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München- Irgendwie kann man
verstehen, dass Manager Uli Hoeneß es langsam satt hat, jeden 1:0-Erfolg
seiner FC-Bayern-Kicker in den letzten Wochen - unter anderem in der
Champions League bei Rapid Wien und gegen Brügge - gegen die Gralshüter der
hohen Fußball-Kunst verteidigen zu müssen. Fakt ist: Kein anderer deutscher
Verein ist im internationalen Fußball-Geschäft auch nur annähernd so
erfolgreich und zuverlässig wie die mit zwei Auftaktsiegen stramm auf
Achtelfinalkurs steuernden Münchner - das haben die ersten Runden den Fans
und Experten wieder einmal vor Augen geführt.
Das graue Auswärts-Dress von Werder Bremen zur 1:2-Pleite bei Panathinaikos
Athen stand stellvertretend für die fußballerische Tristesse, die
Deutschlands Clubs momentan im Vergleich etwa mit Spanien, Italien, England
oder Frankreich verbreiten. Die Bundesliga - nur noch eine graue Maus in
Europa. Zusätzliche Europacup-Startplätze bleiben ein Wunschtraum.
Wenn einer der selbst ernannten Bayern-Jäger dann ausnahmsweise mal einen
spielerischen Glanztag erwischt wie etwa Schalke 04 gegen den AC Mailand
(2:2), dann springt halt nur ein mageres Pünktchen heraus - zu wenig, um in
der Champions League zu überwintern. Für die jeweiligen Gruppenletzten
Bremen (18.10. in Udine, 2.11. gegen Udine zuhause) und Schalke (19.10 in
Istanbul, 1.11 gegen Istanbul zuhause) gilt in den anstehenden Endspielen"
nur noch das Prinzip Hoffnung.
Die cleveren, aus unzähligen Europacup-Partien gestählten Münchner hätten
die so schwach in die Saison gestarteten und in der Defensive ungewohnt
anfälligen Mailänder an so einem Abend geschlagen nach Hause geschickt -
vermutlich mit 1:0. Wie die noch sieglosen Bremer stehen auch die
Gelsenkirchener - allen Assauerschen Durchhalteparolen zum Trotz (zuerst ein
Punkt am Bosporus, dann zwei Heimsiege gegen Istanbul und Eindhoven") - vor
dem Abstieg" in den UEFA-Cup, wo nur drei von fünf deutschen Clubs die erste
Runde überstanden.
Wir bemühen uns, erarbeiten uns jede Menge Chancen, aber es kommt zu wenig
dabei raus", hat Bayer Leverkusens Nationalspieler Bernd Schneider die
mangelnde Abgeklärtheit seiner Elf als Grundübel ausgemacht - im Übrigen
schon vor Klaus Augenthalers Rauswurf. Unter Interims-Coach Rudi Völler ist
es keinen Deut besser geworden - die beiden 0:1-Pleiten im UEFA-Cup gegen
ZSKA Sofia waren Bankrott-Erklärungen in Sachen fußballerischer Effektivität.
Und nebenbei wirtschaftlich eine Katastrophe. Eingeplante
Millionen-Einnahmen gehen flöten - null Gegenwert für die 25 Millionen Euro,
die der Bayer-Konzern diese Saison in seine Fußball-GmbH investiert.
Okay, das Ausscheiden der wackeren Mainzer (0:2 gegen FC Sevilla) hat
angesichts der misslichen Lage der Klopp-Truppe in der Bundesliga keinen
Experten überrascht - gegen die humorlos-konsequenten Spanier war schnell
Schluss mit Karneval. Zu wesentlich mehr Besorgnis geben da schon das eher
glückliche Weiterkommen des HSV in Kopenhagen durch einen fragwürdigen
Handelfmeter von Rafael van der Vaart in der Nachspielzeit, der peinliche
Auftritt des VfB Stuttgart (0:1 bei NK Domzale) in Slowenien und das
glanzlose 3:1 von Hertha BSC (Tore für Berlin: Marcelinho, Nando Rafael,
Cairo) über Apoel Nikosia Anlass.
Mit solchen Leistungen wird's auch in der am 20. Oktober beginnenden
Gruppenphase schwer - in den acht 5er-Gruppen qualifizieren sich die ersten
drei zusammen mit den acht Champions-League-Dritten für die Runde der
letzten 32. |