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Köln
(dpa) - Wenn BAP als eine der erfolgreichsten Rockbands Deutschlands in die
Jahre kommt, dann scheinen die ersten Erfolge vor 30 Jahren Verdamp lang
her". Es war einer der schönsten Momente, als wir gemerkt haben, dass das
mit BAP auch außerhalb von Köln funktionierte", erinnert sich Gründer und
Frontmann Wolfgang Niedecken an einen der ersten Auftritte in einem
Wuppertaler Jugendzentrum" gegen Ende der 70er Jahre. Mehr als 20
Erfolgsalben, ausverkaufte Tourneen, Fans überall auf der Welt, zahlreiche
Hymnen wie Lena", Waschsalon", Müsli Man", Time is Cash, Time is Money",
Kristallnaach" oder Do kanns zaubere" - die Bilanz zum 30. Geburtstag dürfte
der Band wie Musik in den Ohren klingen.
Gefeiert wird mit
dem neuen Album Dreimal zehn Jahre" und ab Januar 2006 mit einer
Deutschland-Tournee. Begonnen hatte die Band 1976, damals noch in ständig
wechselnder Besetzung, um einen Kasten Bier leer zu proben". Besonders
lebhaft in Erinnerung sind Niedecken seit dem Start zwei Auftritte geblieben:
Ein Highlight war unser Auftritt 1982 auf der Loreley, wo wir unser
absolutes Durchbruchalbum Vun drinne noh drusse" quasi aus der Hüfte
gespielt und per Eurovision einem Millionenpublikum vorgestellt haben",
erzählt der 54-Jährige. Wir hatten noch nicht mal ordentlich geprobt,
sondern nur ein paar Akkorde durchgespielt."
Unvergesslich
nennt der Sänger zudem die China-Tour 1987. Wir hatten die Einladung zuerst
auch mal wieder nicht ernst genommen." Die BAP-Auftritte in Peking, Kanton
und Shanghai 1987 waren die ersten einer westlichen Rockband überhaupt in
China. So einen Urknall mitzuerleben oder ihn zu verursachen, das ist der
Wahnsinn." Von den 80er Jahren an gehörte BAP zu den populärsten Bands und
hatte Alben wie Für Usszeschnigge" oder Bess demnähx" teilweise mehr als
eine Million Mal verkauft. Bei einem legendären Konzert mehrerer Bands gegen
Rassismus in Köln 1992 stammte der Text zu dem gemeinsam gesungenen Song
Arsch huh - Zäng ussenander" aus Niedeckens Feder.
Aber nicht immer
ging es ohne Missklänge und Dissonanzen. Niedecken: Die härteste Phase, die
wir hatten, war während der Produktion für das Album Ahl Männer aalglatt"
(1986). Es war der Anfang einer dann noch 13 Jahre andauernden Tauzieherei,
in der es um Richtungskampf ging, um die Frage: Radio-Pop oder Rock'n'Roll."
Das künstlerische Ringen mit dem damaligen Gitarristen Klaus Major" Heuser
habe aber auch ein produktives Spannungsfeld erzeugt. Major" Heuser und das
ebenfalls altgediente Mitglied Effendi" Büchel stiegen 1999 nach Comics &
Pin-ups" aus.
Die Band in der
derzeitigen Formation mit Werner Kopal (Bass), Helmut Krumminga (Gitarre),
Jürgen Zöller (Schlagzeug) und Micha Nass (Keyboards) werde wohl noch
ziemlich lange zusammenspielen", meint Niedecken. Wir sind jetzt in einem
Zustand mit der Band, der ideal ist. Ein absolutes Rock'n'Roll-Kompetenzteam."
Ab Sommer 2006 könnten voraussichtlich die Arbeiten für das nächste
Studio-Album beginnen. Für das Jubiläumsalbum Dreimal zehn Jahre" hatte
Niedecken Songs aus den drei BAP-Jahrzehnten ausgewählt und mit Gästen wie
Laith Al-Deen oder Xavier Naidoo neu eingespielt. Wichtigste Spielregel war,
dass wir uns von der bisherigen Version freigemacht haben und die Stücke
ganz neu angegangen sind. Das sollte keine Nostalgie-Veranstaltung werden."
Dem Kölschen
Dialekt will der BAP-Gründer, der sich immer gegen Hochdeutsch oder Englisch
in seinen Songtexten gewehrt hatte, auch weiter treu bleiben. Seine Texte -
politisch, sozialkritisch, oft auch lyrisch - gelten als Fundament des Band-Erfolgs.
Ich weiß, dass die entscheidende Zutat bei den BAP-Songs meine Texte sind.
Aber ohne ein funktionierendes Team wäre ich völlig aufgeschmissen." Der
Team- Mensch Niedecken, der an der Fachhochschule Malerei studiert hatte und
auch als Maler mit mehreren Ausstellungen von sich reden machte, ist
zugleich auch Familien-Mensch. Der Vater von zwei Jungen und zwei Mädchen
räumt ein: Ich glaube, dass nur meine Kinder mich davon abhalten, Zyniker zu
werden - bei all dem politischen Müll um uns herum." |