15 July, 2008

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50. Todestag von Bertolt Brecht:  "Ändere die Welt, sie braucht es"

Bertolt Brecht als 20jähriger (l) im Jahr 1918 sowie eine undatierte Aufnahme des Dichters (r) aus späteren Jahren.

Von Elke Vogel

Berlin (dpa) - Ändere die Welt, sie braucht es" - diese Forderung von Bertolt Brecht hat auch 50 Jahre nach seinem Tod nichts von ihrer Aktualität verloren. In Zeiten von Arbeitslosigkeit und der Verarmung ganzer Bevölkerungsschichten stehen die Stücke des dichtenden Sozialrevolutionärs wieder hoch im Kurs. Brecht ist laut Bühnenverein-Statistik nach Shakespeare und den Gebrüdern Grimm der meistgespielte Autor an deutschsprachigen Theatern.

Neben dem antikapitalistischen Singspiel Die Dreigroschenoper" gehört Brechts Mutter Courage und ihre Kinder" über Krieg und Kriegsgewinnler zu den Publikumslieblingen. Der politische Brecht ist ganz stark im Kommen", sagt Claus Peymann, Intendant des 1949 von Brecht und seiner Frau Helene Weigel gegründeten Berliner Ensembles.

Am 14. August 1956 starb der gebürtige Augsburger Brecht im Alter von 58 Jahren in Ost-Berlin. Nach seiner Rückkehr aus dem amerikanischen Exil hatte sich Brecht für die DDR als neue Heimat entschieden. Der SED-Staat empfing Brecht, der nie Parteimitglied wurde, in den ersten Jahren keineswegs mit offenen Armen. Die DDR- Oberen zitierten Brecht gerne mit dem Hinweis, er habe seine eigenen Stücke erst nach der Lektüre des Kapitals" von Karl Marx verstanden.

Der Sohn eines Papierfabrik-Direktors, der selbst Medizin und Literatur studierte, war zeitlebens unangepasst. Insgesamt 48 Theaterstücke, 2334 Gedichte und zahlreiche Prosawerke schuf Brecht. Das Berliner Ensemble erhielt zunächst Gastrecht am Deutschen Theater Berlin, wo es Brechts Idee von einem sozialistischen Theater zwischen Belehrung und Vergnügung verwirklichte. Erst 1954 zog das Berliner Ensemble in das nahe gelegene Theater am Schiffbauerdamm um.

Brecht gilt als Erfinder des so genannten epischen Theaters, das den Zuschauer durch verfremdende Mittel - zum Beispiel das Heraustreten des Schauspielers aus seiner Rolle oder Lieder und Texttafeln - in ein kritisch-beobachtendes Verhältnis zum Bühnengeschehen versetzt. So sollen die auf der Bühne gezeigten Verhaltensweisen als gesellschaftlich bedingt und deshalb veränderbar gezeichnet werden. In Modellbüchern dokumentierte Brecht mit Fotos, Zeichnungen und Anmerkungen zu Regie, Musik und Bühnenbild die Entstehung einer Inszenierung. Andere Theater durften sich die Modellbücher ausleihen.

Zu Brechts Team zählten neben seiner zweiten Ehefrau Helene Weigel unter anderem die Bühnenbildner Caspar Neher und Karl von Appen, die Dramaturgin Elisabeth Hauptmann, die Schauspielerin Therese Giehse, die Komponisten Kurt Weill und Hanns Eisler sowie der damalige Theaternachwuchs Peter Palitzsch, Benno Besson und Manfred Wekwerth. Doch die neue Gesellschaftsordnung, auf die Brecht trotz der Niederschlagung des Aufstandes vom 17. Juni 1953 in der DDR so sehr gesetzt hatte, blieb ein Traum.

Während das Berliner Ensemble in der DDR oft in der Kritik stand, gaben die Theaterleute im Ausland umjubelte Gastspiele. Zu Weltruhm gelangte das Berliner Ensemble nicht nur mit der legendären Inszenierung von Mutter Courage und ihre Kinder" mit Helene Weigel in der Titelrolle, sondern auch mit Der aufhaltsame Aufsteig des Arturo Ui". Ekkehard Schall, den Brecht 1952 aus der Provinz an das Berliner Ensemble geholt hatte, spielte den mafiösen Arturo Ui bis zu seinem Tod mehr als 500 Mal. Heute verkörpert Martin Wuttke den Ui" - in der Inszenierung von Heiner Müller, am inzwischen von Peymann geleiteten Berliner Ensemble.

In West-Deutschland wurden die Stücke von Brecht, Träger des DDR- Staatspreises und des Stalin-Friedenspreises, eine ganze Zeit lang boykottiert. Erst nach seinem Tod wurde Brechts Werk in Deutschland richtig gewürdigt. Brecht träumte seinen Traum von einer gerechten Welt ohne Ausbeutung bis zuletzt - auch wenn seine Gegner über den Arbeiterdichter" die Nase rümpften, weil er nur Gewerk-schaftsstücke" schreibe. Aber selbst der Schöngeist und Antipode Brechts, Thomas Mann, musste einräumen: Das Scheusal hat ja Talent." Was wohl in erster Linie auf die Lyrik und Prosa Brechts von der Hauspostille" über die Geschichten vom Herrn Keuner" bis zu den Buckower Elegien" bezogen war.

Brechts große Dramen wie Mutter Courage und ihre Kinder", Der gute Mensch von Sezuan" und Leben des Galilei" entstanden in der Zeit des Exils zwischen 1938 und 1945. Über Prag und die Schweiz flüchtete Brecht vor den Nazis zunächst nach Dänemark, wo seine literarisch produktivste Zeit war. 1941 gelangte er in die USA. Im Zuge der Kommunisten-Jagd musste sich der Dramatiker dort 1947 vor dem Ausschuss für anti-amerikanische Umtriebe" verantworten. Kurze Zeit später verließ er die USA.

Die Unbeständigkeit der menschlichen Natur", faszinierte Brecht. Eine Unbeständigkeit, die er auch an sich selbst beobachten konnte, zum Beispiel in seinem durchaus ausbeuterischen Umgang mit Frauen wie Elisabeth Hauptmann, Ruth Berlau und Margarete Steffin. Lange wurde gestritten, ob Brecht ein bedeutenderer Dramatiker oder Lyriker sei. Fest steht, dass Brecht mit seinen Gedichten nicht nur politische Agitation betrieb, sondern auch wunderschöne Liebeslyrik schrieb. Seine Faszination macht bis heute aus, dass er als eine Art früher Globali-sierungskritiker stets gegen Ausbeutung jeglicher Art kämpfte und vor allem immer klar Stellung bezog.

 

 

Last modified on:07/07/2008

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