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Hamburg (dpa) - Mehr als ein halbes
Jahrhundert lang war Baden in den großen Flüssen Europas fast ein Tabu.
Giftfrachten aus industrieller Produktion verschmutzten Rhein und Ruhr, Elbe
und Werra, Loire, Themse und Ebro. Betriebsstilllegungen - vor allem im
Osten - sowie der konsequente Einsatz von Abwasserbehandlungsanlagen sorgen
seit mehr als zehn Jahren dafür, dass die Wasserqualität der Flüsse deutlich
besser geworden ist.
Für viele der untersuchten Schadstoffe ist ein erfreulicher Rückgang zu
verzeichnen", sagt Roberto Epple vom European Rivers Network. Problematisch
seien dagegen weiterhin Gülle und Kunstdünger aus der Landwirtschaft, vor
allem Nitrate. Es gebe also weiterhin Handlungsbedarf, damit die Flüsse
wirklich sauber werden". Besonders gut ist nach seinen Worten inzwischen die
Wasserqualität von Rhein und Elbe, wo es inzwischen wieder mehr als 100
Fischarten gibt.
Ein Sprung ins kühle Nass ist nur noch in wenigen Flüssen
gesundheitsgefährdend. Zu den Sorgenkindern" gehört die durch Thüringen und
Hessen fließende Werra, die nach einer Studie der Universität Kassel zu den
am stärksten belasteten Flüssen Mitteleuropas zählt. Das Ökosystem in dem
von der Kaliindustrie salzbelasteten Fluss sei tiefgreifend gestört, betonen
die Wissenschaftler.
Ganz anders ist die Situation der Elbe, wo im Sommer 2002 der erste
länderübergreifende Badetag" gefeiert wurde. An diesem Sonntag (kurz vor WP-
Redaktionsschluß)) findet der zweite internationale Elbebadetag statt. An
mehr als 50 Orten in Deutschland und Tschechien sollen die Menschen ihren
Fluss feiern und die gute Wasserqualität zum Baden nutzen", meint die
Verlegerin Angelika Jahr, Schirmherrin des Projekts. Zeitgleich sind unter
anderem an der Loire, an der Themse, an der Seine, am Ebro und am Rhein
viele weitere Badefeste geplant. Beim ersten europäischen Flussbadetag Big
Jump" werden Zehntausende die Flüsse für die Freizeit zurück erobern",
hoffen die Initiatoren vom Rivers Network.
Das sei möglich, weil das Wasser vielerorts bereits wieder Badequalität"
habe. So hat nach Untersuchungen der Wassergütestelle Elbe die Belastung des
Flusses mit hochgiftigem Quecksilber besonders abgenommen. Nachdem 1985 noch
28000 Kilogramm des Schwermetalls die Elbe hinabflossen, sank diese Fracht
im Jahr 2004 auf nur noch 1000 Kilogramm. Weniger zufrieden stellend ist in
diesen Tagen allerdings der Sauerstoffgehalt des Flusses, der schon seit
Wochen den für Fische kritischen Wert von drei Milligramm Sauerstoff pro
Liter Wasser unterschritten hat. Für Menschen, die in der Elbe baden wollen,
ist das aber kein Problem", erklärt Epple.
Die Wasserwege bergen aber auch andere Gefahren, wie starke Strömung oder
Schiffsverkehr. Die Lebensretter der DLRG empfehlen daher nur wirklich guten
Schwimmern ein Bad im Fluss. So war erst in der vergangenen Woche ein
48-jähriger Familienvater in der Elbe ertrunken. Nach 25 Metern verließen
ihn offenbar die Kräfte, die Strömung riss ihn elbabwärts.
Auf große Strandbäder an ihren Flüssen werden die Menschen nach Einschätzung
der Fachleute daher wohl auch künftig verzichten müssen. Das war um die
Jahrhundertwende noch ganz anders. So tummelten sich die Hamburger damals
vielerorts in Badeanstalten an der Elbe. An schönen Sommertagen kamen mehr
als 10000 Gäste ins Wittenberger Strandbad kurz hinter Blankenese. Für 20
Pfennig Eintritt konnten sich die Menschen hier - züchtig verhüllt - in die
Fluten stürzen. |