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Seit 2001 sind in
Niedersachsen vier Friedwälder eingerichtet worden. In der Lüneburger Heide
können Urnen innnerhalb eines Naturschutzgebiets beigesetzt werden. Das ist
einmalig in Deutschland.
Von Ludger
Fertmann
Lüneburg -Die Idee stammt aus der
Schweiz, kam über Süddeutschland in den Norden. Inzwischen aber liegen vier
der 13 deutschen Friedwälder in Niedersachsen.
Im
Friedwald Lüneburger Heide hat sich in dieser Woche sogar eine Delegation
aus Korea informiert über die ganz andere Art der Beisetzung. Die Anlage bei
Bispingen gilt den niedersächsischen Landesforsten als ein besonders
gelungenes Beispiel: Hier wird die Urnenbestattung - einmalig in Deutschland
- in einem Naturschutzgebiet angeboten. Auf den ersten Blick ist die
Beisetzung in einer biologisch abbaubaren Urne unter einem Baum nur eine
Nischenidee.
Seit der Eröffnung des Friedwaldes im vergangenen Oktober haben hier knapp
60 Beerdigungen stattgefunden. Deutschlandweit sind es seit der Gründung der
ersten Anlage im Jahr 2001 aber bereits 2600 Bestattungen, und die Zahl
verdoppelt sich nach Auskunft der federführenden FriedWald GmbH praktisch
jedes Jahr. Noch größer aber ist die Zahl der Menschen, die hier bereits
ihren Platz im Wald wie bislang die Grabstätte auf dem Friedhof kaufen - für
später.
Es
sind vor allem zwei Gründe, die zum rasch wachsenden Interesse führen. Da
ist zum einen die Vorstellung, am Fuße alter Bäume mitten in der Natur
beerdigt zu werden statt auf einem Friedhof. Außerdem sind die
Urnenbestat-tungen in den Wäldern preiswerter als auf Friedhöfen. Die Kosten
betragen, vor allem auf lange Sicht betrachtet, nur einen Bruchteil der
sonst üblichen Ausgaben. Zudem dürfte auf einem kommunalen Friedhof direkt
am Grab eines Motorradfans eine Harley-Davidson mit vollem Sound aufdrehen.
Im Friedwald Bramsche bei Osnabrück war dies möglich, wie die Angehörigen
auch sonst frei sind in der Gestaltung der Trauerfeier, auch in den
Friedwäldern im Elm und bei Oldenburg.
Bei Buxtehude wird schon die nächste Anlage geplant. Lieblingsmusik aus dem
Kassettenrecorder - Regie führen die Angehörigen. Von Amts wegen dabei ist
nur der Förster mit der Urne. Die niedersächsischen Friedwälder - in den
anderen norddeutschen Bundesländern gibt es nur noch einen Friedwald auf der
Insel Rügen - werden betrieben durch die staatlichen Landesforsten, für
Werbung sorgt die FriedWald GmbH, die die deutschen Rechte an diesem Konzept
besitzt. Sie bietet auch für Interessenten regelrechte Führungen und
Beratungsgespräche an. Beide Seiten profitieren, teilen sich nach einem
vertraulich gehandhabten Schlüssel die Einnahmen aus der langfristigen
Verpachtung der Bäume.
Mit im Boot sind immer auch die Kommunen: Sie kassieren mehr als die Hälfte
der Gebühren für die Beisetzung - haben aber keine Folgekosten wie auf den
Friedhöfen zu tragen. Eiche, Buche oder Linde, bunte Bänder in den
Friedwäldern zei-gen an, welche Bäume ganz oder teilweise zu kaufen sind.
Der im Naturschutzgebiet liegende Friedwald Lüneburger Heide unterscheidet
sich von den anderen Anlagen: Hier ist der Friedwald mit Rücksicht auf den
Naturschutz angelegt in einem Streifen von etwa 15 Metern beidseits eines
Waldweges, rund anderthalb Kilometer entfernt vom nächsten Parkplatz.
Deshalb profitieren hier auch Bauern mit dem Angebot von
eigenen Kutschfahrten zu den Be-stattungen, wenn den Trauergästen der Weg zu
weit erscheinen sollte. www.friedwald.de/ |