30 June, 2008

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Bahnhofsmissionen:  Rund um die Uhr geöffnet

Hannover (dpa) - Rund um die Uhr finden Menschen Hilfe in Bahnhofsmissionen. Etwa 2000 ehrenamtliche und feste Mitarbeiter sind Tag und Nacht in den bundesweit 95 Einrichtungen im Einsatz.

Jeder Mensch kann sich mit jeder Frage an uns wenden", sagt die Leiterin der Bahnhofsmission in Hannover, Ingrid Noll.

Sechs Millionen Mal halfen die Bahnhofsmissionen in Deutschland im vergangenen Jahr. Allein in Hannover kamen 42000 Hilfsbedürftige. Die Hälfte von ihnen waren nach Nolls Angaben Reisende.

Ute Henkies ist eine von ihnen. Die an Multiple Sklerose Erkrankte kann ohne Hilfe der Mission nicht Bahnfahren. Beim Umsteigen ist sie auf die Unterstützung angewiesen. Es ging wunderbar. Ich hatte sehr nette Begleiter von der Bahnhofsmission", erzählt die 57-Jährige aus Rendsburg an ihrem Umsteigebahnhof in Hannover.

Die Mitarbeiter der Bahnhofsmission helfen jedoch nicht nur beim Umsteigen. Ob es sich um Begleitungen zum Taxi handelt oder um einen verloren gegangenen Koffer, die Einrichtung ist Anlaufpunkt bei Reiseproblemen jeglicher Art. So können Reisende in Hannover in den Räumen der Mission auch nachts auf Anschlusszüge warten, Babys wickeln oder eine Toilette benutzen. Die Bitte einer Studentin, den Pudel zu beaufsichtigen, damit sie zu einem verabredeten Frühstück gehen könne, habe sie allerdings abgelehnt, erzählt Noll.

Die Arbeit ist vielseitig. Man fährt von zu Hause los und weiß nicht wie der Tag endet", sagt der 20 Jahre alte Paul Haller, der zusammen mit Mark Thorndyke seinen Zivildienst bei der Bahnhofsmission in der niedersächsischen Landeshauptstadt leistet. Man arbeitet oft mit deutlich Älteren zusammen, aber es ergänzt sich ganz gut", meint Haller.

Die Hälfte der Besucher sind allerdings sozialschwache Menschen. Die Bahnhofsmission hat sich gewandelt zur sozialen Ambulanz am Bahnhof", sagt Traugott Weber, Bundesgeschäftsführer der Bahnhofsmission Deutschland. So hören Ingrid Noll und ihre Mitarbeiter nicht nur zu, sie stehen auch in engem Kontakt zu Beratungsstellen und Notunterkünften und vermitteln Hilfesuchende weiter.

In Zeiten knapper Finanzen sind bei den kirchlichen Trägern allerdings auch Diskussionen über die Zukunft von Bahnhofsmissionen kein Tabuthema. Fünf Einrichtungen sind nach Angaben des Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Bahnhofsmission, Klaus Teschner, in den vergangenen sechs Jahren geschlossen worden. Die Bahnhofsmission habe neue Herausforderungen aber frühzeitig erkannt und zeitnah und kreativ darauf reagiert, meint Weber.

Wir müssen in der angestrengten Finanzsituation unser innerkirchliches Profil schärfen. Die Bahnhofsmission ist Teil eines neu betonten missionarischen Konzepts der Kirche", sagt Teschner. Es müsse aber auch überlegt werden, wer für die Finanzierung einspringt, ergänzt Weber. Bis dies geschehen ist, kreist vor allem die Spendenbüchse. Das Sammeln mit der Büchse auf dem Bahnhof ist altmodisch, aber wir brauchen das Geld", meint Ingrid Noll.

Ein Obdachloser vor der Bahnhofs-mission in Hamburg. (Archiv)

 

 

Last modified on:01/14/2008

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