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Von Eva Tasche und Harald Schmidt
Molsheim/Wolfsburg (dpa) - Es ist
ein Sportwagen der Superlative: Der neue Veyron der Volkswagentochter
Bugatti ist schneller als jedes bisher für den Straßenverkehr zugelassene
Gefährt, exklusiver als alle bisher in Serie gefertigten Modelle und teurer
als selbst für viele wohlhabende Autofreunde bezahlbar. Ich habe noch nie
ein Auto gesehen, das zugleich so aufregend sinnlich ist und und so
kompromisslos sportlich", schwärmte der damalige VW-Chef und jetzige
Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piech, als die Designstudie des Bugatti
Veyron Ende 1999 auf der Tokyo Motor Show vorgestellt wurde.
Seither sind fast sechs Jahre vergangen. Doch nach zahlreichen technischen
Problemen und mehreren Verzögerungen ist es nun so weit: Kommende Woche
beginnt die Bugatti Automobiles SAS im elsässischen Molsheim mit der
Serienproduktion des EB Veyron 16.4. Nomen est Omen bei dem 407
Stundenkilometer schnellen Rennwagen für den Alltag: Das Auto wurde nach dem
Rennfahrer Pierre Veyron benannt, der 1939 in Le Mans auf Bugatti gewann.
Nur 300 Stück sollen von dem Luxus-Gefährt produziert werden. Gewinne sind
nicht geplant, obwohl der Flitzer der legendären Marke vor Steuern 1 Million
Euro kosten wird. Der Veyron wird niemals profitabel sein. Es geht um den
Erhalt der Marke und ums Prestige", sagt Bugatti-Präsident Thomas Bscher in
Molsheim. Der Ort hat Symbolkraft, wie so vieles bei diesem Gefährt. Denn
dort hatte Ettore Bugatti sein Unternehmen für Sportwagen und Luxuskarossen
1909 gegründet. 1956 wurde die Produktion eingestellt. Auch die 1001 PS des
neuen Supersportwagens seien als Symbol zu verstehen, schrieb Piech in
seiner Auto.Biographie". Die Zahl erinnert an die Geschichten der
Scheherazade aus Tausendundeine Nacht.
Ungewöhnlich sind auch die Umstände, unter denen das Superauto das Licht der
Öffentlichkeit erblickt: Bugatti Automobiles macht aus dem wohlgeformten
Sportwagen mit 16 Zylindern, vier Turboladern, acht Litern Hubraum und dem
bis zu 70000 Euro teuren Getriebe vorerst ein Geheimnis und stellt ihn nicht
etwa bei der Internationalen Automobilausstellung im September in Frankfurt
vor. Vielmehr wurden ein paar auserlesene Gäste für den 3. September nach
Molsheim bei Straßburg geladen. Erst Ende Oktober soll das Auto auf der
Tokyo Motor Show der breiten Öffentlichkeit gezeigt werden.
Der Volkswagenkonzern, der die Rechte an Bugatti 1998 unter Piech erwarb,
hat sich mit der Wiederbelebung der Sportmarke nicht nur Freunde gemacht.
Von Größenwahn war die Rede und von Geldverschwendung. Kritiker bemängelten,
die Karosserie erinnere an die Tragflächen einen Flugzeugs. Bei 400
Stundenkilometern hebt das Ding ab", meinte ein Experte. Bscher kennt diese
Vorwürfe, winkt aber ab: Das ist völliger Quatsch. Die Fahrzeuge der
Konkurrenz haben nur nicht einen solchen Abtrieb wie der Veyron."
Bugatti-Sprecher Georges Keller betont: Das Auto fährt sich so leicht wie
ein Golf. Es hat dieselben Qualitätssicherungsprogram-me durchlaufen wie ein
Passat."
Nach Bschers Worten sind derzeit 30 Fahrzeuge bestellt. Die
zahlungskräftigen Kunden aus aller Welt hätten die Anzahlung von 300000 Euro
überwiesen. Weitere Interessenten hätten angefragt. Die Produktion des
ersten Halbjahrs sei damit ausverkauft. Bscher will kein Auto bauen lassen,
das nicht bestellt ist.
Auch der technikbegeisterte Piech ist mit seinem Ausflug in die Luxusklasse
längst in die Kritik geraten: Da seien Edelmarken wie Bugatti und
Lamborghini zusam-mengekauft und der teure Phaeton entwickelt worden, aber
der traditionelle, für eine breite Käuferschicht interessante Volkswagen sei
ins Hintertreffen geraten.
Zwar ist die Lage des VW-Konzerns alles andere als rosig. Aber bei einem
Modell wie dem Bugatti gehe es auch darum, die technische Kompetenz des
Konzerns zu beweisen, argumentiert Konzernchef Bernd Pischetsrieder.
Das Bugatti-Projekt koste insgesamt nicht mehr, als andere Autokonzerne
allein für eine Formel-1-Saison ausgäben.
Auch Bscher sieht die Investitionen gut angelegt: Schon das dritte Modell
der legendären Marke könne kleiner ausfallen und in größeren Mengen
angeboten werden. Dann armortisieren wir die Investitionen."
(Internet: www.bugatti-auto.com) |