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Berlin
(dpa) - Punkte in der Flensburger Sünderkartei,
bis zu 200 Euro Bußgeld und einen Monat ohne Führerschein: Das Rasen über
eine rote Ampel kann viel Stress mit sich bringen. Seit genau 80 Jahren gibt
es in Deutschland einen Bußgeldkatalog, der Verkehrsrowdys an
Ampelkreuzungen zur Räson bringen soll. Denn am 1. Oktober 1926 beglückte
die damalige Hauptstadt Berlin den Rest Deutschlands mit dem ersten
Ampel-Gesetz samt Bußregister. Es war eine Grundlage der modernen
Verkehrsregelung. Auch in Zukunft werden Autofahrer an der Ampel nicht
vorbeikommen, sagt der Berliner Verkehrsforscher Kai Nagel. Es gebe auf
engem Raum keine Alternative.
Die erste deutsche
Ampel stand 1924 am Potsdamer Platz in Berlin. Sie hatte fünf Ecken,
waagegerecht montierte Lampen und ersetze 10 Polizisten. Sie hatten sich bis
dahin mit Hupen und Klingeln über die Verkehrsregelung verständigt. Die
moderne Ampel machte schnell Schule in anderen Städten. Am 1. Oktober 1926
verfügte der Reichsverkehrsminister per Gesetz ihre rechtliche
Gleichwertigkeit mit Handzeichen. Nur die äußere Form der Signalanlagen war
noch nicht festgelegt. Es gab sogar Ampeln mit Zeigern.
Heute ist die
Ampel lange genormt und auch die heiße Debatte um ost- oder westdeutsche
Ampelmännchen ist 15 Jahre nach der Deutschen Einheit abgekühlt. Die Figuren
sind mehr ein Marketing-Gag auf T-Shirts oder Handtüchern. An einer
glänzenden Zukunft der modernen Signalanlagen zweifelt Kai Nagel,
Verkehrsforscher an der Technischen Universität Berlin, aber auch nach 80
Jahren nicht. Ampeln werden noch intelligenter werden", erläutert er.
Mittelfristig wird es neben Video-Kameras auch Satelliten geben, die den
Verkehrsfluss messen und die Anlagen steuern", ergänzt er. Zur Fußball-
Weltmeisterschaft wurden Ampeln bereits mit Daten gesteuert, die ein
Zeppelin aus der Luft lieferte.
Im Vergleich zur
ersten Ampel am Potsdamer Platz ist das ein großer Fortschritt. Im
Signalturm hatte noch ein Polizist gesessen, der die Zeit mit einer Stoppuhr
maß, Schalthebel umlegte und Lampen aufleuchten ließ. Die heutige Technik
setzt neben intelligenten" Ampeln auch auf Fahrerassistenz-Systeme im Auto.
Sie könnten bald auch Ampeln erkennen und ein Auto ausbremsen, wenn es der
Fahrer versäumt, erläutert Experte Nagel. Die DEKRA fordert bereits heute,
gängige Assistenzsysteme nicht nur in die Luxusklasse einzubauen.
Deutschland
verfüge im Vergleich mit den USA über ein ausgefeiltes Ampelsystem, sagt der
Berliner Verkehrsforscher. In den engen europäischen Innenstädten mit ihren
alten, verwinkelten Stadtkernen gibt es für ihn auch keine andere Lösung.
Die Ampel wird bleiben", ergänzt er.
Die Ampel ist
keine deutsche Erfindung. Bereits 1868 waren am Londoner Trafalgar Square
versuchsweise Signalarme mit roten und grünen Gaslaternen montiert worden.
Doch die Konstruktion explodierte. Die Idee der mechanischen
Verkehrsregelung lag auf Eis, bis 1914 in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio
die erste elektrische Ampel in Betrieb ging.
Heute ist Berlin
anderen Großstädten schon wieder ein Nasenlänge voraus. In diesem Jahr hat
die hoch verschuldete Hauptstadt ihre Ampelanlagen privatisiert, um Kosten
zu sparen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ist mit dieser Regelung
bisher zufrieden. Ein Tochterunternehmen des holländischen Energiekonzerns
Nuon hat die Wartung, den Betrieb und den künftigen Neubau aller städtischen
Ampelanlagen übernommen und bekommt dafür in den nächsten zehn Jahren 126
Millionen Euro vom Senat. Das Land Berlin, hat die Verwaltung errechnet,
kann dadurch eine Million Euro im Jahr einsparen.
Seine erste Ampel
am Potsdamer Platz hat Berlin voller Stolz rekonstruiert. Sie steht hier
wieder zwischen den Hochhäusern der Moderne und unterirdischen Bahnhöfen -
als Denkmal. |