|
Hannover (dpa) - Rund um die Uhr finden Menschen Hilfe in
Bahnhofsmissionen. Etwa 2000 ehrenamtliche und feste Mitarbeiter sind Tag
und Nacht in den bundesweit 95 Einrichtungen im Einsatz.
Jeder Mensch kann sich mit jeder Frage an uns wenden", sagt die Leiterin der
Bahnhofsmission in Hannover, Ingrid Noll.
Sechs Millionen Mal halfen die Bahnhofsmissionen in Deutschland im
vergangenen Jahr. Allein in Hannover kamen 42000 Hilfsbedürftige. Die Hälfte
von ihnen waren nach Nolls Angaben Reisende.
Ute Henkies ist eine von ihnen. Die an Multiple Sklerose Erkrankte kann ohne
Hilfe der Mission nicht Bahnfahren. Beim Umsteigen ist sie auf die
Unterstützung angewiesen. Es ging wunderbar. Ich hatte sehr nette Begleiter
von der Bahnhofsmission", erzählt die 57-Jährige aus Rendsburg an ihrem
Umsteigebahnhof in Hannover.
Die Mitarbeiter der Bahnhofsmission helfen jedoch nicht nur beim Umsteigen.
Ob es sich um Begleitungen zum Taxi handelt oder um einen verloren
gegangenen Koffer, die Einrichtung ist Anlaufpunkt bei Reiseproblemen
jeglicher Art. So können Reisende in Hannover in den Räumen der Mission auch
nachts auf Anschlusszüge warten, Babys wickeln oder eine Toilette benutzen.
Die Bitte einer Studentin, den Pudel zu beaufsichtigen, damit sie zu einem
verabredeten Frühstück gehen könne, habe sie allerdings abgelehnt, erzählt
Noll.
Die Arbeit ist vielseitig. Man fährt von zu Hause los und weiß nicht wie der
Tag endet", sagt der 20 Jahre alte Paul Haller, der zusammen mit Mark
Thorndyke seinen Zivildienst bei der Bahnhofsmission in der
niedersächsischen Landeshauptstadt leistet. Man arbeitet oft mit deutlich
Älteren zusammen, aber es ergänzt sich ganz gut", meint Haller.
Die Hälfte der Besucher sind allerdings sozialschwache Menschen. Die
Bahnhofsmission hat sich gewandelt zur sozialen Ambulanz am Bahnhof", sagt
Traugott Weber, Bundesgeschäftsführer der Bahnhofsmission Deutschland. So
hören Ingrid Noll und ihre Mitarbeiter nicht nur zu, sie stehen auch in
engem Kontakt zu Beratungsstellen und Notunterkünften und vermitteln
Hilfesuchende weiter.
In
Zeiten knapper Finanzen sind bei den kirchlichen Trägern allerdings auch
Diskussionen über die Zukunft von Bahnhofsmissionen kein Tabuthema. Fünf
Einrichtungen sind nach Angaben des Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen
Bahnhofsmission, Klaus Teschner, in den vergangenen sechs Jahren geschlossen
worden. Die Bahnhofsmission habe neue Herausforderungen aber frühzeitig
erkannt und zeitnah und kreativ darauf reagiert, meint Weber.
Wir müssen in der angestrengten Finanzsituation unser innerkirchliches
Profil schärfen. Die Bahnhofsmission ist Teil eines neu betonten
missionarischen Konzepts der Kirche", sagt Teschner. Es müsse aber auch
überlegt werden, wer für die Finanzierung einspringt, ergänzt Weber. Bis
dies geschehen ist, kreist vor allem die Spendenbüchse. Das Sammeln mit der
Büchse auf dem Bahnhof ist altmodisch, aber wir brauchen das Geld", meint
Ingrid Noll. |