reichstag - für die einen ein bewegender historischer Moment, für andere ein gruseliges Bild. Während sich Soldaten des Wachbataillons des Verteidigungsministeriums und zweier Musikkorps der Bundeswehr stolz zum Großen Zapfenstreich auf dem Platz der Republik aufreihten, kamen Mitglieder der Linkspartei und linker Gruppierungen zum Protestmarsch zusammen. Begegnet sind sich Soldaten und Demonstranten nicht. Denn am Mittwochabend in Berlin schützte die Bundeswehr nicht das Volk, sondern gemeinsam mit der Polizei ihre Soldaten vor Volksvertretern.

Die deutschen Streitkräfte sind in diesem Jahr 50 Jahre alt geworden und feiern ihre Geschichte unter dem Motto 50 Jahre entschieden für Frieden". Am Mittwoch würdigten nun der Bundestag und die NATO die Leistungen von Luftwaffe, Heer und Marine. Dabei nutzte NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer die Gelegenheit, sein großes Lob mit der Aufforderung zu noch mehr Engagement im Ausland zu verbinden, wo die Bundeswehr überwiegend hohe Anerkennung genießt.

Das war seine Antwort auf die Mahnung des scheidenden Verteidigungsministers Peter Struck (SPD) aus der vorigen Woche, wonach Deutschland seine Auslandseinsätze eindämmen müsse, weil die Grenzen der Belastbarkeit der Bundeswehr erreicht seien. Dem Vernehmen nach traf sich de Hoop Scheffer am Mittwoch bereits mit dem designierten Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU). Vor der Bundeswehr zog de Hoop Scheffer verbal den Hut. Chapeau", sagte er zum Schluss seiner Rede. Ruhe dürfte die Bundeswehr nicht bekommen.

Der neue Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) wollte zwar, wie er sagte, die Feierstimmung nicht gefährden, beschrieb aber dennoch scharf die Finanznöte der Bundeswehr. Dies konnte als Mahnung an Union und SPD verstanden werden, die Bundeswehr in einer großen Koalition von weiteren Kürzungen zu verschonen.

Die Bundeswehr bedankte sich für die Würdigung mit der größten Ehre, die das deutsche Militär jemandem erweisen kann: mit dem Großen Zapfenstreich. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik ist diese alte preußische Tradition vor dem Bundestag aufgeführt worden. Parlament und Armee wollen damit die demokratische Legitimierung jeglichen Einsatzes der Soldaten - gerade der schwierigen Krisenmissionen im Ausland - unter Beweis stellen.

Die scharfe Kritik der Linken können viele Abgeordnete und Offiziere nicht nachvollziehen. So sieht etwa das Berliner WASG- Landesvorstandsmitglied Frank Puskarev in dem zentralen Ritual der preußisch-deutschen Militärgeschichte ... Kadavergehorsam, Hurra- Patriotismus und Folgsamkeit im faschistischen Vernichtungsfeldzug".

Die Bundeswehr verhalte sich unpathetisch, sagt ein Offizier. Sie habe keine Militärparaden, sondern pflege nur einen kleinen Rest von Traditionen. Der Zapfenstreich bilde den Tagesabschluss und leite die Nachtruhe ein. Weil es dann dunkel sei, erleuchteten die Soldaten mit Fackeln den Platz für das feierliche Abendlied der Trommler und Flötisten. Das von König Friedrich Wilhelm III 1813 eingeführte Gebet wurde durch ein Musikstück ersetzt. Nur noch der Befehl Helm ab zum Gebet" wird vom Kommandeur gegeben. Danach wird getrommelt.

Der ehemalige Verteidigungsminister Rupert Scholz (CDU) sieht die Bundeswehr als eine wirkliche Armee des Volkes. Die große Konzeption vom Bürger in Uniform ist voll in die Tat umgesetzt worden."

Struck, selbst nicht gedient und nicht bekannt als begeisterter Anhänger militärischen Geräts oder Rituals, sagt: Der Zapfenstreich hat nichts mit den Nazis oder mit der Wehrmacht zu tun, sondern ist eine alte preußische Tradition". Struck wird bald aus seinem Amt verabschiedet - mit einem Großen Zapfenstreich.

 

 

Last modified on:01/14/2008

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