03 December, 2008

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Bestattung: Die letzte Ruhe im Schatten der Bäume

Die letzte Ruhe unter einem Baum im Wald. Immer mehr Deutsche finden Gefallen daran. Inzwischen gibt es 13 Friedwälder in der Bundesrepublik, allein vier davon in Niedersachsen.

Foto: dpa

Seit 2001 sind in Niedersachsen vier Friedwälder eingerichtet worden. In der Lüneburger Heide können Urnen innnerhalb eines Naturschutzgebiets beigesetzt werden. Das ist einmalig in Deutschland.

Von Ludger Fertmann

Lüneburg -Die Idee stammt aus der Schweiz, kam über Süddeutschland in den Norden. Inzwischen aber liegen vier der 13 deutschen Friedwälder in Niedersachsen.

Im Friedwald Lüneburger Heide hat sich in dieser Woche sogar eine Delegation aus Korea informiert über die ganz andere Art der Beisetzung. Die Anlage bei Bispingen gilt den niedersächsischen Landesforsten als ein besonders gelungenes Beispiel: Hier wird die Urnenbestattung - einmalig in Deutschland - in einem Naturschutzgebiet angeboten. Auf den ersten Blick ist die Beisetzung in einer biologisch abbaubaren Urne unter einem Baum nur eine Nischenidee.

Seit der Eröffnung des Friedwaldes im vergangenen Oktober haben hier knapp 60 Beerdigungen stattgefunden. Deutschlandweit sind es seit der Gründung der ersten Anlage im Jahr 2001 aber bereits 2600 Bestattungen, und die Zahl verdoppelt sich nach Auskunft der federführenden FriedWald GmbH praktisch jedes Jahr. Noch größer aber ist die Zahl der Menschen, die hier bereits ihren Platz im Wald wie bislang die Grabstätte auf dem Friedhof kaufen - für später.

Es sind vor allem zwei Gründe, die zum rasch wachsenden Interesse führen. Da ist zum einen die Vorstellung, am Fuße alter Bäume mitten in der Natur beerdigt zu werden statt auf einem Friedhof. Außerdem sind die Urnenbestat-tungen in den Wäldern preiswerter als auf Friedhöfen. Die Kosten betragen, vor allem auf lange Sicht betrachtet, nur einen Bruchteil der sonst üblichen Ausgaben. Zudem dürfte auf einem kommunalen Friedhof direkt am Grab eines Motorradfans eine Harley-Davidson mit vollem Sound aufdrehen. Im Friedwald Bramsche bei Osnabrück war dies möglich, wie die Angehörigen auch sonst frei sind in der Gestaltung der Trauerfeier, auch in den Friedwäldern im Elm und bei Oldenburg.

Bei Buxtehude wird schon die nächste Anlage geplant. Lieblingsmusik aus dem Kassettenrecorder - Regie führen die Angehörigen. Von Amts wegen dabei ist nur der Förster mit der Urne. Die niedersächsischen Friedwälder - in den anderen norddeutschen Bundesländern gibt es nur noch einen Friedwald auf der Insel Rügen - werden betrieben durch die staatlichen Landesforsten, für Werbung sorgt die FriedWald GmbH, die die deutschen Rechte an diesem Konzept besitzt. Sie bietet auch für Interessenten regelrechte Führungen und Beratungsgespräche an. Beide Seiten profitieren, teilen sich nach einem vertraulich gehandhabten Schlüssel die Einnahmen aus der langfristigen Verpachtung der Bäume.

Mit im Boot sind immer auch die Kommunen: Sie kassieren mehr als die Hälfte der Gebühren für die Beisetzung - haben aber keine Folgekosten wie auf den Friedhöfen zu tragen. Eiche, Buche oder Linde, bunte Bänder in den Friedwäldern zei-gen an, welche Bäume ganz oder teilweise zu kaufen sind. Der im Naturschutzgebiet liegende Friedwald Lüneburger Heide unterscheidet sich von den anderen Anlagen: Hier ist der Friedwald mit Rücksicht auf den Naturschutz angelegt in einem Streifen von etwa 15 Metern beidseits eines Waldweges, rund anderthalb Kilometer entfernt vom nächsten Parkplatz.

Deshalb profitieren hier auch Bauern mit dem Angebot von eigenen Kutschfahrten zu den Be-stattungen, wenn den Trauergästen der Weg zu weit erscheinen sollte. www.friedwald.de/

 

 

Last modified on:07/07/2008

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