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Berlin (dpa) - Der Verkauf von Billig-Tickets der Deutschen Bahn
hatte vergangene Woche für einen wahren Ansturm auf die Filialen der
Discounterkette Lidl gesorgt. Innerhalb von wenigen Stunden wurden nach
Angaben eines Bahnsprechers mehr als eine Million Fahrscheine verkauft. Die
bundesweit 2600 Lidl-Niederlassungen meldeten schon am Mittag fast überall
ausverkauft". Viele Kunden mussten trotz langer Wartezeit enttäuscht wieder
abziehen. Die Bahn äußerte sich zufrieden mit der Aktion. Von
Verbraucherschützern kam dagegen Kritik.
Die verkauften Hefte mit je zwei Tickets für insgesamt 49,90 Euro gelten bis
zum 3. Oktober für eine beliebig lange Reise innerhalb von Deutschland. Mit
dem Angebot wollte sich die Bahn vor allem gegen die Konkurrenz der
Billigflieger zur Wehr setzen. Innerhalb von wenigen Stunden wurden nun so
viele Karten verkauft wie sonst an mehreren Tagen: An einem normalen Tag
sind rund 320 000 Reisende mit den Fernzügen der Bahn unterwegs.
Vor allem in Großstädten wie Hamburg, Frankfurt und Berlin gab es vor den
Lidl-Filialen bereits am frühen Morgen die ersten Schlangen. Einige
Geschäfte öffneten deshalb früher als 08.00 Uhr und richteten Zusatz-Kassen
ein. Trotzdem gab es teilweise Schlangen von bis zu 100 Metern und
erheblichen Unmut unter den Kunden. Die Fahrscheinhefte - maximal sechs
Stück pro Kunde - Karten waren dann vielerorts in weniger als einer Stunde
vergriffen. Lidl-Geschäftsführer Andreas Franzke zeigte sich von dem Ansturm
absolut überrascht".
Die Leute wollten nur noch Bahnkarten, überhaupt keine Lebensmittel mehr",
berichtete eine Verkäuferin in Berlin. Ein Großteil der Wartenden ging
zunächst leer aus. In vielen Filialen konnten sie sich dann mit Namen und
Adresse in Listen eintragen. Nach Auskunft der Kassiererinnen sollten sie
auf jeden Fall noch Karten bekommen. Auf den versprochenen Anruf warteten
viele aber vergebens.
Mehrere Kunden klagten, dass sie auf ein Lockvogel-Angebot" hereingefallen
seien. Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs richtet sich auf
Beschwerden ein, weil zu wenig Tickets vorrätig waren.
Bahnsprecher Gunnar Meyer sagte der dpa, zunächst werde es keine weiteren
Billig-Tickets beim Discounter geben. Die Bahn werde aber bereits im Juli
andere attraktive Sonderangebote" haben. Wenn das Angebot größer ist als die
Nachfrage, dann ist das ja keine schlechte Sache." Die Kunden, die jetzt
leer ausgegangen seien, sollten nicht aufgeben".
Verbraucherschützer forderten den bundeseigenen Verkehrskonzern auf, auch am
Schalter Billig-Fahrscheine anzubieten. Die enorme Nachfrage zeigt, dass das
normale Preissystem nicht in Ordnung ist", sagte der Bahn-Experte der
Stiftung Warentest, Michael Koswig, der dpa. Der Bundesverband der
Verbraucherzentralen forderte ebenfalls, mehr solche Billig-Tickets
anzubieten. Die Bahn hat schon günstige Angebote, aber im Tarifdschungel
finden sich viele nicht mehr zurecht", sagte Sprecher Christian Fronczak.
Im
Internet wurden schon mehrere hundert Billig-Tickets zum Weiterverkauf
angeboten. Die Preise reichten bereits über 80 Euro. Das Internet-Auktionshaus
eBay kündigte an, nichts gegen den Weiterverkauf zu unternehmen. Damit
widersprach es Angaben der Bahn, wonach der Handel untersagt werden solle.
In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Bahn ist der Weiterverkauf
verboten. |